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Jagdbarometer 2025: Was die Umfrage von JagdSchweiz ausblendet

Nach dem Wirbel um ein Bündner Erlegerbild zitiert der Dachverband der Hobby-Jäger seine eigene Umfrage. Unabhängige Erhebungen zeichnen ein anderes Bild.

Redaktion Wild beim Wild — 30. September 2026
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«Jägerlatein»

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Kaum sorgt das Foto eines Bündner Hobby-Jägers mit einem erschossenen Reh für Hunderte empörte Kommentare, greift Ronja Stöckli vom Dachverband JagdSchweiz zu ihrem bewährten Mittel: der eigenen Umfrage.

Gegenüber Nau.ch verweist JagdSchweiz auf das Jagdbarometer 2025. Demnach halten 73 Prozent der Befragten die Hobby-Jagd zur Regulierung der Wildbestände für nötig, 68 Prozent beurteilen sie als tierschutzgerecht. Den Fall selbst haben wir im Beitrag Bündner Hobby-Jäger posiert mit totem Reh dokumentiert.

Wer diese Zahlen einordnen will, muss wissen, wer sie bestellt, wie gefragt wird und was andere Erhebungen zeigen.

Der Auftraggeber ist der Dachverband selbst

JagdSchweiz lässt alle zwei Jahre eine Bevölkerungsbefragung beim Marktforschungsunternehmen DemoScope durchführen und präsentiert die Ergebnisse als Beweis für die breite Akzeptanz der Hobby-Jagd. Die Befragung, auf die sich die Broschüre des Verbands stützt, umfasste rund 1’005 Personen. Die Fragen zielen auf allgemeine Zustimmung. Wer würde spontan widersprechen, wenn gefragt wird, ob sich Hobby-Jäger für die Umwelt einsetzen, ohne je eine Gegenperspektive gehört zu haben? Die Einzelheiten dazu stehen im Faktencheck zur JagdSchweiz-Broschüre.

Wie selektiv der Verband mit Umfragen umgeht, zeigt die Bogenjagd. Das Jagdbarometer erscheint mit Grafiken und Medienmitteilung. Die Umfrage zur Bogenjagd von 2025 verschwand dagegen nach dem Einsendeschluss aus der öffentlichen Kommunikation. Rücklauf und Auswertung sind bis heute nicht bekannt (Bogenjagd-Podium in Utzenstorf).

Dasselbe Institut, ein anderes Ergebnis

Wie stark das Ergebnis vom Auftraggeber abhängt, zeigt DemoScope selbst. Im September 2017 befragte dasselbe Institut im Auftrag des Schweizer Tierschutzes STS 1’015 Personen. 64 Prozent sprachen sich für ein Verbot der Baujagd aus, nur 21 Prozent wollten sie beibehalten. 43 Prozent wollten die Treibjagd verbieten, weitere 32 Prozent sie zahlenmässig beschränken. Die Ablehnung war bei Frauen und bei den 15- bis 34-Jährigen stärker, einen Röstigraben gab es nicht (Verbot der sinnlosen Fuchsjagd ist überfällig).

Ein Jahr später liess JagdSchweiz beim selben Institut eine eigene Umfrage durchführen und verkündete, die grosse Mehrheit halte die Hobby-Jagd für nachhaltig und tierschutzgerecht. 82 Prozent sollten ihnen Tierschutzgerechtigkeit attestieren, 90 Prozent den Hobby-Jägern Liebe zur Natur und einen verantwortungsvollen Umgang mit der Waffe. Zwei Umfragen, ein Institut, zwei entgegengesetzte Bilder, je nachdem, wer bezahlt (Jagd in der Schweiz: Bevölkerung ist über Hobby-Jagd schlecht informiert).

Der Unterschied liegt in der Fragestellung. Solange nach der Hobby-Jagd im Allgemeinen gefragt wird, überwiegt die Zustimmung. Sobald konkrete Praktiken zur Sprache kommen, kippt sie.

WaMos 2: Die Umfrage, die der Verband nicht zitiert

Eine Erhebung, die nicht von einer Interessengruppe bestellt wurde, ist das Waldmonitoring soziokulturell WaMos 2, eine repräsentative Befragung der Schweizer Bevölkerung zu ihrem Verhältnis zum Wald. Sie zeigt: 79 Prozent stehen der Hobby-Jagd mit Vorbehalten gegenüber oder lehnen sie ab, 19 Prozent sind grundsätzlich dagegen oder fordern ihre Abschaffung (Einstieg in die Jagdkritik). In den Medienmitteilungen von JagdSchweiz kommt diese Zahl nicht vor.

