Podcast-Episode: Jagd, Gewalt und Wildtiere
Wild beim Wild – wo Jagd-PR auf Fakten trifft und meistens Federn lässt.
Wenn sich ein Befürworter der Hobby-Jagd «Institut» nennt, ein legaler Wolfsabschuss ein Rudel umkrempelt und niemand fragt, ob ein Täter Hobby-Jäger war: Diese Folge führt durch drei Felder, die Rhetorik der Jagdverbände, den Druck auf Wildtiere und Gewalt im Umfeld der Hobby-Jagd, von Südafrika bis in den Schweizer Kleiderschrank.
Verbandsrhetorik im Faktencheck
Dr. Wolfgang Lipps, Geschäftsführer des «JUN.i Institut für Jagd, Umwelt und Naturschutz», wirft dem Deutschen Jagdverband vor, die Hobby-Jagd schlecht zu verteidigen, und liefert eigene Argumente. Der Faktencheck zeigt: Hier spricht kein neutrales Forschungsinstitut, sondern ein Befürworter, der wirtschaftlich von der Hobby-Jagd profitiert. Sein Kernargument, das Prinzip «Fressen und Gefressenwerden» legitimiere die Jagd, ist ein naturalistischer Fehlschluss: Aus dem, was in der Natur geschieht, folgt kein menschliches Sollen. Auch die Zahlen relativieren sich. Deutschland zählt rund 467’000 Jagdscheininhaber, regelmässig aktiv sind aber nur schätzungsweise 250’000 bis 300’000.
Wolf, Fuchs und Luchs unter Druck
Im Walliser Chablais-Rudel haben sich 2025 erstmals in der Schweiz Mutter und Tochter mit demselben Rüden fortgepflanzt. Auslöser war laut KORA der legale Abschuss des Leitrüden M88 im Januar 2024. Der Eingriff hat das Rudel nicht geschwächt, sondern umstrukturiert: acht Welpen in zwei Würfen. Glarus lehnte derweil eine Petition ab, die bloss einen Bericht zur wissenschaftlichen Grundlage der Fuchsjagd verlangte, obwohl schweizweit rund 20’000 Füchse pro Jahr erlegt werden. Beim Luchs sind Verkehrsunfälle die häufigste Todesursache, Wilderei wird unterschätzt, und bei vier frei lebenden Tieren wurden angeborene Herzfehler als Folge genetischer Verarmung festgestellt. Im Lesachtal wurden sechs Gänsegeier mit dem seit 2008 verbotenen Carbofuran vergiftet. Der Ethical Wildlife Travel Guide fasst die Lage zusammen: 25 von 26 Kantonen stehen unter Jagddruck, nur Genf nicht.
Gewalt im Umfeld der Hobby-Jagd
Auf dem Trophäenjagd-Anwesen Leeuwfontein nördlich von Pretoria kamen Anfang Juni zwei Menschen durch Schüsse ums Leben, darunter die Reederei-Erbin Caroline von Rantzau. In der Steiermark liess ein Jagdbesitzer einen Toten ein Jahrzehnt im Wald liegen, um die Wildtiere nicht zu stören. Im Fall Fabian führte ein Hobby-Jäger mit seiner Wärmebildkamera zum Fundort, ohne die Polizei zu rufen. Die Tat selbst hat mit der Hobby-Jagd nichts zu tun, sie wirft aber die Frage auf, welche Schwelle gilt, wenn jemand einen Toten findet. In der Schweiz lagern rund 30’000 Hobby-Jäger schätzungsweise 60’000 bis 100’000 Jagdwaffen in Privathaushalten, meist ohne vorgeschriebenen Waffenschrank. Ob ein Täter Hobby-Jäger war, erfasst bei häuslichen Tötungsdelikten niemand systematisch. Und in Spreitenbach reagierte die Gemeinde auf eine Petition zu Tierschutzmängeln an der Jagdmesse mit sechs Wochen Schweigen und danach mit einer Strafanzeige gegen die Plattform, die die Missstände öffentlich gemacht hatte.
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Mehr zum Thema Hobby-Jagd: Was die Forschung dazu sagt, zeigt Jagd im Faktencheck: die Studienlage.
Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.
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