Mähroboter: Vorstoss verlangt Nachtfahrverbot in Basel-Stadt
Im Grossen Rat liegt ein Vorstoss für eine Sperrzeit von der Dämmerung bis zum Morgen. Was die Geräte nachts anrichten, sehen die Igelstationen jeden Herbst.
Foto: James Smith / Unsplash
Die Nacht gehört dem Igel
Im Kanton Basel-Stadt sollen Mähroboter nachts nicht mehr fahren dürfen. Ein an den Grossen Rat gerichteter Vorstoss verlangt eine Sperrzeit von 30 Minuten vor Sonnenuntergang bis 30 Minuten nach Sonnenaufgang, wie die Basler Zeitung berichtet. Die Regierung soll innert eines Jahres eine Gesetzesänderung vorlegen oder die Regel auf Verordnungsstufe erlassen. Der Vorstoss nennt die Massnahme «einfach» und «verhältnismässig». Sie soll nicht nur Igeln nützen, sondern allen nachtaktiven Kleintieren im Siedlungsraum.
Vorstoss beruft sich auf Basler Naturschutzgesetz
Der Vorstoss verweist auf das Natur- und Landschaftsschutzgesetz des Kantons Basel-Stadt. Dieses verpflichtet Kanton und Gemeinden, das Aussterben einheimischer Tier- und Pflanzenarten zu verhindern. Ob das Nachtfahrverbot auf Verordnungsstufe umgesetzt werden kann oder eine Gesetzesänderung braucht, soll die Regierung klären. Der Igel gilt im Kanton als einheimische, schützenswerte Art, steht auf der Roten Liste des Bundes als «potenziell gefährdet» und ist Tier des Jahres 2026. Mit «Freie Bahn für Igel» betreiben Basel-Stadt und Basel-Landschaft bereits ein gemeinsames Schutzprojekt.
Anderswo in der Schweiz kam die Forderung bisher nicht durch. In St. Gallen erklärte der Stadtrat, er könne kein Nachtverbot erlassen, weil der Kanton den Igel nicht ausdrücklich geschützt habe. In Bern beantragte der Gemeinderat, eine gleichlautende Motion abzulehnen. Wie Köln, Leipzig und andere deutsche Städte den Nachtbetrieb längst per Verfügung regeln, haben wir in unserem Beitrag Mähroboter töten Igel: Deutsche Städte verbieten den Nachtbetrieb, Bern und St. Gallen winken ab dokumentiert. Der Basler Vorstoss nennt neben Bern auch einen Vorstoss in Riehen.
Was die Igelstationen sehen
Im Vorstoss zitiert wird Anja Straumann, Stationsleiterin der Igelhilfe Baselbiet: Man sehe sehr oft schlimme Schnittverletzungen, die auf Mähroboter oder ähnliche Geräte zurückgingen. Eine 2021 veröffentlichte Studie prüfte 18 Mährobotermodelle in Kollisionstests mit toten Igeln. Keines erkannte die kleinsten Jungtiere unter 200 Gramm, bei grösseren Tieren erfolgte eine Erkennung erst nach Körperkontakt. Einige Modelle verursachten schwere Verletzungen, andere blieben in den Tests ohne Verletzungsfolgen. Verletzte Igel ziehen sich oft zurück und sterben später unentdeckt.
Barbara Trentini, die eine Igelstation betreibt, hat uns Bilder solcher Fälle geschickt: Schnittwunden bis hin zu abgetrennten Gliedmassen, manche Tiere wurden zerteilt aufgefunden. Nach ihren Angaben stammen die Verletzungen von Mährobotern und Tellersensen, also Freischneidern mit Messerscheibe. Ein grösserer Teil der Tiere habe noch längere Zeit schwer verwundet gelebt. Betroffen sind laut Trentini nicht nur Igel, sondern auch Amphibien, Blindschleichen und viele Insekten.
Achtung, das folgende Bild zeigt schwere Verletzungen.

Auch Weidenetze werden zur Falle
Nicht nur Schneidgeräte gefährden Igel. Nach Angaben von Trentini sterben jedes Jahr Igel in Weidenetzen, darunter säugende Weibchen, deren Junge danach verhungern. Unsere Petition «Weidenetze dürfen keine Todesfallen für Wildtiere sein» fordert eine verbindliche Abbaupflicht, Kontrollen und, wo immer möglich, Litzenzäune statt Netze. Sie kann weiterhin unterschrieben werden.
Kommentar: Ordnung im Garten, Elend im Gebüsch
Ein kurz geschorener Rasen gilt vielen mehr als das Leben eines Igels. Ein Nachtfahrverbot löst nicht alle Gefahren im Garten, denn Jungigel sind im Herbst auch tagsüber unterwegs. Es nimmt den Geräten aber die gefährlichste Zeit, und es kostet die Gartenbesitzer nichts als eine Zeitschaltung. Wer das für unverhältnismässig hält, hat die Bilder aus den Igelstationen nicht gesehen. Bern und St. Gallen haben sich mit Zuständigkeitsfragen aus der Verantwortung gezogen. Basel-Stadt hat jetzt die Gelegenheit, es besser zu machen.
Wer einen verletzten Igel findet, bringt ihn zur nächsten Igelstation oder zum Tierarzt. Tipps für einen igelfreundlichen Garten stehen in unserem Beitrag Gartenzeit: Tipps für den Schutz von Wildtieren.
Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unseren Dossiers zur Hobby-Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte. Was die Forschung dazu sagt, zeigt Jagd im Faktencheck: die Studienlage.
Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.
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