Podcast-Episode: Jagd in Graubünden und Wolfspolitik
Wem sind Jagdregeln und Wolfsmanagement letztlich rechenschaftspflichtig, den Wildtieren, der Öffentlichkeit oder den Interessen der Hobby-Jagd?
In dieser Folge untersucht Wild beim Wild die Jagdsaison 2026/27 in Graubünden.
Im Zentrum stehen Widersprüche in den Jagdvorschriften und die politische Verantwortung für die proaktive Wolfsregulation.
Bei den Jagdregeln zeigt sich ein wiederkehrendes Muster: Nachtsicht- und Wärmebildtechnik, Drohnen sowie das Anlocken von Schalenwild sind grundsätzlich untersagt, doch sobald effizientere Abschüsse erwünscht sind, entstehen Ausnahmen. Für die nächtliche Wildschweinjagd in der Mesolcina wird Wärmebildtechnik zugelassen; beim Fuchs fehlt ein gleichwertiges Verbot von Köderplätzen. Auch die jagdliche Nutzung von Mobiltelefonen war einst klar verboten, ist im heutigen Verordnungstext aber nicht mehr ebenso eindeutig geregelt. Der Anspruch auf Fairness gegenüber Wildtieren steht damit unter Vorbehalt.
Die Folge fragt auch nach dem Zweck einer Hobby-Jagd, deren frühere Verbandsführung die Niederjagd auf Fuchs, Dachs und Hase selbst als «nicht nötig, aber berechtigt» bezeichnet hat. Wenn ökologische Notwendigkeit fehlt, bleibt die Frage offen, ob das Regelwerk Wildtiere schützt oder vor allem ein Freizeitinteresse organisiert.
Der zweite Schwerpunkt ist die Wolfsregulation. Das BAFU hat für die Periode ab 1. September 2026 Abschüsse in zwölf Bündner Wolfsrudeln bewilligt; bei vier weiteren Rudeln sind sie nach bestätigtem Nachwuchs möglich. Zusätzlich beantragt Graubünden die vollständige Entnahme des Calderas-Rudels – obwohl die Nutztierrisse bis Ende Juli gegenüber dem Vorjahr mehr als halbiert waren.
Adrian Arquint, Co-Leiter des Amts für Jagd und Fischerei, begründet die Eingriffe unter anderem mit sinkenden Risszahlen. Der Rückgang setzte jedoch bereits vor Inkrafttreten der neuen Grundlage für präventive Abschüsse im Dezember 2023 ein. Arquint selbst nennt den ausgebauten Herdenschutz als wichtigen Einflussfaktor. Gleichzeitig sagt er, ganze Rudel sollten nicht ausgelöscht werden, während sein Amt die vollständige Entnahme des Calderas-Rudels beantragt.
Die Folge beleuchtet zudem Arquints Doppelrolle als passionierter Hobby-Jäger und leitender Vertreter jener Behörde, die über die Wolfsregulation entscheidet. Naturschutzvereine kritisieren die Praxis als Ausrottungspolitik; die Forschungskommission des Schweizerischen Nationalparks warnte bereits 2024, dass vollständige Rudelentnahmen wissenschaftlich nicht angezeigt seien. Schweizweit stieg die Zahl der Wolfsrudel laut Ticker trotz 226 getöteter Wölfe in drei Regulierungsperioden von 35 auf 40.
Mehr zum Thema Hobby-Jagd: Die wissenschaftlichen Belege stehen in der Übersicht Studien zu den Auswirkungen der Hobby-Jagd.
Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.
Unterstütze unsere Arbeit
Mit deiner Spende hilfst du, Tiere zu schützen und ihrer Stimme Gehör zu verschaffen.
Jetzt spenden →