UNO-Alarm: Wandernde Tierarten in schwerem Zustand
Laut dem Uno-Bericht sind 97 Prozent der wandernden Fischarten bedroht.

44 % der wandernden Arten nehmen ab
Vielen wandernden Tierarten geht es schlecht.
Der Bestand nimmt bei 44 Prozent dieser Arten ab. Etwas mehr als ein Fünftel, 22 Prozent, ist gar vom Aussterben bedroht. Das geht aus einem veröffentlichten UNO-Bericht hervor.
Unter wandernden Arten versteht man Tiere, die regelmässig grosse Strecken zurücklegen. Nur bei 14 solchen Arten hat sich der Erhaltungsstatus laut dem Bericht verbessert, beispielsweise bei Blau- und Buckelwalen oder beim Seeadler.
Der erste Bericht zum Zustand wandernder Arten wurde vom Sekretariat des Übereinkommens zur Erhaltung der wandernden wild lebenden Tierarten (CMS) in Bonn veröffentlicht und auf einer UNO-Tagung in Samarkand in Usbekistan vorgestellt. Der Bericht konzentriert sich auf 1’189 Tierarten, die von den CMS-Vertragsparteien als international schutzwürdig anerkannt wurden. Er enthält aber auch Informationen zu über 3’000 weiteren wandernden Arten.
Wandernde Tiere brauchen intakte Reiserouten
Silke Bauer, Expertin für das Phänomen der Tierwanderung an der Schweizerischen Vogelwarte Sempach, erstaunen die Zahlen des ersten umfassenden UNO-Berichts nicht. Wandernde Tiere seien besonders verletzlich.
Sie sind nicht auf einen Lebensraum angewiesen, sondern auf viele verschiedene. Lebensräume, die sich aneinanderreihen wie Perlen auf einer Schnur: «Wenn nur schon eine dieser Perlen zerstört wird, zerfällt die ganze Kette. Die Route ist unterbrochen.»
Fischen geht es besonders schlecht
Milliarden von Tieren unternehmen jedes Jahr Wanderungen zu Land, zu Wasser und in der Luft. Sie überqueren nationale Grenzen und Kontinente, wobei einige auf der Suche nach Nahrung und Paarungspartnern Tausende von Kilometern reisen. Dazu gehören Lachse und Seeschildkröten, Störche und Seeschwalben, Gnus und Elefanten.
Unter dem Motto «Natur kennt keine Grenzen» hat in Samarkand kürzlich die 14. CMS-Konferenz begonnen. Regierungsvertreter, Wissenschafter und Naturschützer berieten über die Herausforderungen für den Naturschutz mit Blick auf Zugvögel sowie auf wandernde Land- und Meerestiere. Es geht auch um deren Bedrohungen durch Fischfang, Lebensraumverlust und Klimawandel.
Gorillas und fast die Hälfte aller Schildkröten, die vom CMS beobachtet werden, sind laut dem Bericht vom Aussterben bedroht. Zu den Tieren, deren Bestand abnimmt, gehören etwa die Pfuhlschnepfe, die mehr als 12’000 Kilometer ohne Unterbruch zwischen Alaska und Neuseeland fliegt, sowie der stark gefährdete Europäische Aal, der zum Laichen vom Süsswasser ins Meer zieht.
Besonders schlecht ist es um die Fischpopulationen bestellt: 97 Prozent der vom CMS aufgeführten Fischarten sind demnach vom Aussterben bedroht. Dazu gehörten wandernde Haie, Rochen und Störe, deren Bestände seit den 1970er-Jahren um 90 Prozent zurückgegangen seien. Die beiden grössten Bedrohungen für wandernde Fischarten sind demnach übermässige Nutzung etwa durch Fischfang sowie Verlust von Lebensraum durch menschliche Aktivität. Klimawandel, Verschmutzung und invasive Arten hätten ebenfalls stark negative Auswirkungen.
Wichtige Rolle für Ökosysteme
Um die Tierarten zu schützen, haben die Autoren des Berichts eine Reihe von Empfehlungen formuliert. So sollen etwa von Menschen erbaute Infrastrukturen wie Strassen oder Hochspannungsleitungen auf wichtigen Flugrouten, Schwimmwegen und Migrationspfaden minimiert werden. Es müsse zudem mehr getan werden, um die für die Wanderungen wichtigen Gebiete zu verstehen und sie besser zu schützen.
Die Weltgemeinschaft müsse jetzt handeln, forderte Inger Andersen, Exekutivdirektorin des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP). «Angesichts der prekären Situation vieler dieser Tiere können wir es uns nicht leisten zu zögern und müssen gemeinsam daran arbeiten, die Empfehlungen in die Realität umzusetzen.» Wandernde Arten spielten eine wesentliche Rolle bei der Aufrechterhaltung der Ökosysteme der Welt, indem sie Pflanzen bestäubten, wichtige Nährstoffe transportierten, Schädlinge bekämpften und zur Speicherung von Kohlenstoff beitrügen.
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