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Bogenjagd-Podium in Utzenstorf: Vier aus dem eigenen Lager, eine Kritikerin

Seit 2025 prüft JagdSchweiz die Akzeptanz der Bogenjagd. Das Ergebnis wurde nie veröffentlicht.

Redaktion Wild beim Wild — 14. Juli 2026

Am Sonntag, 19. Juli 2026, lädt der Förderverein Schloss Landshut zum «Landshuter Dialog zu Wild und Jagd» nach Utzenstorf.

Thema: «Bogenjagd in der Schweiz, möglich und nötig?» Der Anlass ist öffentlich, kostenlos, mit Simultanübersetzung. Was als ergebnisoffene Debatte angekündigt wird, ist die öffentliche Etappe eines Vorhabens, das seit über einem Jahr läuft.

Die Chronologie

An der Präsidentenversammlung 2025 von JagdSchweiz stellte Nicolas Wallimann das Thema Bogenjagd vor. Grundlage war ein Vorstoss aus dem Kanton Jura. Die Versammlung erteilte dem Dachverband den Auftrag, Interesse und Akzeptanz dieser Jagdform zu prüfen. JagdSchweiz verschickte daraufhin einen Fragebogen über die Kantonalverbände. Der Freiburger Jagdverband publizierte ihn am 30. April 2025, Einsendeschluss war der 15. Juni 2025. JagdSchweiz erklärte, man erhebe «die Einstellung der Jägerschaft zur Bogenjagd».

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Keine Luchsabschüsse im Wallis

Der Luchs ist genetisch am Limit, trotzdem soll er als erster Kanton der Schweiz zum Abschuss freigegeben werden.

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Präsident von JagdSchweiz war damals Anton Merkle. Derselbe Anton Merkle sitzt nun in Utzenstorf auf dem Podium.

Wallimann ist Präsident des jurassischen Kantonaljägerverbands. Bereits im Oktober 2023 hatte er gegenüber dem Regionalsender RFJ erklärt, ein Zusammenleben mit dem Wolf sei im Jura nicht möglich. Zwei Vorstösse aus demselben Kanton und von derselben Quelle, einmal gegen den Wolf, einmal für die Bogenjagd, lassen sich in eine und dieselbe Stossrichtung einordnen: mehr Bestandskontrolle durch mehr Tötungsmöglichkeiten. Wir haben darüber berichtet: Kanton Jura: Jagdpräsident gegen Wolf

Das fehlende Ergebnis

Über ein Jahr nach Fristende ist kein Resultat publiziert (Stand: 14. Juli 2026, geprüft auf jagdschweiz.ch und bei den Kantonalverbänden). Wie hoch war der Rücklauf? Wie fiel die Akzeptanz aus? Und weshalb bleibt eine Erhebung unter Verschluss, die im Auftrag der Präsidentenversammlung durchgeführt wurde?

Der Vergleich ist aufschlussreich. Umfragen, die dem Verband nützen, rollt JagdSchweiz mit Grafiken und Medienmitteilung aus. Der «Jagdbarometer» erscheint alle zwei Jahre mit vollem PR-Apparat. Die Bogenjagd-Umfrage verschwand nach dem Einsendeschluss aus der öffentlichen Kommunikation.

Wir haben sie im Juli 2025 eingeordnet: Die Bogenjagd in der Schweiz ist mit aller Deutlichkeit abzulehnen

Ein Podium ohne Gegengewicht

Offiziell beginnt der Anlass laut Ankündigung um 14 Uhr mit Fachvortrag und Podiumsdiskussion. Das Detailprogramm listet allerdings bereits ab 11 Uhr eine Präsentation der Bogenjagd-Ausrüstung samt Schiess-Demonstration mit Melitta Maradi und Adrian Eusebio, gefolgt von einem Film zur Bogenjagd um 12.30 Uhr. Beides ist öffentlich und kostenlos. Um 14 Uhr hält Melitta Maradi das Fachreferat «Die Bogenjagd». Erst ab 14.30 Uhr wird «diskutiert».

Auf dem Podium: Anton Merkle, ehemaliger Präsident von JagdSchweiz. Adrian Eusebio, Präsident des Verbands Schweizer Bogenjäger. Melitta Maradi, Bogenjägerin. Vanessa Gerritsen von der Stiftung für das Tier im Recht. Moderation: Reinhard Schnidrig.

Vier Podiumsteilnehmende mit direktem Bezug zur Jagd oder zur Bogenjagd, eine Kritikerin. Wer ein Publikum am Vormittag mit Ausrüstungsschau, Schiess-Demo und Werbefilm einstimmt und am Nachmittag ein Podium in dieser Zusammensetzung antreten lässt, führt keinen Dialog im eigentlichen Sinn. Er inszeniert Zustimmung und braucht eine kritische Stimme, um sich hinterher Ausgewogenheit attestieren zu können.

