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Jagdgesetz

Colorado: Stimmvolk lehnt Verfassungsrecht auf Hobby-Jagd ab

Die von nationalen Jagdverbänden finanzierte Vorlage hätte künftige Schutzbestimmungen für Wildtiere erschwert.

Redaktion Wild beim Wild · 8. November 2026
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Der grüne Filz

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Die Stimmberechtigten im US-Bundesstaat Colorado haben am 3. November 2026 Amendment 83 abgelehnt. Der Verfassungszusatz hätte ein Recht auf Jagen und Fischen in die Staatsverfassung geschrieben und die Hobby-Jagd zur bevorzugten Methode erklärt, Wildtierbestände zu regulieren. Nach vorläufigen Resultaten lehnten rund 55 Prozent die Vorlage ab. Beim Auszählungsstand vom 4. November wies 9News 55,15 Prozent Nein (1’176’669 Stimmen) und 44,85 Prozent Ja (956’899 Stimmen) aus. Für eine Annahme wären 55 Prozent Ja nötig gewesen.

Was Amendment 83 verlangte

Laut dem offiziellen Abstimmungsbüchlein des Parlaments (Blue Book) sollte das Recht für «traditionelle Methoden» gelten und alle vom Staat bewirtschafteten Arten umfassen, ausgenommen nicht jagdbare Arten, gefährdete Arten und Arten, deren Bejagung Bundesrecht verbietet. Der Staat hätte die Hobby-Jagd nur noch einschränken dürfen, wenn dies für einen wissenschaftlich fundierten Wildtierschutz und ein ebensolches Wildtiermanagement, die öffentliche Sicherheit oder den Erhalt künftiger Möglichkeiten für Hobby-Jagd und Fischerei «notwendig» ist.

Die Befürworter betonten, die Vorlage hebe kein geltendes Gesetz auf. Die Gegner sahen genau im Wort «notwendig» die Gefahr: Künftige Einschränkungen, etwa das Verbot einer Jagdmethode oder tiefere Abschussquoten, hätten auf dieser verfassungsrechtlichen Grundlage angefochten werden können. Welche Folgen das für einzelne Schutzmassnahmen gehabt hätte, wäre von der Auslegung durch die Gerichte abhängig gewesen. Die Tierschutzorganisation Humane World for Animals warnte, Trophäenjäger erhielten so eine verfassungsrechtliche Grundlage, um Schutzbestimmungen anzufechten. Hobby-Jagd und Fischerei waren in Colorado bereits gesetzlich erlaubt. Die Vorlage hätte sie zusätzlich auf Verfassungsstufe abgesichert und damit die Hürden für künftige Einschränkungen erhöhen können.

Wer hinter der Vorlage stand

Eingereicht hatte die Initiative eine konservative Anwaltskanzlei. Grösster Geldgeber war die Theodore Roosevelt Conservation Alliance. Weiter flossen Beiträge des Safari Club International, der Congressional Sportsmen’s Foundation, der Rocky Mountain Elk Foundation und eines Bauunternehmers und Trophäenjägers aus Weld County, wie der Sender HPPR berichtete. Bis Ende Oktober kamen laut Colorado Politics rund 2,5 Millionen Dollar für die Ja-Kampagne zusammen. Wayne Pacelle von Animal Wellness Action sprach laut Colorado Politics nach der Abstimmung davon, die Trophäenjäger hätten die Gegnerschaft um mehr als das Dreifache überboten.

Der Safari Club International ist kein Unbekannter. Er hat eine Million Pfund in den Kampf gegen das britische Einfuhrverbot für Jagdtrophäen gesteckt und gemeinsam mit der Rocky Mountain Elk Foundation Berufung gegen den gerichtlich verfügten Schutz der Grauwölfe eingelegt. An seinen Jahreskonferenzen werden Hunderte Trophäenjagden versteigert.

Die Vorgeschichte: Wolf und Puma an der Urne

Colorado entscheidet Wildtierfragen seit Jahren an der Urne. 2020 beschloss das Stimmvolk knapp die Wiederansiedlung des Wolfs, 2024 lehnte es ein Verbot der Hobby-Jagd auf Puma und Rotluchs ab; der in der Vorlage ebenfalls genannte Kanadaluchs ist in Colorado ohnehin geschützt. Bereits in den 1990er-Jahren hatte es Tellereisen und das Anködern von Bären verboten. Die Befürworter von Amendment 83 nannten solche Volksbegehren, Gesetzesvorstösse und Entscheide der Wildtierkommission offen als Bedrohung für die Hobby-Jagd. Die Vorlage war damit der Versuch, künftige Abstimmungen zugunsten der Wildtiere zu erschweren, bevor sie überhaupt stattfinden.

Bemerkenswert: Auch ein Teil der Hobby-Jäger und Fischer selbst bekämpfte die Vorlage. Die Gruppe Colorado Hunters and Anglers for Sensible Wildlife Conservation wertete das Nein als Zeichen dafür, wie wichtig den Menschen in Colorado ihre Wildtiere sind.

Teil einer landesweiten Kampagne

Seit 1996 haben 24 US-Bundesstaaten ein Recht auf Jagen und Fischen in ihre Verfassung aufgenommen. Zuletzt stimmte Florida 2024 mit rund 67 Prozent zu. Gefördert werden solche Vorlagen von nationalen Verbänden wie der Congressional Sportsmen’s Foundation, die auch in Colorado Geld investierte. Dass der Bundesstaat mit seiner aktiven Wildtierpolitik an der Urne Nein sagt, ist für diese Kampagne ein deutlicher Rückschlag.

Auch in Europa wird versucht, die Hobby-Jagd rechtlich aufzuwerten. Italiens «Sparatutto»-Gesetz will die Hobby-Jagd künftig auch mit «Traditionen» begründen, obwohl der Tierschutz seit 2022 in der italienischen Verfassung steht. Wie Gerichte gegensteuern können, zeigt das Urteil, mit dem ein Verwaltungsgericht die Hobby-Jagd auf ganz Sizilien stoppte.

Und in der Schweiz?

In der Schweiz ist die Hobby-Jagd kein Grundrecht. Die Bundesverfassung verlangt hingegen, der Würde der Kreatur Rechnung zu tragen. Das Stimmvolk hat am 27. September 2020 das revidierte Jagdgesetz abgelehnt, und der Kanton Genf hat die Hobby-Jagd 1974 per Volksabstimmung abgeschafft (Genf und das Jagdverbot). Offen ist dagegen, ob Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer die Hobby-Jagd auf ihrem Land aus Gewissensgründen untersagen dürfen. Der Kanton Bern verneint das bisher, wie unsere Analyse zur Gewissensfreiheit und Hobby-Jagd zeigt.

Kommentar: Ein Hobby gehört nicht in die Verfassung

Amendment 83 wollte eine bereits erlaubte Freizeitbeschäftigung verfassungsrechtlich privilegieren. Wer die Hobby-Jagd als «bevorzugte» Methode des Wildtiermanagements festschreibt, erschwert künftige Kurswechsel, auch dann, wenn neue wissenschaftliche Erkenntnisse für andere Lösungen sprechen. Eine Verfassung lässt sich schwerer ändern als ein Gesetz, genau darauf setzten die Verbände. Dass Millionen Dollar aus nationalen Jagdverbänden dafür nicht gereicht haben, ist ein gutes Zeichen. Die Stimmberechtigten in Colorado haben verstanden, dass Wildtiere allen gehören und nicht jenen, die auf sie schiessen wollen.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: Die wissenschaftlichen Belege stehen in der Übersicht Studien zu den Auswirkungen der Hobby-Jagd.

Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.

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