Podcast-Episode: Femizid in Faido, Explosion in Leontica
Pip: Wenn ein Hobby-Jäger zum Femizid-Verdächtigen wird, eine Polizeifalle legt und dabei ein Haus in die Luft jagt – dann ist das keine Lokalnachricht mehr, das ist ein Muster.
Mara: Genau darum geht es heute. Die Redaktion Wild beim Wild hat den Fall aus dem Tessin eingebettet in eine breitere Dokumentation: Waffenzugang, Schalldämpfer-Recht und die Psychologie hinter der Hobby-Jagd. Fangen wir an.
Femizid, Explosion, Muster: Was der Fall aus dem Tessin zeigt
Pip: Am 9. Juli 2026 wird eine 56-jährige Frau auf dem Gelände einer Rehaklinik in Faido mit einer Kopfschussverletzung gefunden. Niemand hatte einen Schuss gehört. Einen Tag später sprengt ihr Ex-Mann ein Haus in Leontica in die Luft – eine gezielte Falle für Einsatzkräfte. Der Täter kommt dabei selbst ums Leben.
Mara: Die Tessiner Kriminalpolizei hat auf der Medienkonferenz vom 13. Juli bestätigt: Der Mann war Hobby-Jäger. RSI bezeichnete das als «fatto accertato e confermato» — als gesicherte und bestätigte Tatsache. Er war legal im Besitz mehrerer Waffen.
Pip: Und weil niemand den Schuss hörte, geht die Polizei von einem Schalldämpfer aus. Das ist die entscheidende offene Frage: Woher kam er?
Mara: Schalldämpfer sind in der Schweiz grundsätzlich verboten. Ausnahmen erteilen Kantone unter anderem an Personen mit Jagdpatent. Ob der Täter über eine solche Bewilligung verfügte, ob die Waffe registriert war, ob der Schalldämpfer legal oder illegal war – das alles war laut RSI am 14. Juli noch ungeklärt.
Pip: Das ist der Kern. Der Schalldämpfer-Zugang ist in der Schweizer Waffengesetzgebung faktisch ein Privileg bestimmter Bewilligungskategorien – darunter Hobby-Jäger. Dieser Fall ist nicht der erste: Erst kürzlich wurde ein Tessiner Hobby-Jäger als Wilderer verurteilt, Schalldämpfer inklusive.
Mara: Genau das ist das erste dokumentierte Muster. Das zweite betrifft Gewalt in persönlichen Krisen. In der Region kursierten laut Tessiner Medien Hinweise auf Groll und Tobsucht des Täters. Der Beitrag verweist hier auch auf die Rubrik «Psychologie der Jagd im Tessin» — mit der These, dass Freude am Töten kein harmloses Freizeitmotiv ist, sondern psychologisch als abweichendes Gewaltverhalten beschrieben wird.
Pip: Wild beim Wild fordert deshalb jährliche medizinisch-psychologische Eignungsgutachten für Hobby-Jäger – nach niederländischem Vorbild – und eine verbindliche Altersobergrenze. Die grösste Altersgruppe unter Hobby-Jägern ist heute 65 plus, und Unfallanalysen zeigen: schwere Jagdunfälle nehmen ab dem mittleren Lebensalter signifikant zu.
Mara: Das Fazit des Beitrags ist direkt: «Der Zugang zu Schalldämpfern wird in der Schweizer Waffengesetzgebung faktisch zu einem Privileg bestimmter Bewilligungskategorien, darunter Hobby-Jäger.» Was das bedeutet, zeigt der Fall Faido – nicht als Einzelfall, sondern als Wiederholung.
Pip: Die Ermittlungen der Tessiner Staatsanwaltschaft laufen noch. Sobald es Neuigkeiten zur Waffenherkunft gibt, bleibt Wild beim Wild dran.
Mara: Waffenrecht, Schalldämpfer-Ausnahmen, Psychologie der Gewalt – das sind keine abstrakten Debatten, wenn ein konkreter Fall sie zusammenführt.
Pip: Und solange die Staatsanwaltschaft ermittelt, bleiben die entscheidenden Fragen offen. Wir hören wieder, wenn Antworten kommen.
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