Es ist nicht das erste Mal. Beim letzten Landshuter Dialog war ebenfalls nur eine einzige nicht jagende Person auf dem Podium.

Unsere Vorabberichterstattung: Landshuter Dialog in Utzenstorf: Bogenjagd-Podium mit bekannten Hobby-Jäger-Gesichtern

Die Moderation

Auch die Moderation stellt sich die Frage der Neutralität. Reinhard Schnidrig war von 2005 bis Anfang 2024 Leiter der Sektion Wildtiere beim Bundesamt für Umwelt und galt als oberster Wildhüter und Jagdinspektor der Schweiz. Unter seiner Sektionsleitung bewilligte das BAFU im Dezember 2015 den Abschuss von zwei Jungwölfen aus dem Calanda-Rudel, gegen den erklärten Widerstand von Pro Natura, WWF und Schweizer Tierschutz. Unsere Berichterstattung von damals: Jungwölfe werden vom Bundesamt gegen die Umwelt gejagt

Zur proaktiven Rudelregulierung ab Dezember 2023 sagte Schnidrig später, Bundesrat Rösti beende nur, was die Behörde über Jahre vorbereitet habe. In einem Porträt der «NZZ» von 2017 ist er zudem zitiert mit dem Satz, ohne das Töten von Tieren sei der Mensch weit weg von dem, was ihn ausmache. Eine Moderation aus diesem beruflichen und persönlichen Hintergrund ist keine neutrale Position, unabhängig davon, wie professionell sie geführt wird.

Worum es sachlich geht

Die Bogenjagd ist in der Schweiz, Deutschland und Österreich aus Gründen des Tierschutzes verboten. Das ist keine Formalie, sondern eine bewusste Entscheidung. Eine Auswertung von 24 nordamerikanischen Studien zur Bogenjagd auf Weisswedelhirsche kommt auf eine durchschnittliche Verwundungsrate von 54 Prozent, das heisst, mehr als die Hälfte der beschossenen Tiere wird nicht sofort getötet (Report on Bowhunting, Zusammenfassung von 24 US-Studien). Eine kontrollierte Feldstudie am McAlester Army Ammunition Plant in Oklahoma (Ditchkoff et al. 1998, Proceedings of the Southeastern Association of Fish and Wildlife Agencies) besenderte 80 Rehböcke; von 22 mit dem Bogen beschossenen Tieren wurden 11, also die Hälfte, von den Hobby-Jägern nicht geborgen. Ähnliche Raten von 31 bis 58 Prozent bestätigen Studien aus Georgia, Indiana, Michigan, New Jersey und Wisconsin.

Die europäische Bogenjagd-Lobby verweist demgegenüber auf eine dänische Erhebung (European Bowhunting Association, 2005), die für Rehwild nur eine Verwundungsrate von rund 5 Prozent findet. Wichtig zur Einordnung: Es handelt sich dabei nicht um eine wissenschaftliche Studie mit unabhängiger Kontrolle, sondern um eine Datenerhebung auf Basis freiwilliger Selbstmeldungen der Bogenjäger im Rahmen eines «Wildreports». Die US-Zahlen stammen dagegen aus kontrollierten Feldstudien mit besenderten, unabhängig überwachten Tieren, unabhängig davon, ob ein Jäger einen Fehlschuss überhaupt bemerkt oder meldet. Eine unabhängige europäische oder DACH-Studie zur Bogenjagd-Verwundungsrate, die dieses methodische Niveau erreicht, existiert bislang nicht.

Das Schweizer Tierschutzgesetz hält fest, dass niemand einem Tier ungerechtfertigt Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen darf. Erhebliche, länger anhaltende Schmerzen sind unzulässig. Eine Jagdmethode mit einer derart hohen, unabhängig dokumentierten Verwundungsrate lässt sich damit nicht vereinbaren. Daran ändert auch bessere Bogentechnik nichts, denn der Pfeil tötet durch Verbluten, nicht durch Schockwirkung.

Was jetzt zu fordern ist

JagdSchweiz soll das Ergebnis der Bogenjagd-Umfrage von 2025 vollständig offenlegen: Rücklauf, Fragestellungen, Auswertung. Ein Dachverband, der öffentlich für eine neue Jagdmethode wirbt, kann sich nicht auf eine Erhebung stützen, die er der Öffentlichkeit vorenthält.

Und wer in Utzenstorf von «Dialog» spricht, soll erklären, weshalb vier von fünf Podiumsplätzen an das eigene Lager gingen und die Moderation gleich dazu.

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Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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