Podcast-Episode: Medienskandal, Luchsabschuss und jagdfreie Schutzgebiete
Wild beim Wild – wo Jagd-PR auf Fakten trifft und meistens Federn lässt.
Ein Journalist, der Strafanzeigen gegen einen Jagdkritiker koordiniert, illegale Luchsabschüsse beidseits der Grenze und Langzeitdaten aus jagdfreien Schutzgebieten: Diese Folge spannt den Bogen vom Medienskandal bis zur Frage, wer in der Wildtierpolitik die Spielregeln schreibt.
Der Fall Feusi: Anzeigen als Einschüchterung
Im Zentrum steht Dominik Feusi, stellvertretender Chefredaktor des «Nebelspalters», Hobby-Jäger und designierter NZZ-Bundeshausredaktor. Neben einem Plagiatsvorwurf belastet ihn ein geleakter E-Mail-Wechsel mit Jagdfunktionär Hanspeter Egli. Darin heisst es, je mehr Anzeigen vorlägen, desto eher verschwinde der Gründer der IG Wild beim Wild «von der Bildfläche». Feusi empfahl JagdSchweiz zudem denselben Anwalt, FDP-Ständerat Thierry Burkhart. Die Strategie scheiterte: Das Tessiner Strafgericht sprach die IG Wild beim Wild in allen Punkten frei. Richter Siro Quadri hielt fest, dass faktenbasierte Kritik an der Hobby-Jagd eine zulässige Meinungsäusserung im öffentlichen Interesse ist. Feusis NZZ-Vertrag wurde aufgelöst, bevor er die Stelle antrat.
Ein ähnliches Muster zeigt sich in Graubünden, wo der neue Präsident der Bündner Patentjäger, Benjamin Hefti, Anliegen lieber «im Hintergrund» regelt. Beim Trophäenhandel registrierte Deutschland 2025 allein 679 Einfuhren geschützter Arten, darunter 60 Giraffen und 28 Löwen, ohne einen einzigen abgelehnten Antrag. Und während Freiwillige 2025 über 6’400 Rehkitze retteten, weist die Bundesstatistik für denselben Zeitraum über 10’000 erschossene Kitze aus.
Luchs, Wolf und Kormoran unter Druck
Bei Saint-Claude wurde ein erschossener Luchs gefunden, ein Hobby-Jäger gilt als verdächtig. Im Elsass führte das Erschlagen eines jungen Luchses zu drei Monaten Bewährung, in der Schweiz kostete ein dreifacher Luchsabschuss durch einen Berufswildhüter nur eine vierstellige Busse. Für grenzüberschreitende Populationen ist dieses Schutzgefälle fatal, wie Luchs Juro zeigt, der vom Südschwarzwald durch den Rhein in die Schweiz wanderte. Beim Wolf hält der BAFU-Bericht fest, dass 77 Tiere erlegt wurden und die Zahl der Rudel trotzdem steigt. Neun EU-Staaten wollen zudem den Schutzstatus des Kormorans senken, obwohl Studien an natürlichen Gewässern keine nennenswerten Schäden an Fischbeständen belegen.
Was ohne Hobby-Jagd floriert
Zehn europäische Grossschutzgebiete mit zusammen 2’587 Quadratkilometern zeigen: Wildbestände regulieren sich ohne Abschussquoten stabil, Beutegreifer kehren zurück. Der Schweizerische Nationalpark belegt das seit über 110 Jahren, der Kanton Genf seit 1974. Der Kanton Schwyz dagegen öffnet ab Herbst 2026 erstmals die Wildschweinjagd, ohne wildbiologische Begründung. Beim Wisent-Projekt im Thal hält der Verein trotz Widerstand zweier Gemeinden an der Halbfreiheit ab 2027 fest. Und Bern zeigt bei den Stadttauben, dass sich ein Bestand von 10’000 auf 1’500 senken lässt, ohne ein einziges Tier zu töten.
Weitere Hintergründe in den Kategorien Kriminalität & Jagd und Wildtiere.
Mehr zum Thema Hobby-Jagd: Die wissenschaftlichen Belege stehen in der Übersicht Studien zu den Auswirkungen der Hobby-Jagd.
Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.
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