05.10.2026, 10:38

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Podcast-Episode: Jagd, Wildtiere und Verantwortung

Diese Podcast-Episode führt von Graubünden ins Tessin, vom Pferd, das mit einem Hirsch verwechselt wurde, bis zu Wildtierkorridoren, die Jura und Alpen verbinden sollen.

Redaktion Wild beim Wild — 13. September 2026

Wild beim Wild recherchiert und dokumentiert die Jagd-Saison 2026/27 so gründlich, dass man beinahe vergisst, selbst hinauszugehen und nachzuschauen.

Im Mittelpunkt stehen Jagdunfälle, behördliche Aufsicht, Wildtierpolitik, die Widersprüche der Jagdkultur und ein konkretes Hilfsangebot für Gewaltbetroffene im Tessin.

Die Episode beginnt bei den Grenzen der Jagdaufsicht: Ein Wildhüter aus Graubünden beschreibt Wärmebildkontrollen, Fahrzeugdurchsuchungen und Nachsuchen nach angeschossenen Tieren. Doch gerade diese Nachsuchen zeigen das Problem: Jährlich sind es rund tausend, und längst nicht jedes verletzte Tier wird gefunden. Dazu kommen Fehlabschüsse, Kontrollen, ein im Avers mit einem Hirsch verwechseltes Pferd sowie tödliche Jagdunfälle im Berggebiet. Die zentrale Frage lautet: Was sagt es über ein System aus, wenn es intensive Kontrollen braucht, um die Schäden seiner eigenen Praxis zu begrenzen?

Danach richtet sich der Blick auf die Wildtierpolitik. Die Luchse im südlichen Mittelland sind ein positives Signal, aber kein Grund zur Entwarnung: Die Verbindung zwischen Jura und Alpen hängt an wenigen, vielfach zerstörten oder beeinträchtigten Wildtierkorridoren. Gleichzeitig mehren sich politische Zeichen für einen Kurswechsel – etwa die Forderung nach wissenschaftlich fundiertem Fuchsmanagement in Bern oder Zürcher Entscheide gegen die Bejagung bestimmter Vogelarten und für betreute Taubenschläge statt Tötung.

Auch die Jagdkultur wird kritisch beleuchtet: hohe Abschusspläne, Wolfsregulation, problematische Schüsse bei schlechten Lichtverhältnissen und die Differenz zwischen Verbandskodex und öffentlich präsentierten Erlegerbildern. Internationale Jagdzahlen zeigen zudem ein uneinheitliches, insgesamt aber brüchiges Bild: In mehreren Ländern sinken Jagdausweise und Nachwuchs deutlich. Gleichzeitig werden Risiken und blinde Flecken sichtbar – von fragwürdigen Jagdpraktiken bis zur Verharmlosung gesundheitlicher Risiken von Wildbret.

Zum Schluss geht es um Waffenzugang, Gewalt und konkrete Hilfe. Nach dem Femizid von Faido unterstützt Wild beim Wild die «Cassette Arancioni» im Tessin: orange Briefkästen, über die Betroffene von Gewalt anonym und niederschwellig Unterstützung anfordern können. Die Episode verbindet damit Wildtier- und Jagdpolitik mit einer grundsätzlichen gesellschaftlichen Frage: Wer übernimmt Verantwortung, wenn Kontrolle, Waffen und Gewaltfolgen nicht als Einzelfälle, sondern als strukturelle Probleme sichtbar werden?

Schlussgedanke: Die Saison zeigt nicht bloss einzelne Fehltritte. Sie zeigt ein System, dessen Folgen bei Tieren, in der Landschaft und bei Menschen sichtbar werden und das sich der Frage nach Verantwortung stellen muss.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: Was die Forschung dazu sagt, zeigt Jagd im Faktencheck: die Studienlage.

Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.

Alle Beiträge werden von der IG Wild beim Wild sowie von externen Co-Autorinnen und Co-Autoren verfasst. Recherche, Strukturierung und redaktionelle Prozesse können dabei durch KI-gestützte Werkzeuge unterstützt werden.

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