2. August 2026, 19:23

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Wie spanische Anbieter Schweizer Hobby-Jäger umwerben

Eine Werbemail zeigt ungeschminkt, worum es bei der Hobby-Jagd tatsächlich geht.

Redaktion Wild beim Wild — 2. August 2026
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«Die Lustjagd»

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In unserem Postfach landete kürzlich wieder eine Werbemail, die selten so offen zeigt, wonach die Hobby-Jagd-Branche tatsächlich strebt.

Ein spanischer Anbieter, der sich «Hunting in Spain» nennt, wirbt gezielt bei Hobby-Jagd-Vereinen um Gruppenreisen auf über 30 privaten Jagdgütern in Spanien. Die Botschaft ist unmissverständlich: «Give your members the best hunting experience in Spain.»

Was in dieser Mail fehlt, ist mindestens so aufschlussreich wie das, was sie enthält.

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Der Luchs ist genetisch am Limit, trotzdem soll er als erster Kanton der Schweiz zum Abschuss freigegeben werden.

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Ein Produktkatalog für tote Tiere

Die Mail liest sich wie der Prospekt eines Reiseveranstalters, nur dass die Ware aus nichtmenschlichen Tieren besteht. Angeboten werden Mähnenschaf, Rothirsch, Steinbock, Mufflon, Damhirsch, Wildschwein, Rehbock, Gämse, Rebhuhn und Kaninchen, dazu «premium driven hunts», gemeint sind Treibjagden, bei denen möglichst viele Tiere in kurzer Zeit erlegt werden sollen. Der Anbieter verspricht «Trophy documentation», also die offizielle Dokumentation der erlegten Tiere als Trophäen, sowie Gewehrverleih und Munition für jene, die ohne eigene Ausrüstung anreisen.

Alles ist durchorganisiert: Flughafentransfer, ausgewählte Hotels und «premium hunting lodges», traditionelle spanische Küche, zweisprachige Berufsjäger-Guides, Jagdlizenzen und Bewilligungen. Das einzige, was die Vereinsmitglieder laut Anbieter selbst erledigen müssen, ist der Flug. Der Rest ist ein durchgetaktetes Konsumerlebnis, bei dem das Töten von Wildtieren als Höhepunkt eines Ferienpakets verkauft wird.

Kein Wort zu Beständen, kein Wort zu Ökologie

Bezeichnend ist, was in der gesamten Mail nicht vorkommt: kein Hinweis auf Bestandszahlen, keine Rede von ökologischer Notwendigkeit, kein einziger Verweis auf Artenschutz oder Wildtiermanagement. Stattdessen dominiert die Sprache des Verkaufs: «Best price guarantee», «exclusive access», «flexible dates», «tailor-made programs». Der Anbieter positioniert sich explizit als Alternative zu klassischen Jagdausrichtern, weil er selbst Eigentümer der Jagdgüter ist und dadurch günstigere Konditionen ohne Zwischenhändler bieten kann.

Diese Selbstdarstellung passt zu dem, was auch andere kommerzielle Anbieter für Hobby-Jagd-Reisen nach Spanien offen bewerben: Das Land wird in der einschlägigen Branche als Ort mit besonders guter «Trophäenqualität» beschrieben, mit kalkulierbaren Kosten und komfortabler Infrastruktur für auswärtige Hobby-Jäger. Die Rede ist von «hochkapitalen» Rehböcken, von vier Steinbock-Unterarten, die es exklusiv in Spanien gibt, und von Trophäenpunktzahlen nach dem CIC-System. Es geht um Masse, Auswahl und Trophäengrösse, nicht um den Erhalt von Populationen.

Die Schieflage, die auffällt

Hier liegt der eigentliche Punkt, den diese Mail exemplarisch offenlegt: Werbung dieser Art erreicht unsere Redaktion regelmässig, adressiert an Hobby-Jagd-Vereine, mit dem Versprechen von Erlebnis, Exklusivität und günstigen Preisen für das Erlegen von Wildtieren. Was in all den Jahren nie in unserem Postfach gelandet ist, ist eine vergleichbare Werbemail für Aufforstungsprojekte, Wiedervernässung von Mooren, Renaturierung von Flussläufen oder Artenschutzprogramme, adressiert an dieselbe Zielgruppe.

Diese Asymmetrie ist kein Zufall. Sie zeigt, wonach in der Hobby-Jagd-Szene tatsächlich nachgefragt wird und wonach nicht. Wenn «Naturschutz» oder «Wildtiermanagement» wahrlich die zentralen Anliegen wären, die Hobby-Jäger-Verbände in ihrer öffentlichen Kommunikation gerne betonen, müsste es einen Markt für Vereinsreisen zur aktiven Aufwertung von Lebensräumen geben. Diesen Markt gibt es nicht. Es gibt einen Markt für das Erlegen von Tieren mit möglichst grossen Trophäen zu möglichst attraktiven Konditionen.

