100 Zuchtfasane in Kisten: Zwei Treibjagden im Burgenland abgesagt
Laut VGT sollten die Tiere aus Ungarn kurz vor zwei Treibjagden ausgesetzt werden. Nach einem Polizeieinsatz wurden sie zum Verkäufer zurückgebracht.
Symbolbild. Foto: Doncoombez / Unsplash
«Freiwild ab Werk»
Tierschützer des Vereins gegen Tierfabriken (VGT) haben nach eigenen Angaben am vergangenen Wochenende in Hof am Leithagebirge (Bezirk Bruck an der Leitha) rund 100 Fasane entdeckt, eingepfercht in engen Transportkisten auf einem Anhänger. Die Tiere hätten bei zwei Treibjagden im benachbarten Burgenland ausgesetzt und abgeschossen werden sollen. Das schreibt der VGT in einer Aussendung vom 27. Oktober. Auch die Zeitung «Heute» berichtete über den Fall.
Der Hinweis kam aus der Jägerschaft
Ausgangspunkt war laut VGT der Hinweis einer Hobby-Jägerin. Sieben Tierschützer rückten in der Nacht aus und fanden die Vögel auf dem Firmengelände des Jagdleiters. Nach ihren Beobachtungen sassen die Fasane zu diesem Zeitpunkt bereits seit mindestens zehn Stunden in den Kisten.
Polizeieinsatz um 4 Uhr früh
Gegen 4 Uhr alarmierte VGT-Obmann Martin Balluch die Polizei. Die Beamten weckten den Jagdleiter, befragten ihn und kontrollierten die Tiere. Nach Darstellung des VGT bestritt der Mann zunächst, etwas von den Fasanen zu wissen. Später habe er eingeräumt, sie im Burgenland aussetzen und bejagen zu wollen, in einem Revier zwischen Kaisersteinbruch und Wilfleinsdorf. Er habe auch angegeben, die Tiere ohne die nötigen Papiere aus Ungarn bezogen zu haben. Die erste Treibjagd hätte vier Stunden später beginnen sollen, eine zweite war für den Folgetag angesetzt.
Die Polizei verpflichtete den Jagdleiter laut VGT, die Fasane unverzüglich zum Verkäufer nach Ungarn zurückzubringen, da er weder eine Fasanerie noch eine Voliere besitze. Wenige Stunden später waren die Tiere auf dem Rückweg. Beide Treibjagden wurden abgesagt.
Mögliche Verstösse
Nach Angaben des VGT ist das Aussetzen gezüchteter Fasane für die Hobby-Jagd im Burgenland seit 2022 verboten. Das Aussetzen unmittelbar vor einer Jagd sei schon seit Jahrzehnten untersagt. Der Verein sieht zudem mögliche Verstösse gegen Tierschutz-, Tiertransport- und Einfuhrbestimmungen. Ob strafbare Handlungen vorliegen, müssen die Behörden klären. Balluch hofft, dass dem Jagdleiter die Jagdkarte entzogen wird.
Einordnung: Für den Abschuss angeliefert
Mit Regulierung hat dieser Fall nichts zu tun. Hier wurde kein vorhandener Wildtierbestand bejagt. Die Tiere sollten aus einer Zucht angeliefert, kurz vor der Jagd freigelassen und dann abgeschossen werden. Laut Balluch stammen sie aus Massentierhaltung, sind kaum ans Fliegen gewöhnt und dadurch hilflos und besonders leichte Ziele. Was übrig bleibt, ist ein Schiessvergnügen mit nichtmenschlichen Tieren als lebenden Zielscheiben.
Weitere Hintergründe zum Umgang mit Fasanen in Österreich: Field Trials auf Kosten von Fasan und Ente und eine Fasanenjagd neben einer Wildtierauffangstation in Niederösterreich.
Und in der Schweiz?
Auch in der Schweiz konzentrieren sich die Fasanenabschüsse seit Jahren fast vollständig auf das Tessin. Ein Rechtsgutachten im Auftrag des Bundes hielt 2005 fest, dass Jagdfasane im Wesentlichen dort ausgesetzt wurden. Ob diese Praxis heute fortbesteht, ist öffentlich nicht dokumentiert. Die Zahlen und die offenen Fragen zur Rechtslage zeigt unser Beitrag «Fasanenjagd findet fast nur noch im Tessin statt».
Mehr zum Thema Hobby-Jagd: Im Dossier Wilderei und Jagdkriminalität in der Schweiz dokumentieren wir Fälle, Rechtsfragen und wiederkehrende Muster. Was die Forschung dazu sagt, zeigt Jagd im Faktencheck: die Studienlage.
Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.
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