Noch deutlicher ist das Bild dort, wo die Bevölkerung die Hobby-Jagd aus eigener Erfahrung kennt und abgeschafft hat. Im Kanton Genf sprachen sich 2004 in einer repräsentativen Umfrage des Instituts ERASM 90 Prozent gegen eine Wiedereinführung der Hobby-Jagd aus. 2009 lehnte der Grosse Rat eine entsprechende Motion mit 70 zu 7 Stimmen ab (Genfer Jagdverbot).

Wie Zustimmung hergestellt wird

Das Muster ist nicht auf die Schweiz beschränkt. Jagd Österreich warb im Februar 2026 mit «85 Prozent sagen Ja». Die Kernfrage lautete sinngemäss, ob man anderen die Jagd zugestehe, wenn sie gesetzeskonform erfolge. Das misst Toleranz gegenüber einer legalen Tätigkeit, nicht Zustimmung. Eine zweite Aussage war an die Bedingung geknüpft, dass die Hobby-Jagd verantwortungsvoll und ethisch ausgeübt wird. Wer zustimmt, beurteilt ein Ideal, nicht die Praxis (Jagdlobby nutzt Meinungsforschung als PR-Waffe).

Ähnlich funktionieren die Zahlen aus dem Jagdbarometer. Die Frage, ob es die Hobby-Jagd zur Regulierung braucht, setzt die Regulierungsthese bereits voraus. Und die Frage, ob die Hobby-Jagd tierschutzgerecht sei, misst nur den Eindruck der Befragten, nicht, was bei der Hobby-Jagd tatsächlich geschieht. Die Praxis ist dokumentiert: Laut dem Schweizer Tierschutz STS liegt die Erfolgsquote der Nachsuche auf angeschossene Wildtiere je nach Kanton bei 35 bis 65 Prozent. Ein erheblicher Teil der verletzten Tiere wird demnach nie gefunden.

Was das Jagdbarometer trotzdem verrät

Selbst die Umfragen des Dachverbands enthalten Zahlen, die JagdSchweiz nicht in den Vordergrund rückt. 2018 attestierten in der Verbandsumfrage noch 82 Prozent der Hobby-Jagd Tierschutzgerechtigkeit, im Jagdbarometer 2025 sind es 68 Prozent. Sofern die Fragen vergleichbar gestellt wurden, ist das ein Rückgang um 14 Prozentpunkte in sieben Jahren, gemessen mit dem eigenen Instrument.

Dazu kommt: 20 Prozent der Befragten stimmen 2025 der Aussage zu, Hobby-Jäger jagten nur aus Lust am Töten und wegen der Trophäe. Jede fünfte befragte Person unterstellt der Hobby-Jagd also genau das Motiv, das das Bündner Erlegerbild mit erhobenem Daumen sichtbar macht.

Kommentar: Eine Umfrage ersetzt kein Argument

Rund 0,3 Prozent der Schweizer Bevölkerung sind Hobby-Jäger. Dass ihr Dachverband nach jedem Skandal die eigene Umfrage hervorholt, ist verständlich. Ein Argument ist es nicht. Ob eine Mehrheit etwas duldet, sagt nichts darüber, ob es richtig ist, und schon gar nichts über das Leid der nichtmenschlichen Tiere, die bei der Hobby-Jagd angeschossen und nie gefunden werden.

Wer ernsthaft wissen will, wie die Bevölkerung zur Hobby-Jagd steht, braucht unabhängige Forschung: transparente Methodik, nachvollziehbare Stichproben und konkrete Fragen zu realen Jagdpraktiken, keine Fragen, die eine angebliche Regulierungspflicht oder ein ethisches Idealbild schon voraussetzen. Und keine Hobby-Jäger-Verbände als Auftraggeber. Solange JagdSchweiz das Jagdbarometer selbst bestellt, selbst auswertet und selbst kommuniziert, ist es keine unabhängige Meinungsforschung. Es ist Öffentlichkeitsarbeit.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unseren Dossiers zur Kritik an der Hobby-Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte. Was die Forschung dazu sagt, zeigt Jagd im Faktencheck: die Studienlage.

Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.

Alle Beiträge werden von der IG Wild beim Wild sowie von externen Co-Autorinnen und Co-Autoren verfasst. Recherche, Strukturierung und redaktionelle Prozesse können dabei durch KI-gestützte Werkzeuge unterstützt werden.

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