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Langläufer Valerio Grond und die Hobby-Jagd: Was das Sportporträt ausblendet

Drei Hirsche, drei Gämsen und viel Idylle: Ein Bündner Zeitungsporträt erzählt die Hobby-Jagd als Ausgleich zum Spitzensport.

Redaktion Wild beim Wild — 1. Oktober 2026
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Am 28. September 2026 hat die «Südostschweiz» ein Porträt von Roman Michel über den Langläufer Valerio Grond aus Davos Monstein veröffentlicht.

Der Titel: «Hier kann ich den Sport weglegen»: Langläufer Valerio Grond nimmt uns mit auf die Jagd. Der Text beginnt mit Kuhglocken, einem zwitschernden Vogel und einem Athleten im hohen Gras, das Gewehr auf dem Rucksack. Drei Hirsche und drei Gämsen hat der 25-Jährige in diesem Herbst erschossen, so viele wie noch nie, seit ihn ein Kollege vor fünf Jahren zur Hobby-Jagd gebracht hat.

Das Porträt schildert Gronds Erleben ausführlich. Die sechs nichtmenschlichen Tiere, deren Leben in diesem Herbst endete, kommen darin fast nur als Abschusszahl, als Transportlast und als Fleisch vor.

Die Hobby-Jagd als «mentaler Break»

Grond beschreibt die Hobby-Jagd als Gegenpol zum Leistungssport. Draussen in der Natur seien alle Gedanken an den Sport weit weg, es sei für ihn ein körperlicher und mentaler Ausgleich. Die Hochjagd steht als Fixtermin in seinem Kalender, zwischen Basistraining und Weltcupvorbereitung.

Das Porträt stellt dieses Erholungserlebnis in den Vordergrund. Eine Begründung, weshalb die sechs Tiere sterben mussten, etwa mit Wildschäden oder Bestandsplanung, kommt im Text nicht vor. Damit bleibt genau die Frage unbeantwortet, die bei der Hobby-Jagd im Zentrum stehen müsste. Was die Forschung zu den Motiven von Hobby-Jägern zusammengetragen hat, liefert dazu mehr Stoff als das Porträt.

Demut und Bestmarke im selben Text

Grond spricht von einem Mix aus Adrenalin, Nervosität und Freude, ein Tier erlegen zu können. Auf der anderen Seite stehe eine grosse Demut, denn: «Schliesslich tötet man ein Lebewesen.» Die Zeitung hebt diesen Satz am Schluss nochmals als Zitat hervor.

Im selben Porträt wird die persönliche Bestmarke von sechs Abschüssen vermeldet. Demut, die sich in einer Strecke misst, ist eine eigenartige Demut. Der Widerspruch ist typisch für die Bündner Hobby-Jagd: Der Patentjägerverband verlangt in seinem neuen Jagd-Kodex Respekt vor dem Wild, während in der öffentlichen Darstellung Abschusszahlen, Gewichte und Erlegerbilder im Vordergrund stehen.

Der Hirsch als Last auf dem Rücken

Besonders deutlich wird die Perspektive beim Abtransport. Einen rund 100 Kilogramm schweren Hirsch im steilen Engadiner Gelände ins Tal zu tragen, gehe an die Substanz, heisst es. Gut also, dass der Langläufer fit sei. Das getötete Tier erscheint hier vor allem als körperliche Herausforderung für den Athleten.

Welche Tiere Grond erlegt hat, erfährt die Leserschaft nicht: Stiere oder Kühe, ausgewachsene Tiere oder Junge. Dabei wäre die Frage gerade im September naheliegend. Das Bündner Amt für Jagd und Fischerei hält in einer Fachbeurteilung fest, dass Hirschkälber im September von ihren Müttern noch für Nahrung und Führung abhängig sind. Deshalb sind säugende Hirschkühe während der Hochjagd geschützt. Gämsen bringen in der Regel nur ein Junges pro Jahr zur Welt. Wer über die Hochjagd berichtet, könnte zumindest nachfragen.

Das Fleisch als Schlussfrage

Am Ende fragt die Zeitung, was mit dem Fleisch geschehe. Ein Teil davon komme traditionell an Weihnachten auf den Tisch, sagt Grond. Welche Rolle die Verwertung des Fleisches für ihn spielt, bleibt offen. Im Porträt erscheint sie als Nachsatz, nicht als Grund für die Hobby-Jagd. Das Argument der Selbstversorgung gehört zu den immer gleichen Jagd-Argumenten, die einer Prüfung kaum standhalten.

Ein Vorbild mit Gewehr

Valerio Grond ist Silbermedaillengewinner im Teamsprint, Olympiateilnehmer und für viele junge Langläuferinnen und Langläufer ein Vorbild. Die Zeitung fragt ihn augenzwinkernd, warum er bei seinem Talent an der Waffe nicht Biathlet geworden sei. Das Schiessen auf lebende Tiere rückt so in die Nähe des Schiessens auf Scheiben.

Das Porträt steht in einer Reihe. Bündner Medien begleiten die Hochjagd jedes Jahr mit viel Wohlwollen, bis hin zum gebührenfinanzierten RTR, das das «schönste» Erlegerbild küren lässt. Kritische Stimmen kommen in solchen Texten nicht vor.

Kommentar: Die Rehe auf der Wiese hätten genügt

Der schönste Satz im ganzen Porträt stammt von Grond selbst. Am Vortag habe er einer Gruppe von Rehen beim Spielen zugeschaut, erzählt er und zeigt auf eine Wiese. Genau das ist der mentale Ausgleich, den er sucht: Stille, Beobachtung, Begegnung. Dafür braucht es kein Gewehr.

Grond spricht von Demut. Wie diese Demut zu seiner persönlichen Bestmarke von sechs Abschüssen passt, fragt das Porträt nicht. Ein Text, der das Töten von sechs Tieren als sympathische Facette eines Spitzensportlers erzählt, liest sich eher wie Imagepflege für die Hobby-Jagd als wie Berichterstattung. Junge Menschen, die zu Valerio Grond aufschauen, verdienen ein anderes Bild davon, was Naturverbundenheit bedeutet.

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Mehr zum Thema Hobby-Jagd: Im Dossier Rolle und Kritik der Hobby-Jäger beleuchten wir Ausbildung, Macht und Selbstbild der Hobby-Jäger. Die wissenschaftlichen Belege stehen in der Übersicht Studien zu den Auswirkungen der Hobby-Jagd.

Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.

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