11. August 2026, 04:59

Suchen

Wildtiere

Viele Störche bleiben heute auch über den Winter

Vor 75 Jahren galt der Weissstorch in der Schweiz als ausgestorben. Heute ist er wieder etabliert – und besticht nicht nur durch seine Rückkehr, sondern auch durch sein verändertes Zugverhalten: Immer mehr dieser Vögel verbleiben im Winter in der Schweiz, statt wie früher weit südlich zu überwintern.

Redaktion Wild beim Wild — 6. September 2025

Vor zwei Jahrzehnten wurden etwa 200 Storchenpaare gezählt.

Im Jahr 2025 stieg diese Zahl auf beeindruckende 1’250 Brutpaare. Erkennbar ist damit ein Trend hin zu kürzeren Zugstrecken oder ganzem Verbleib im Brutgebiet.

Mittlerweile zieht nur noch die Hälfte der in der Schweiz brütenden Weissstörche überhaupt in den Süden. Die meisten bleiben auf nahegelegenen Abfalldeponien in Spanien oder Portugal – Orte, an denen sie ausreichend Nahrung finden. Nur wenige Vögel fliegen weiter bis nach Afrika.

Petition

Keine Luchsabschüsse im Wallis

Der Luchs ist genetisch am Limit, trotzdem soll er als erster Kanton der Schweiz zum Abschuss freigegeben werden.

Jetzt unterschreiben →

Der Winter in der Schweiz – kein Hindernis

Auch bei Schnee finden die Störche genug Nahrung wie Mäuse, Frösche, Würmer oder Insekten – je nachdem, was verfügbar ist. Sind keine Jungen zu versorgen, ist der Energiebedarf gering. Die Vögel ruhen häufig und fliegen wenig, wodurch der Nahrungsaufwand minimiert wird.

In manchen Gemeinden wie Avenches (VD) oder Uznach (SG) gehören Weissstörche längst zum winterlichen Bild. In Avenches ist die Entwicklung besonders frappant: Im Vorjahr brüteten dort 54 Paare, in diesem Jahr sind es bereits 94. Bereits 2023 überwinterten in der Schweiz rund 650 Störche – etwa ein Drittel der Gesamtpopulation. Besonders in der Region Basel war der Anteil hoch.

Der Weissstorch ist heute ein Symbol für Anpassung und Wandel: Ein geografischer Rückzugsraum – einst seine Brutlandschaft – wird mehr und mehr auch sein Winterquartier. Die rasante Populationserholung und der veränderte Zugrhythmus sind Ausdruck des Zusammenspiels zwischen Naturschutzprogrammen, Klimaveränderungen und dem städtischen wie ländlichen Nahrungsangebot. So schreibt der Storch ein neues Kapitel in seiner Geschichte – und unsere Winter mit.

Der Wandel im Zugverhalten der Weissstörche ist kein Alleinstellungsmerkmal – auch andere heimische Vogelarten bleiben im Winter zunehmend in Mitteleuropa. Moderne Studien führen diese verschobenen Muster auf milder werdende Winter infolge des Klimawandels zurück.

Amsel und Star – vom Zugvogel zum Standvogel

Noch vor wenigen Jahrzehnten zogen Amseln und Stare in grosser Zahl in den Mittelmeerraum. Heute überwintern viele von ihnen direkt in der Schweiz oder in Süddeutschland. Auch hier gilt: Die Winter sind milder geworden, Schneedecken kürzer, Nahrung länger verfügbar. Dadurch lohnt sich die lange Reise nach Süden schlicht nicht mehr.

Rotmilan – ein Erfolg wie der Storch

Besonders eindrücklich ist der Fall des Rotmilans. Ursprünglich überwinterte er fast ausschliesslich in Spanien. Mittlerweile bleiben tausende dieser Greifvögel auch in der Schweiz – insbesondere im Mittelland. Ihre Bestände haben sich dadurch stark erholt.

Rauchschwalbe und Mauersegler – weiterhin treue Langstreckenzieher

Ganz anders verhalten sich Rauchschwalben oder Mauersegler. Sie leben fast ausschliesslich von Insekten in der Luft und sind auf warmes Klima angewiesen. Deshalb fliegen sie weiterhin bis nach West- oder Südafrika, um den Winter zu überstehen. Für diese Arten bleibt der Vogelzug über weite Strecken überlebenswichtig.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

LASS UNS IN VERBINDUNG BLEIBEN!

Wir möchten dir gerne die neuesten Neuigkeiten und Angebote im Newsletter zukommen lassen.

Unterstütze unsere Arbeit

Mit deiner Spende hilfst du, Tiere zu schützen und ihrer Stimme Gehör zu verschaffen.

Jetzt spenden