14. Juni 2026, 13:13

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Kriminalität & Jagd

Fall Fabian: Hobby-Jäger führte mit Wärmebildkamera zur Kinderleiche

Im Mordprozess von Rostock belastet ein Zeuge die Angeklagte. Im Zentrum: eine nächtliche «Suche» mit jagdlicher Wärmebildtechnik.

Redaktion Wild beim Wild — 14. Juni 2026
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Vor dem Landgericht Rostock läuft der Prozess um den gewaltsamen Tod des achtjährigen Fabian aus Güstrow.

Angeklagt ist die 30-jährige Gina H., die frühere Partnerin von Fabians Vater. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft soll sie den Jungen im Oktober 2025 mit mehreren Messerstichen getötet haben, um einen Konflikt in der Beziehung aus dem Weg zu räumen. Die Angeklagte schweigt zu den Vorwürfen, ihre Anwälte bestreiten eine Beteiligung. Für sie gilt die Unschuldsvermutung.

Am elften Verhandlungstag, dem 13. Juni 2026, rückte eine Aussage in den Mittelpunkt, die einen Hobby-Jäger und dessen jagdliche Ausrüstung betrifft.

Eine nächtliche «Suche» mit der Wärmebildkamera

Geladen war ein 37-jähriger Bekannter der Angeklagten, Christian D., der im selben Ort lebt und in der Freizeit der Hobby-Jagd nachgeht. Über diese Tätigkeit verfügt er über eine Wärmebildkamera, wie sie Hobby-Jäger zur nächtlichen Ortung von Wildtieren einsetzen.

Nach seiner Schilderung soll Gina H. ihm am 13. Oktober 2025 vorgeschlagen haben, gemeinsam nach dem damals vermissten Fabian zu suchen, und zwar in der abgelegenen Gegend bei Klein Upahl. Dazu soll sie gesagt haben, sie wolle nicht die Polizei anrufen und dort hinschicken. Der Zeuge packte seine Wärmebildkamera ein und fuhr mit ihr in der Dunkelheit los.

Mit der Kamera war auf dem Feld nichts zu erkennen. Der Zeuge wollte bereits weiterfahren, als die Angeklagte vorschlug, zu einem nahen Tümpel zu gehen. Sie sei zielstrebig vorangegangen, am Ufer schliesslich stehen geblieben und habe mit der Taschenlampe geleuchtet. Der Hobby-Jäger erkannte etwas Schwarzes, das er zunächst für abgelegte Rohre hielt. Die Angeklagte soll daraufhin gesagt haben, das sei Fabian.

«Schwer verständlich»: keine Meldung an die Polizei

Brisant ist der Umstand, dass diese nächtliche Begegnung am Fundort einen Tag vor der offiziellen Entdeckung der Leiche stattfand. Der Zeuge gab an, er habe danach nur noch weggewollt und nicht in die Sache hineingezogen werden wollen. Die Polizei alarmierte er nicht. Den Vorwurf, er habe der Angeklagten eine sofortige Meldung untersagt, wies er zurück.

Der Vorsitzende Richter bezeichnete es als schwer verständlich, dass der Zeuge nach dem Fund nicht selbst die Polizei rief. Ob er den Fund berührt habe, wisse er nach eigener Aussage nicht mehr genau.

Für die Anklage ist die Aussage aus einem anderen Grund bedeutsam. Die Anwältin der Mutter verwies darauf, dass sich aus dem Geschehen Rückschlüsse auf mögliches Täterwissen der Angeklagten ergeben könnten, da diese den genauen Fundort offenbar kannte, bevor die Leiche offiziell entdeckt wurde. Der Prozess wird am 16. Juni 2026 mit einem weiteren Zeugen fortgesetzt, der ebenfalls zum Tümpel geführt worden sein soll.

Einordnung: Wenn jagdliche Technik in fremde Hände gerät

Es muss klar gesagt werden, dass dieser Fall kein Jagdverbrechen ist. Die mutmassliche Tat hat mit der Hobby-Jagd nichts zu tun, der Zeuge ist nicht angeklagt, und über die Schuldfrage entscheidet allein das Gericht. Wer hier eine direkte Parallele zur Hobby-Jagd zieht, überdehnt die Faktenlage.

Trotzdem lohnt ein nüchterner Blick auf einen Randaspekt. Die Wärmebildkamera, ein Gerät, das im Umfeld der Hobby-Jagd weitverbreitet ist, wurde zum Werkzeug einer nächtlichen Aktion fernab jeder behördlichen Suche. Und ein Mensch, der über jagdliche Routine im nächtlichen Gelände verfügt, fand sich an einem Leichenfundort wieder, ohne den naheliegenden Reflex, sofort die Polizei zu rufen.

Damit reiht sich der Fall in eine Beobachtung ein, die wir in anderem Zusammenhang bereits dokumentiert haben: Erst kürzlich wurde bekannt, dass ein Hobby-Jäger in der Steiermark eine Leiche zehn Jahre lang verschwieg, um die Wildtiere im Revier nicht zu stören. Die Motivlage ist eine völlig andere, doch beide Fälle führen vor Augen, dass die Schwelle, einen Toten im Gelände der Polizei zu melden, nicht überall gleich hoch liegt.

Welche Verantwortung eine Tätigkeit voraussetzt, die mit Waffen, nächtlicher Technik und grosser Autonomie im Revier verbunden ist, bleibt eine berechtigte Frage. Vertiefende Analysen dazu finden sich in unserem Dossier zur Psychologie der Hobby-Jagd sowie in unserer Rubrik Kriminalität & Jagd.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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