Pfuhlschnepfe: 13’560 km nonstop und in Frankreich jagdbar
Ein Jungvogel flog elf Tage ohne Pause von Alaska nach Tasmanien. In Frankreich steht die Art trotzdem auf der Jagdliste.
Foto: Antje Winkler / Unsplash
Am 13. Oktober 2022 startete in Alaska ein rund fünf Monate alter Jungvogel zu seinem ersten Zug. Elf Tage und eine Stunde später landete die junge Pfuhlschnepfe mit dem Satellitensender Nummer 234684 in der Ansons Bay im Osten Tasmaniens. Dazwischen lagen rund 13’560 Kilometer über dem Pazifik, ohne Landung, ohne Nahrung, ohne Pause. Inseln wie Neukaledonien und Vanuatu überflog sie, ohne anzuhalten.
Guinness World Records anerkannte den Flug als längsten dokumentierten Nonstop-Zug eines Vogels. Den bisherigen Rekord, ebenfalls von einer Pfuhlschnepfe, übertraf er um mehr als 350 Kilometer. Über den Rekordflug des Vogels 4BBRW im Jahr 2020 hatte Wild beim Wild damals berichtet.
Die Hälfte des Körpergewichts verbrannt
Eigentlich ziehen die Pfuhlschnepfen aus Alaska nach Neuseeland. Der Jungvogel bog jedoch ab und erreichte Tasmanien. Laut Eric Woehler von BirdLife Tasmania dürfte er auf dem Flug die Hälfte seines Körpergewichts oder mehr verloren haben.
Solche Leistungen sind nur möglich, weil die nichtmenschlichen Tiere vor dem Abflug an reichen Nahrungsflächen enorme Fettreserven anlegen und unterwegs auf intakte Rastgebiete angewiesen sind. Genau diese Rastgebiete schwinden. Auf dem Rückweg nach Norden ist das Gelbe Meer zwischen China und Korea die wichtigste Zwischenstation. Dort gehen Wattflächen durch Deiche und Landgewinnung verloren.
Eine potenziell gefährdete Art
Die Weltnaturschutzunion IUCN führt die Pfuhlschnepfe als «potenziell gefährdet» (Near Threatened), der weltweite Bestand nimmt ab. In Neuseeland sank die Zahl der überwinternden Vögel von über 100’000 Ende der 1980er-Jahre auf rund 67’500 im Jahr 2018. Australien stuft die beiden Unterarten, die dort und in Neuseeland überwintern, seit 2024 als stark gefährdet ein.
Auch durch Europa ziehen Pfuhlschnepfen. Die Vögel aus Skandinavien und Sibirien rasten im Wattenmeer und überwintern an den Küsten Westeuropas und Westafrikas. In der Schweiz ist die Art ein seltener Gast.
In Frankreich zum Abschuss freigegeben
Trotz rückläufiger Bestände ist die Pfuhlschnepfe, auf Französisch «barge rousse», in Frankreich bis heute jagdbar. Sie steht auf der nationalen Liste des jagdbaren Wasserwilds (Arrêté vom 26. Juni 1987). Im Küstenbereich dürfen Hobby-Jäger in der Saison 2026/27 schon ab dem 1. August auf sie schiessen, also mitten in der Zugzeit. Ausgenommen ist nur die verwandte Uferschnepfe («barge à queue noire»), für die seit 2008 ein Jagdmoratorium gilt.
Ein Vogel, der in einem Zug ein Drittel des Erdumfangs zurücklegt und dabei die Hälfte seines Gewichts verbrennt, kann sich keine zusätzlichen Verluste leisten. Jede abgeschossene Pfuhlschnepfe fehlt einem Bestand, der ohnehin schrumpft. Dass Frankreich eine potenziell gefährdete Art weiter als Freizeitbeute führt, zeigt, wie stark die Hobby-Jäger-Lobby die Vogelschutzpolitik bremst. Schon beim Vogelfang mit Netzen und Fallen musste der Staatsrat die Regierung mehrfach stoppen (Frankreich schränkt Vogeljagd weiter ein).
Wie schlecht es um wandernde Tierarten insgesamt steht, zeigt der UNO-Bericht zu wandernden Tierarten. Mehr zu den Wildtieren.
Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unseren Dossiers zur Hobby-Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte. Was die Forschung dazu sagt, zeigt Jagd im Faktencheck: die Studienlage.
Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.
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