Was die Mail über die Branche verrät

Die Selbstbeschreibung des Anbieters als Besitzer von über 30 privaten Jagdgütern verweist zudem auf ein Geschäftsmodell, das auf Skalierung ausgelegt ist. Wildtiere werden auf diesen Flächen so bewirtschaftet, dass eine gleichbleibende Nachfrage bedient werden kann, mit «garantierten» Trophäenmöglichkeiten und wiederkehrenden Buchungen von Vereinen als Kunden. Das ist eine Logik der Warenproduktion, nicht des Naturschutzes.

Auch die Betonung, dass sich die Hobby-Jagd «leicht» buchen lasse und man sich um «absolut alles» kümmere, fügt sich in dieses Bild. Die Hemmschwelle für Vereinsmitglieder wird so niedrig wie möglich gehalten. Wer jagen will, muss nicht mehr planen, organisieren oder sich mit den rechtlichen und logistischen Hürden auseinandersetzen, sondern bucht ein fertiges Paket, ähnlich wie eine Pauschalreise.

Der offizielle Preiskatalog

In der Werbemail erreichte uns der offizielle Preiskatalog «Range of Services 2026–2027» desselben Anbieters. Er bestätigt Punkt für Punkt, was in der Werbemail nur angedeutet wurde: Wildtiere werden nach Körpermassen und CIC-Punkten in Medaillenklassen eingeteilt und entsprechend abgerechnet. Es werden sogar Medaillen verteilt, Bronze, Silber, Gold, je nach Trophäengrösse des toten Tieres.

Wildtier / KategoriePreis
Iberischer Steinbock, Goldmedaille (ab 230 CIC-Punkte)6’000 €
Iberischer Steinbock, Extrapunkt über 240 CIC250 € / Punkt
Iberischer Steinbock, weibliches Tier500 €
Mähnenschaf, Goldmedaille (über 75 cm)5’000 €
Wildschwein, einzelnes Tier300 €
Monteria-Komplettpaket (zwei Treibjagden, All-inclusive)1’500 €
Auszug aus dem Preiskatalog «Range of Services 2026–2027» von Hunting in Spain. Zusätzlich verlangt der Anbieter eine tägliche Guide-Gebühr von 150 € sowie eine nicht rückerstattbare Anzahlung von 40 bis 80 Prozent.

Auch die Vertragsbedingungen im Katalog folgen einer rein kommerziellen Logik. Findet der Guide «klare Blutspuren», gilt der Auftrag laut Katalog als erfüllt, unabhängig davon, ob das Tier tatsächlich gefunden wird. Die Anzahlung von 40 bis 80 Prozent wird in diesem Fall nicht zurückerstattet. Alle Trophäen werden zudem «vor Ort vermessen», um den definitiven Preis festzulegen, der in bar zu begleichen oder zu kompensieren ist. Ein weibliches Steinwild kostet dabei mit 500 € nur einen Bruchteil eines männlichen Tieres mit Goldmedaille, weil ihm die verkaufsfähige Trophäe fehlt.

Bezeichnend ist auch der Claim, mit dem der Anbieter sein Logo versieht: «Passion for Genuine Hunting». Auf denselben Seiten steht daneben ein reines Preisraster nach Körperteilen und Zentimetermassen von Hörnern und Geweihen. Von «Passion» oder «Genuine Hunting» im Sinne eines respektvollen Umgangs mit Wildtieren ist im gesamten Dokument nichts zu finden, einzig eine Regel unter «Prohibited Actions» verlangt, «respektvolles Verhalten» gegenüber Rehen und Kitzen zu fördern, während für praktisch jede andere Art ein Preis pro Punkt existiert.

Lizenz und Waffe: alles inklusive

Wer sich fragt, wie ausländische Hobby-Jäger überhaupt so unkompliziert in Spanien jagen können: Der Anbieter übernimmt auch diesen Teil vollständig. Spanien verlangt formal einen gültigen Jagdschein plus eine Jagdhaftpflichtversicherung, eine inhaltliche Eignungsprüfung der Gäste findet dabei nicht statt, massgeblich ist der bereits im Heimatland erworbene Jagdschein. Die nötige temporäre Zulassung und Versicherung stellt der Anbieter vor Ort aus oder organisiert sie über die Regionalverwaltung, für die Vereinsmitglieder reduziert sich das auf reine Formsache. Schon die ursprüngliche Werbemail versprach genau das: «Hunting licences, permits & trophy documentation».

