Podcast-Episode: Jagd, Lobby und Wildtiere
Bogenjagd-Lobbying, Wolfsforschung und das EU-Bleiverbot im Faktencheck der Redaktion.
Wild beim Wild nimmt sich in dieser Folge die Strukturen vor, die das Bild der Hobby-Jagd prägen, bevor überhaupt ein Schuss fällt.
Ausgangspunkt ist der «Landshuter Dialog» im Jagdmuseum Utzenstorf, wo am 19. Juli über die Zulassung der Bogenjagd in der Schweiz diskutiert wird, mit einer bogenjagenden Referentin und einem Hobby-Jäger als Moderator. Die wissenschaftliche Grundlage gegen die Bogenjagd ist deutlich: In einer Studie der Universität Oklahoma wurde die Hälfte der beschossenen Weisswedelhirsche nur verletzt und zunächst nicht gefunden, und selbst die geschönten Zahlen der Verbände weisen eine Verwundungsrate von sechzehn bis siebzehn Prozent aus.
Dazu passen der Bericht einer Reporterin, die die Prüfung zum Hobby-Jäger bestand, ohne je im Wald gewesen zu sein, sowie die Event-Inszenierung am Sustenpass und Rouchgrat, wo Natur zur Kulisse für Schiessparcours und Waffenmessen wird.
Der zweite Teil zeigt die ökologischen Grenzen der Hobby-Jagd. In Graubünden lobt das Amt für Jagd und Fischerei die Hobby-Jägerschaft für sinkende Hirschbestände und verschweigt den eigentlichen Faktor: Seit Jahrzehnten stiegen die Bestände trotz Hoch- und Sonderjagd, erst mit der Rückkehr der Beutegreifer Wolf und Luchs gehen sie zurück. Rund 1000 erlegte Tiere um 1950, über 5’000 um 2020, Höchststand 6’515 im Jahr 2017.
Eine Neuenburger Wolfsstudie verfolgt einen abschussfreien Ansatz über Duftmarkierungen und mögliche «Duftbarrieren» zum Herdenschutz.
Aus Spanien kommen Gegenbeispiele: Doñana trocknet aus, die Jagdlobby ruft nach mehr Jagd, obwohl der Wildschweinbestand 2024 ein Allzeittief erreichte, dazu schwere Tierschutzverstösse in einem Schlachthof in Segovia.
Der Schlussteil verbindet Lobby, Blei und kantonale Realitätstests. Der REACH-Ausschuss der EU-Kommission billigte am 25. Juni 2026 ein Bleiverbot für Jagdmunition mit sieben Jahren Übergangsfrist statt achtzehn Monaten, Kugelmunition fällt ganz heraus, koordiniert durch FACE und die Munitionsindustrie. In der Schweiz gilt die Frist bis Ende 2029, Bleischrot ausserhalb von Feuchtgebieten bleibt unreguliert.
Der Vergleich Zug gegen Luzern zeigt den Umgang mit derselben Fuchspetition: Zug bestellte eine SWILD-Fachstudie und beschloss drei Massnahmen, Luzern stimmte 105 zu 0 gegen den Fuchsschutz. Dazu Trentino, das ab 2027 die Bogenjagd auf selbst geschaffene Wildschweinbestände einführen will, der Bundesjägertag in Suhl mit fragwürdiger Verbandswerbung sowie Wildtier Schweiz, das trotz Nähe zu JagdSchweiz die eidgenössische Statistik führt. Als Gegenmodell steht das Genfer System, das seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt, mit einer Soforttodrate von 99,5 Prozent und den höchsten Feldhasendichten der Schweiz.
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