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Kriminalität & Jagd

Halden: Zwei Hobby-Jäger erschossen, früheres Gruppenmitglied gesteht

In Norwegen hat ein 29-Jähriger mit einem Jagdgewehr auf eine Gruppe von Hobby-Jägern geschossen. Er war früher selbst Mitglied, die Polizei vermutet einen Konflikt.

Redaktion Wild beim Wild — 5. Oktober 2026

Am Sonntagmorgen, 4. Oktober 2026, standen zwischen 07.00 und 07.30 Uhr 14 Hobby-Jäger auf einem Hofplatz östlich des Sees Ørsjøen, ganz im Süden der norwegischen Gemeinde Halden, unweit der Grenze zu Schweden.

Sie sollten ihre Posten für den Jagdtag zugeteilt bekommen. Dann fielen Schüsse. Ein Mann in den 70ern und sein Sohn in den 40ern starben noch vor Ort, ein weiterer Mann in den 40ern wurde schwer verletzt und laut Polizei mit der Luftambulanz ins Spital Kalnes geflogen.

Festgenommen wurde ein 29-jähriger Mann aus Halden. Nach übereinstimmenden Recherchen von VG, TV 2 und der Nachrichtenagentur NTB war er früher selbst Mitglied genau dieser Jagdgruppe. Wann und warum er sie verlassen hat, ist nicht bekannt.

Was die Polizei bisher bestätigt

Der Beschuldigte schoss laut dem Polizeidistrikt Øst mit einem Jagdgewehr und legte die Waffe nach den Schüssen selbst nieder. Mitglieder der Jagdgruppe behielten ihn unter Aufsicht, bis die Polizei eintraf. Laut Polizeijurist Anders Svarholt besass er eine Waffenlizenz für zwei Waffen, wie Aftenposten berichtet. Der Polizei war der Mann zuvor nicht bekannt.

Die Polizei geht von einem Konflikt als Auslöser aus. Es gebe eine Verbindung zwischen dem Beschuldigten und der Jagdgruppe, Befragungen hätten Hinweise geliefert, die diese These stützen, teilte sie am Sonntagabend mit. Welcher Art der Konflikt war, sagt die Polizei nicht. Allen Mitgliedern der Jagdgruppe wurde Opferstatus zuerkannt.

Der Vorwurf lautet auf zwei Tötungsdelikte und versuchte Tötung. In einer schriftlichen Erklärung hat der Beschuldigte laut Polizei eingeräumt, die tödlichen Schüsse und den Schuss auf den Verletzten abgegeben zu haben. Den Tötungsversuch bestreitet er nach Angaben seines Verteidigers. Zum Motiv schweigt er, eine Befragung durch die Polizei lehnt er ab. Wegen der Schwere der Tat ordnete die Polizei eine vorläufige forensisch-psychiatrische Untersuchung an. Über die Untersuchungshaft entscheidet das Gericht am Montag im schriftlichen Verfahren.

Schüsse, die zunächst niemand einordnete

Ein Anwohner sagte gegenüber Dagbladet, er habe die Schüsse zunächst kaum beachtet: In der Gegend läuft die Elchjagd, Schüsse gehören im Herbst zum Alltag. Erst als Ambulanzen und Helikopter eintrafen, wurde klar, was geschehen war.

Für die Polizei war die Lage anfangs unübersichtlich, weil mehrere bewaffnete Hobby-Jäger vor Ort waren. Sie rückte mit einem grossen Aufgebot an, darunter Spezialeinheit, gepanzerte Fahrzeuge, Helikopter, Drohnen und Hundestaffeln. Andere Jagdgruppen in der Umgebung wurden gebeten, im abgesperrten Gebiet keine Hunde laufen zu lassen.

Einordnung: Legal bewaffnet, und niemand prüft nach

Den Angehörigen der Getöteten und dem Verletzten gilt unser Mitgefühl. Über das Motiv spekuliert Wild beim Wild nicht, die Ermittlungen laufen.

Nach bisherigem Ermittlungsstand war es kein zufälliges Zusammentreffen: Die Polizei sieht eine Verbindung zwischen dem Beschuldigten und der Jagdgruppe und untersucht einen Konflikt als Hauptspur. Der Mann war legal bewaffnet und kannte offenbar Ort und Zeitpunkt des Treffens. Waffenrechtliche Bewilligungen prüfen Voraussetzungen zum Zeitpunkt des Entscheids. Ob spätere Zerwürfnisse, Krisen oder Gefährdungslagen erkannt werden, ist eine eigene Frage der Prävention und des Waffenrechts, in Norwegen wie in der Schweiz.

Wild beim Wild dokumentiert seit Jahren Jagdunfälle und tödliche Straftaten mit Hobby-Jägerwaffen. Wie Jagdwaffen in privaten Haushalten zur stillen Drohkulisse werden, warum beim Umgang mit Gefährdern ein systematischer Waffencheck fehlt und was die Analyse der Schusswaffentötungen in der Schweiz zeigt, haben wir ausführlich beschrieben.

Auch in der Schweiz läuft derzeit die Jagdsaison. Die Vorfälle verfolgen wir laufend in den Übersichten für Graubünden, das Tessin und das Wallis. Die Frage, die Halden aufwirft, stellt sich auch hierzulande: Eine flächendeckende, periodische Neubeurteilung aller privaten Waffenbesitzer kennt die Schweiz nicht. Behörden können erst bei konkreten Hinweisen auf eine Selbst- oder Fremdgefährdung eingreifen.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: Im Dossier Wilderei und Jagdkriminalität in der Schweiz dokumentieren wir Fälle, Rechtsfragen und wiederkehrende Muster. Die wissenschaftlichen Belege stehen in der Übersicht Studien zu den Auswirkungen der Hobby-Jagd.

Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.

Alle Beiträge werden von der IG Wild beim Wild sowie von externen Co-Autorinnen und Co-Autoren verfasst. Recherche, Strukturierung und redaktionelle Prozesse können dabei durch KI-gestützte Werkzeuge unterstützt werden.

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