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Podcast-Episode: Jagd, Tierschutz und Protest

Wild beim Wild – wo Jagd-PR auf Fakten trifft und meistens Federn lässt.

Redaktion Wild beim Wild · 7. Juni 2026

Eine Umwelt-Arena als Kulisse für Gewehre und Trophäen, ein Gemeinderat, der lieber Strafanzeige erstattet, als Briefe zu beantworten, und eine Wolfspolitik, die trotz sinkender Schäden mehr Abschüsse will: Diese Folge fragt, wen Institutionen eigentlich schützen.

Jagdmesse ohne Tierschutzkontrolle

Der Veterinärdienst des Kantons Aargau bestätigte auf Anfrage, dass ihm die Jagdmesse Schweiz vom 7. und 8. März 2026 in der Umwelt Arena Spreitenbach nicht gemeldet worden war und vor Ort keine Kontrollen stattfanden. Für die Terra Expo 2026 dagegen wurden eine Ausstellungsbewilligung erlassen und unangemeldete Kontrollen durchgeführt. Arena-Geschäftsführer Ivan Skender verteidigte die Messe mit dem Hinweis, die Umwelt Arena verstehe sich nicht als moralische Instanz. Wer einer Jagdmesse aber Raum, Werbung und das Etikett der Nachhaltigkeit gibt, trifft eine Entscheidung, und die ist alles andere als neutral.

850 Mails, eine Strafanzeige

Auf drei Schreiben hat die Gemeinde Spreitenbach bis heute nicht geantwortet. Auf 850 Protestmails reagierte sie dagegen mit einer Strafanzeige wegen Missbrauchs einer Fernmeldeanlage. Rechtlich ist die Lage klar: Laut Bundesamt für Kommunikation gilt der Massenversand politischer Mitteilungen grundsätzlich nicht als Spam, und das SECO bestätigt, dass die Spam-Vorschriften nur bei wirtschaftlichem Zweck greifen. Als die Plattform Campax strukturell identische Mails an Ständeräte verschickte, zeigte niemand sie an. Fachleute sprechen bei solchen Verfahren von SLAPP, Klagen, die nicht auf einen Sieg vor Gericht zielen, sondern auf das Verstummen der Kritik. Die Einsprache ist eingereicht, der Fall geht vor Gericht. Mehr dazu im Beitrag Spreitenbach kriminalisiert Petitionsrecht.

Am 8. März wurde HUNT-Watch-Aktivist Olivier Bieli vor der Umwelt Arena am Hals angegriffen, nachdem in Jagdforen Todesdrohungen gegen ihn kursiert hatten. Es ist kein Einzelfall, wie die Dokumentation zur Gewalt durch Hobby-Jäger gegen Tierschützende zeigt, von Füllinsdorf bis Trimmis. Der tätliche Angriff löste keine Strafanzeige der Gemeinde aus, 850 Mails schon.

Wolfspolitik und Jagd als Event

Nach dem Ständerat will auch der Nationalrat die Hürden für Wolfsabschüsse senken, obwohl die gemeldeten Nutztierrisse zurückgehen. Kantone wie Graubünden und Uri reagieren mit Sonderjagden, wenn Abschusspläne nicht erfüllt werden. Gleichzeitig schafft die Hobby-Jagd als Event gesellschaftliche Akzeptanz, über Pelzmärkte, Trophäenschauen und Familienprogramme bis zum Kinderkonzert. Was in Spreitenbach sichtbar wurde, ist Teil dieses Mechanismus: Protest wird als Störung behandelt, Tierquälerei als Eventformat.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: Was die Forschung dazu sagt, zeigt Jagd im Faktencheck: die Studienlage.

Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.

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