Arjeplog: Norweger stirbt bei Hobby-Jagd, Jagdkollege unter Verdacht
Die schwedische Staatsanwaltschaft ermittelte zuerst wegen Mordes, hat den Verdächtigen inzwischen freigelassen und prüft nun, ob er fahrlässig handelte.
Stille nach dem Schuss
In der Gemeinde Arjeplog in Norrbotten ist am Donnerstag, 1. Oktober 2026, ein Mann bei einer Jagd ums Leben gekommen. Nach ersten Angaben der Polizei wurde er angeschossen. Laut SVT waren die Männer gemeinsam auf Vogeljagd. Der Tote und der Tatverdächtige stammen beide aus Norwegen, sind beide rund 65 Jahre alt und gehörten derselben Jagdgruppe an.
Was die Staatsanwaltschaft mitteilt
Die Ermittlungen liefen zunächst wegen Mordes, alternativ wegen grober fahrlässiger Tötung. Der Jagdkollege wurde noch am Abend des Unglückstags festgenommen. Am 2. Oktober beschränkte Staatsanwältin Moa Ejnestrand den Vorwurf nach ersten Einvernahmen auf grobe fahrlässige Tötung. Nichts deute auf eine absichtliche Tötung hin.
Am 3. Oktober setzte die Staatsanwaltschaft den Mann auf freien Fuss. Für eine Untersuchungshaft reichten die Gründe nicht aus, der Verdacht gegen ihn bleibt aber bestehen. Gegenüber SVT sagte Ejnestrand, alles deute auf einen Unfall hin. Abzuklären sei nun, ob der Mann fahrlässig oder grob fahrlässig gehandelt habe. Geplant sind eine Obduktion sowie Untersuchungen der Waffen und eines Hundeortungsgeräts. Das Verfahren läuft beim Amtsgericht Luleå unter der Nummer B 2999-26.
Verteidiger Mattias Jaldeby sagte gegenüber SVT Norrbotten, sein Mandant bestreite, eine Straftat begangen zu haben, und habe den Ablauf klar schildern können. Nach Darstellung der Verteidigung führte ein Missverständnis bei den Jagdanweisungen dazu, dass jemand am falschen Ort stand.
Zwei tödliche Vorfälle innert Tagen
Drei Tage nach dem Todesfall in Arjeplog wurden am 4. Oktober bei Halden an der norwegisch-schwedischen Grenze zwei Hobby-Jäger aus einer Jagdgruppe erschossen. Dort räumte ein früheres Gruppenmitglied die Schüsse ein. Die Fälle unterscheiden sich im bisherigen Ermittlungsstand: In Arjeplog sieht die Staatsanwaltschaft keine Hinweise auf eine absichtliche Tötung.
Einordnung der Redaktion
Ob in Arjeplog ein Missverständnis bei den Jagdanweisungen, ein Fehlschuss oder ein anderer Ablauf zum Tod führte, müssen die Ermittlungen klären. Die Erklärung der Verteidigung ist bislang nicht bestätigt. Der Fall wirft aber eine grundsätzliche Frage auf: Wie zuverlässig halten bewaffnete Jagdgruppen ihre Sicherheitsabsprachen ein, wenn schon eine falsche Position tödlich enden kann?
Andere von Wild beim Wild dokumentierte Fälle betreffen Verwechslungen von Tieren oder Menschen. Sie belegen nicht, was in Arjeplog geschah, zeigen aber, wie fehleranfällig der Einsatz von Jagdwaffen ist:
- Im Toggenburg verwechselte ein Hobby-Jäger einen Rothirsch mit einem Rehbock.
- In Delaware erschoss ein 74-Jähriger eine Frau, die er für einen Hirsch hielt.
- Wie Wahrnehmungsfehler zur Gefahr werden, zeigen Fälle mit Mountainbikern.
Weitere Fälle sammelt Wild beim Wild unter dem Schlagwort Jagdunfälle.
Mehr zum Thema Hobby-Jagd: Im Dossier Wilderei und Jagdkriminalität in der Schweiz dokumentieren wir Fälle, Rechtsfragen und wiederkehrende Muster. Die wissenschaftlichen Belege stehen in der Übersicht Studien zu den Auswirkungen der Hobby-Jagd.
Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.
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