Auch bei der Waffe gibt es keine Hürde, die nicht kommerziell aufgefangen würde. Wer eine eigene Waffe mitbringen will, braucht den Europäischen Feuerwaffenpass sowie eine vorab beim spanischen Konsulat beantragte Einfuhrgenehmigung, wofür wiederum ein Einladungsschreiben des Anbieters nötig ist. Wer das nicht will oder keine eigene Waffe besitzt, bekommt schlicht eine gestellt: Sowohl die Werbemail («Gun rental, ammunition & hunting equipment if required») als auch der Preiskatalog, der «Firearm rental» explizit im Monteria-Paket auflistet, bieten die Leihwaffe als Standardleistung an. Sämtliche Hürden, die eigentlich eine gewisse Kontrollfunktion haben sollten, Eignung, Waffenrecht, Lizenzierung, werden damit vom Anbieter aus dem Weg geräumt. Übrig bleibt für die Vereinsmitglieder tatsächlich nur der Flug.

Der gleiche Mechanismus in der Schweiz

Das gleiche Prinzip lässt sich an der Schweizer Jagdverwaltung selbst zeigen, nur mit anderen Etiketten. Die Schweiz kennt zwei kantonale Systeme, beide beruhen auf Bezahlung für das Tötungsrecht.

  • Patentjagd (16 Kantone, v.a. Alpen- und Westschweiz: Bern, Graubünden, Wallis, Waadt, Tessin usw.): Hobby-Jäger lösen beim Kanton ein Patent gegen Gebühr, das zum Erlegen einer festgelegten Anzahl Tiere pro Art berechtigt.
  • Revierjagd (9 Kantone, v.a. Mittelland: Zürich, Aargau, Luzern, Solothurn usw.): Kanton oder Gemeinden verpachten das Jagdrecht für ein Gebiet über mehrere Jahre an Jagdgesellschaften gegen Pachtzins, der sich nach der Abschusszahl richtet, je mehr erlegt wird, desto stärker rechtfertigt sich die Pacht.

In beiden Systemen ist die Bezahlung direkt an das Töten von Tieren gekoppelt, beim Patent pro Tier oder Kontingent, bei der Pacht über den abschussabhängigen Zins. Das ist strukturell dieselbe Logik wie beim spanischen Anbieter: Der Staat beziehungsweise die Gemeinde ist Nutzniesser einer Gebühr, die umso lukrativer wird, je mehr getötet wird, offiziell gerechtfertigt mit «Bestandsregulierung», nicht mit «Trophäe», aber am Zahlungsmechanismus ändert das nichts.

Das Walliser Beispiel: Steinbockjagd für Ausländer

Am deutlichsten zeigt sich diese Logik im Kanton Wallis. Seit 1991 erlaubt er, mit einem Unterbruch von 2021 bis Ende 2024 nach öffentlichem Druck, ausländischen und ausserkantonalen Hobby-Jägern die Steinbockjagd gegen Bezahlung: 25’000 Franken für Ausländer, 12’500 Franken für ausserkantonale Schweizer, 5’000 Franken für Walliser. Nicht-Walliser dürfen dabei nur männliche Tiere über 11 Jahre schiessen, also gerade jene mit den grössten Hörnern, faktisch eine Trophäengarantie gegen Aufpreis. Für 2025 rechnet der Kanton mit rund 460’000 Franken Einnahmen daraus, 60 Prozent davon von ausländischer Kundschaft. Bis 2019 kooperierte die Behörde sogar mit privaten Jagdagenturen, die das «Erlebnis» inklusive Helikopterflug über die Alpen vermarkteten, bis eine Fernsehreportage und eine Petition mit 70’000 Unterschriften zum vorübergehenden Verbot führten. Mehr zur Geschichte dieser «Steinbock-Safaris» und zum globalen Geschäft mit der Trophäenjagd in unseren Dossiers «Der Steinbock in der Schweiz: geschmuggelt, gerettet und wieder zur Trophäe degradiert» und «Hobby-Jagdtourismus: Trophäenjagden, Jagdreisen und Messen».

Fazit

Werbemail und Preiskatalog sind zusammen ein deutliches Dokument dafür, wie die kommerzielle Seite der Hobby-Jagd wirklich funktioniert. Sie zeigen eine Industrie, die auf Verfügbarkeit, Preis pro CIC-Punkt und Trophäengrösse optimiert ist, nicht auf ökologische Notwendigkeit. Wer diese Dokumente liest, ohne die Selbstdarstellung der Hobby-Jagd-Verbände im Kopf zu haben, sieht schlicht ein Ferienangebot mit Preisliste für das Töten von Wildtieren. Genau das ist es auch.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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