19. Juli 2026, 21:16

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Podcast-Episode: Jagd, Wildtiere und Konflikte

Päpstliche Fürsprache überstimmt, Drahtfallen im Wald, Wolfspolitik gegen die Studienlage und Engadiner Hirschwurst aus Neuseeland.

Redaktion Wild beim Wild — 28. Juni 2026

Diese Woche dokumentiert die Redaktion Wild beim Wild eine dichte Nachrichtenlage aus drei Ländern – mit einem gemeinsamen Muster: Schutzstandards geraten unter politischen Druck, und die ökologischen wie finanziellen Kosten trägt am Ende die Allgemeinheit.

Jagdrecht in Italien, Deutschland und der Schweiz

In Italien hat der Senat die umstrittene Reform DDL 1552 mit 80 zu 56 Stimmen angenommen – trotz einer päpstlichen Stellungnahme, 400’000 Unterzeichnenden einer Petition und Warnungen der EU-Kommission. Das Gesetz weitet die Jagd in Schutzgebieten aus, schwächt den wissenschaftlichen Beirat ISPRA und würde die Nutzung lebender Lockvögel stark ausweiten. Die EU sieht Verstösse gegen die Vogel- und Habitatrichtlinie; ein Vertragsverletzungsverfahren läuft bereits.

In Niedersachsen trat zeitgleich ein neues Jagdgesetz in Kraft, das Verbesserungen wie das Baujagdverbot und eine erhöhte Ausbildungspflicht bringt – aber auch die jährlichen Abschusspläne für Rehwild abschafft. Mehr Kontrolle einerseits, weniger staatliche Bestandssteuerung andererseits.

Petition

Keine Luchsabschüsse im Wallis

Der Luchs ist genetisch am Limit, trotzdem soll er als erster Kanton der Schweiz zum Abschuss freigegeben werden.

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In der Schweiz plant der Bundesrat, Wölfe künftig auch in Banngebieten und während der Schonzeit abschiessen zu lassen – obwohl Studien zeigen, dass letale Eingriffe Konflikte mit Nutztieren oft nicht verringern. Im Kanton Freiburg stellt sich die Regierung hinter die Hobby-Jägerschaft – während die eigenen Zahlen belegen, dass die Wildhut 2025/26 allein viermal so viele Wildschweine erlegte wie die Sommerjagd.

Wildtiere unter Hitze- und Lärmdruck

Die Schweizer Hitzewelle 2026 mit regional bis zu 38 Grad trifft zeitlich mit der Rehbrunft zusammen. Rehböcke fressen in dieser Phase kaum und sind besonders auf Wasser und thermische Rückzugsräume angewiesen. Dennoch findet in dieser Zeit die Blattjagd statt. Für Fischerei gibt es temperaturbasierte Schonzeiten – für terrestrisches Wild fehlen solche Schwellenwerte vollständig.

Hinzu kommt der Stressfaktor Feuerwerk: Lautes Privatfeuerwerk trifft auf Wildtiere, die durch die Hobby-Jagd bereits unter chronischem Stress stehen. Die Feuerwerksinitiative, über die voraussichtlich Ende 2026 abgestimmt wird, ist in diesem Kontext zu lesen. Und Beutegreifer wie Wolf und Luchs zeigen am Calanda-Massiv, was regulatorische Natur leisten kann: Nach Rückkehr des Wolfsrudels war wieder Jungwuchs in Altersstufen sichtbar, die jahrzehntelang gefehlt hatten.

Jagdpraxis vor Gericht und unter Lupe

Seit Mitte Juni steht ein 60-jähriger Hobby-Jäger vor dem Landgericht Heilbronn. Die Anklage lautet auf versuchten Mord: Er soll Drahtseile über einen Mountainbike-Trail gespannt haben, um Erholungssuchende aus seinem Revier zu vertreiben. Das Urteil wird Ende Juli erwartet. Vergleichbare Fälle aus Österreich 2018 und dem Raum Heilbronn 2024 zeigen, dass dies kein Einzelfall ist.

In Frankreich wurden drei Hobby-Jäger verurteilt, weil sie einem Aktivisten das Mobiltelefon entreissen wollten, mit dem er eine Parforcejagd filmte. Das Urteil bestätigt: Wer eine öffentliche Tätigkeit im Staatswald dokumentiert, handelt rechtmässig.

Im Kanton Zürich konfrontierte eine Bürgerin die kantonale Jagdbehörde mit einer Peer-Review-Studie aus dem Fachjournal «Biological Conservation», die die jährlichen Kosten der Fuchsbejagung in Frankreich auf 103 bis 123 Millionen Euro beziffert – bei offiziell gemeldeten Schadenskosten von 8 bis 23 Millionen. Der Behördenvertreter bezeichnete die Quelle als «sicher nicht seriös». Der Kanton Zug hat auf Basis der unabhängigen SWILD-Studie beschlossen, die Fuchsjagd nicht mehr proaktiv zu fördern. Zürich nicht.

In Nidwalden verurteilte das Obergericht einen Hobby-Jäger, der zwei Rothirsche rund 15 Minuten nach Ende der Schusszeit erlegt hatte – Gesamtkosten: 8’270 Franken.

In Graubünden weitet das Nachtjagd-Pilotprojekt auf Wildschweine aus. 22 ausgeloste Hobby-Jäger dürfen in der Mesolcina nachts ansitzen – einer Region, die nachweislich mit Cäsium-137 aus dem Tschernobyl-Fallout belastet ist. Wer das Fleisch privat konsumiert, ist von der Messpflicht ausgenommen. Und das Pilotprojekt benennt kein Erfolgskriterium.

Im Aargau wurden auf Schloss Habsburg 39 neue Hobby-Jäger brevetiert; eine Grossrätin des Bauernverbands dankte ihnen für den Einsatz, «das Ökosystem im Gleichgewicht zu halten» – ohne zu definieren, welches Gleichgewicht und gemessen woran.

Zum Abschluss eine Frage der Herkunft: Eine Engadiner Metzgerei vermarktet eine Hirschwurst als regionale Spezialität – 51 Prozent des Fleisches kommen aus Neuseeland. Rund zwei Drittel des in der Schweiz verkauften Wildfleisches stammen aus dem Ausland. Zwischen dem romantischen Bild des regionalen Wilds und der Realität auf der Packung liegen Kontinente.

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