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Kopfloser Hirsch bei Luc Besson: Hobby-Jägerverband widerspricht dem Regisseur

Der Regisseur macht Hobby-Jäger für einen kopflosen Hirsch vor seinem Haus verantwortlich, der Verband der Orne widerspricht, und es ist nicht der erste Konflikt um Bessons Rückzugsort für Hirsche.

Redaktion Wild beim Wild — 23. September 2026
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«Wer noch übrig ist»

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Der französische Regisseur Luc Besson hat am Sonntag, 20. September 2026, auf X das Foto eines toten Hirsches ohne Kopf veröffentlicht.

Der Kadaver lag nach seinen Angaben vor seinem Haus im Département Orne in der Normandie. Besson macht Hobby-Jäger dafür verantwortlich. Sinngemäss schreibt er, nun würden die Hirsche vor seinem Haus geköpft und die Körper zum Verrotten liegen gelassen, und fragt, wie man da noch von der «Noblesse» der Hobby-Jagd sprechen könne. Dazu verweist er auf die eben eröffnete Hobby-Jagdsaison.

Was der Hobby-Jägerverband sagt

Gegenüber dem französischen Hobby-Jagdportal «Chasse Passion» weist die Fédération départementale des chasseurs de l’Orne jeden Zusammenhang mit der Saisoneröffnung zurück. Präsident Christophe de Balorre argumentiert, das nichtmenschliche Tier weise keine Schussverletzung auf und sei stark verwest, also deutlich vor dem fraglichen Wochenende gestorben. Als mögliche Ursachen nennt der Verband die Strapazen der Brunft, eine Kollision mit einem Fahrzeug oder einen Zaun, der auf Bessons Foto zu erkennen sei. Zudem sei der Kadaver dem Office français de la biodiversité (OFB) bereits mehr als eine Woche zuvor gemeldet worden. Unabhängig bestätigt ist diese Meldung bisher nicht.

Chasse Passion wirft dem Regisseur vor, seine Anschuldigung ohne jede Prüfung an Zehntausende Follower verbreitet zu haben. Bemerkenswert ist eine Passage im selben Artikel: Weil weder eine Schussverletzung noch eine Abschussmarke zu sehen sei, würde ein Kenner der Hobby-Jagd eher das OFB wegen Wilderei einschalten. Selbst das Hobby-Jagdportal hält also ein Delikt für plausibler als einen Unfall.

Kein Einzelfall: Besson und die Hobby-Jäger der Orne

Chasse Passion stellt Bessons Reaktion als Überreaktion dar. Die Vorgeschichte zeigt, warum der Regisseur misstrauisch ist.

2019 und 2021: Besson duldet auf seinem 160 Hektar grossen Anwesen am Rand des Staatswalds von Saint-Évroult keine Hobby-Jagd. Der Hobby-Jägerverband der Orne verklagte ihn deshalb auf 122’198 Euro: Die Hirsche, die auf seinem Land Ruhe finden, würden bei benachbarten Landwirten Schäden anrichten. Am 26. Dezember 2019 wies das Gericht in Argentan die Klage ab. Es fand weder ungewöhnliche Hirschkonzentrationen auf dem Grundstück noch Belege dafür, dass die Schäden von diesen Tieren stammten. Der Verband zog das Urteil weiter und scheiterte im Oktober 2021 auch vor der Cour d’appel de Caen; er musste Besson die Prozesskosten erstatten. Wir haben damals unter dem Titel «Frankreich: Ökologische Massenmörder verlieren Prozess» berichtet.

Februar 2025: Am 21. Februar 2025 drangen zwei Hobby-Jäger mit einer Hundemeute auf das Anwesen ein. Ein gehetzter Hirsch hatte sich auf die Terrasse von Bessons damals 85-jähriger Mutter geflüchtet. Einer der Männer hielt das Geweih fest, der andere tötete das Tier mit einer Klinge, während die Mutter die Szene filmte. Besson erklärte damals, solche Übergriffe auf sein Eigentum kämen immer wieder vor. Unser Bericht: «Hobby-Jäger töten Hirsch auf dem Grundstück von Star-Regisseur».

