15. Juni 2026, 22:10

Suchen

Kriminalität & Jagd

Sechs Gänsegeier im Lesachtal mit verbotenem Pestizid getötet

Carbofuran-Vergiftung bestätigt: Behörden ermitteln wegen gezieltem Wildtierkriminalitätsfall.

Redaktion Wild beim Wild — 10. Juni 2026

Im Grenzgebiet zwischen Kärnten und Osttirol wurden seit dem 16. April 2026 insgesamt sieben Gänsegeier unter ungeklärten Umständen aufgefunden.

Sechs Tiere verendeten, ein Vogel konnte in der Auffang- und Pflegestation der Burg Landskron aufgepäppelt und anschliessend wieder freigelassen werden.

BirdLife Österreich gab bekannt, dass toxikologische Analysen der Veterinärmedizinischen Universität Wien und der Ludwig-Maximilians-Universität München als Todesursache bei allen fünf abgeschlossen untersuchten Tieren eine Vergiftung mit Carbofuran ergaben. Dieses Nervengift ist in der EU seit 2008 verboten und wirkt bereits in kleinsten Dosen tödlich auf Vögel und Säugetiere.

«Da so viele Tiere auf relativ kleinem Raum betroffen waren und eine natürliche Ursache für so ein Massensterben sehr unplausibel schien, stand der Verdacht der Vergiftung im Raum und wir verständigten umgehend das Landeskriminalamt Kärnten», erklärte Johannes Hohenegger, Greifvogelexperte bei BirdLife Österreich.

BirdLife und der WWF sprechen von einem gezielten Giftanschlag. «Wer Carbofuran auslegt, nimmt den Tod geschützter Wildtiere bewusst in Kauf. Sieben betroffene Gänsegeier in einem einzigen Tal sind ein schwerer Fall von Wildtierkriminalität. Jetzt muss lückenlos geklärt werden, wer hinter diesem feigen Giftanschlag steckt», forderte WWF-Artenschutzexpertin Christina Wolf-Petre.

Die Ermittlungen sollen nun klären, gegen welche Tiere sich die ausgelegten Köder ursprünglich gerichtet haben könnten. Bei vergleichbaren Carbofuran-Fällen in anderen Teilen Österreichs vermuteten WWF und BirdLife wiederholt einen Hintergrund aus dem Hobby-Jagd-Milieu: Das typische Muster sind erlegte Tiere, die als präparierte Giftköder ausgelegt werden, um unerwünschte Beutegreifer zu töten, die mit der Hobby-Jagd um dieselbe Beute konkurrieren. Solange keine Täterschaft feststeht, bleibt dies Verdacht, der strafrechtlich verfolgt werden muss.

Kein Einzelfall in Österreich: Laut BirdLife wurden in den vergangenen neun Jahren knapp 400 illegale Tötungen von Vögeln dokumentiert, darunter 81 geschützte Greifvögel, die durch Vergiftungen starben. Diese Zahlen entstammen dem Wildtierkriminalitätsbericht 2026, den BirdLife und WWF Österreich kurz vor dem Lesachtal-Fall veröffentlicht haben. Wer Hinweise zur Tat hat, wird gebeten, diese an das Landeskriminalamt Kärnten zu melden.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

LASS UNS IN VERBINDUNG BLEIBEN!

Wir möchten dir gerne die neuesten Neuigkeiten und Angebote im Newsletter zukommen lassen.

Unterstütze unsere Arbeit

Mit deiner Spende hilfst du, Tiere zu schützen und ihrer Stimme Gehör zu verschaffen.

Jetzt spenden