Podcast-Episode: Jagd, Wildtiere und Naturschutz
Ein Femizid im Tessin, geschönte Unfallzahlen quer durch Europa und ein Podium, das Dialog nur simuliert: Diese Folge verbindet fünf Recherchen zu einem Muster.
Faido: Femizid, Schalldämpfer, Schweigen
Am 9. Juli 2026 stirbt eine Frau in Faido durch einen Kopfschuss. Der Täter, ihr Ex-Mann, war Hobby-Jäger mit legalem Waffenbesitz. RSI bestätigte dies schriftlich. Weil niemand den Schuss hörte, gehen die Ermittler von einem Schalldämpfer aus, in der Schweiz grundsätzlich verboten, ausser für Inhaber eines Jagdpatents. Bereits der zweite Tessiner Fall innert kurzer Zeit mit Schalldämpferbezug.
Die grosse Jagd-Lüge
In der Schweizer Medienberichterstattung fehlte das Wort «Hobby-Jäger» fast durchgängig, obwohl die Polizei es mehrfach nannte. Aus dem Täter wurde der Ex-Mann, der Unternehmer, der 59-Jährige. Kein Einzelfall, sondern Methode.
Europas frisierte Unfallzahlen
Deutschland meldet für 2025 null Tote bei 460 Jagdunfällen, während im November ein Hobby-Jäger vier Familienmitglieder erschoss und im Dezember ein weiterer seinen Nachbarn. Italien: 8 Tote laut Verband, 12 laut unabhängiger Opferorganisation im selben Zeitraum. Spanien führt gar keine nationale Statistik.
Bogenjagd-Podium Utzenstorf
Vier Teilnehmende mit Jagdbezug, eine Kritikerin. Die JagdSchweiz-Umfrage zur Bogenjagd von 2025 bleibt über ein Jahr nach Fristende unveröffentlicht. Zur Sache: 24 nordamerikanische Studien ergeben eine durchschnittliche Verwundungsrate von 54 Prozent.
Italien: «Gaslighting» im Gesetzentwurf
CNR-Biologe Michelangelo Morganti kritisiert die geplante Neuordnung der Hobby-Jagd. Der schwerwiegendste Punkt: Die Pflicht zum wissenschaftlichen Gutachten vor jagdlichen Entscheidungen wird gestrichen.
Das schwedische Modell
In Schonen meldeten sich 53 Hobby-Jäger innert drei Stunden für die Schutzjagd auf einen einzigen Wolf. Ständerat Fabio Regazzi möchte dieses Modell für die Schweiz. David Gerke von der Gruppe Wolf Schweiz verweist auf die nicht überlebensfähigen Bestände dieser Länder.
Aargau: Stahlkanzeln ohne Verfahren
Zwei Jagdkanzeln ausserhalb der Bauzone in Schwaderloch und Mettauertal, in den Baupublikationen kein Bewilligungsverfahren auffindbar. Antwortfrist bis 7. August 2026.
Portugal: Julie im Pangea-Schutzgebiet
Nach über vierzig Jahren Gefangenschaft lebt die Elefantenkuh Julie im ersten grossflächigen Elefanten-Schutzgebiet Europas, 400 Hektar im Alentejo. Kein Triumph, sondern Schadensbegrenzung.
Fazit: Wer definiert, was gezählt wird, bestimmt, was sichtbar bleibt.
Mehr zum Thema Hobby-Jagd: Die wissenschaftlichen Belege stehen in der Übersicht Studien zu den Auswirkungen der Hobby-Jagd.
Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.
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