Januar 2026: Das Strafgericht Argentan sprach die beiden Männer, 33 und 41 Jahre alt, am 20. Januar 2026 schuldig: unerlaubte Hobby-Jagd auf fremdem, eingefriedetem Grund und Hobby-Jagd mit verbotenen Mitteln. Sie verloren den Jagdschein für ein Jahr, müssen einen Kurs des OFB zu Jagdrecht und Sicherheit besuchen und erhielten Geldbussen von 1’200 und 600 Euro. Zudem müssen sie den Nebenklägern gemeinsam 3’000 Euro Schadenersatz zahlen. Das Gericht hielt fest, der Hirsch sei nicht tödlich verletzt gewesen. Bessons Mutter sagte, sie hätte sich eine deutlich härtere Strafe gewünscht. Im Februar 2026 legte einer der beiden Berufung ein.

September 2026: Nun der kopflose Hirsch vor dem Haus.

Besson steht mit solchen Erfahrungen nicht allein. Bereits im Januar 2025 hatte Tom Arthus-Bertrand, Sohn des Fotografen Yann Arthus-Bertrand, ähnliche Vorfälle auf seinem Land öffentlich gemacht und eine Petition gegen die Hetzjagd mit Hundemeuten lanciert. Wer in Frankreich Wildtieren einen Rückzugsort bietet, muss offenbar damit rechnen, dass die Meute ihn trotzdem betritt.

Die offene Frage: Wer hat den Kopf abgetrennt?

Die Erklärung des Verbands betrifft die Todesursache, nicht den Zustand des Kadavers. Ein Zaun, ein Auto oder ein Brunftkampf trennen keinen Kopf ab. Das hat ein Mensch getan. Im September tragen Rothirsche ihr voll ausgebildetes Geweih. Wer einem toten Hirsch in dieser Zeit den Kopf nimmt, nimmt in aller Regel die Trophäe mit.

Ob ein Hobby-Jäger, ein Wilderer oder ein Trophäensammler am Werk war, lässt sich aus dem Foto nicht ableiten. Bessons Vorwurf ist damit nicht belegt. Die Version des Verbands, der Hirsch sei eines natürlichen Todes gestorben und habe mit der Hobby-Jagd nichts zu tun, erklärt den entscheidenden Befund aber ebenso wenig. Und der Verband, der jetzt vorschnelle Schuldzuweisungen beklagt, stand Besson schon mehrfach gegenüber: 2019 und 2021 als Kläger, 2025 als Dachorganisation der Männer, die auf seiner Terrasse einen Hirsch erstachen.

Einordnung

Der Fall zeigt ein bekanntes Muster: Tote Wildtiere mit Spuren menschlicher Einwirkung werden selten aufgeklärt, und die Deutung liegt am Ende bei den Beteiligten. Der Verband verteidigt seine Mitglieder, bevor die Behörde ermittelt hat. Wie schwer sich Frankreich mit der Verfolgung von Delikten im Umfeld der Hobby-Jagd tut, zeigen auch der Prozess um die nächtliche Wilderei mit dem Geländewagen und das Verfahren gegen Olivier Bouygues wegen mutmasslicher Wildtierverfolgung.

In der Schweiz sieht die Lage kaum besser aus. Wie mild Wilderei hierzulande bestraft wird, zeigt der Fall der Wölfin im Mattertal, der den Schützen 300 Franken kostete. Weitere Fälle sammeln wir in der Rubrik Kriminalität und Jagd.

Ein Rückzugsort wie jener von Besson wäre in der Schweiz zudem kaum möglich. Das Jagdregal liegt bei den Kantonen, und Grundeigentümer können die Hobby-Jagd auf ihrem Land in den meisten Kantonen nicht untersagen. Mehr dazu in unserer Rubrik zum Jagdgesetz. Ob die Hobby-Jagd Wildschäden überhaupt wirksam senkt, wie es der Verband der Orne vor Gericht behauptete, ist umstritten. Die Studienlage fassen wir in «Jagd im Faktencheck» zusammen.

Quellen: Chasse Passion (22.9.2026), France 3 Normandie, France Bleu Orne, Fondation 30 Millions d’Amis, Freiheit für Tiere.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unseren Dossiers zur Kritik an der Hobby-Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte. Die wissenschaftlichen Belege stehen in der Übersicht Studien zu den Auswirkungen der Hobby-Jagd.

Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.

Alle Beiträge werden von der IG Wild beim Wild sowie von externen Co-Autorinnen und Co-Autoren verfasst. Recherche, Strukturierung und redaktionelle Prozesse können dabei durch KI-gestützte Werkzeuge unterstützt werden.

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