Schweizer Luchse in grosser Gefahr
Es ist dringend erforderlich, dass der Luchsbestand in der Schweiz mit frischem Blut aufgefrischt wird. Die genetische Diversität ist unzureichend. Deshalb wünscht man sich, Luchse auszusetzen, aber es gibt keine passenden Tiere.
In vergangenen Jahrhunderten wurde der Eurasische Luchs stark verfolgt und vielerorts gar ausgerottet.
In Europa hat er nur in geringen Zahlen in abgelegenen Regionen überlebt, wie in Skandinavien, in den Karpaten und im Balkan. Seit 1962 ist der Luchs in der Schweiz durch das Jagdgesetz geschützt.
Am 23. April 1971 wurde im Kanton Obwalden, im eidgenössischen Banngebiet “Hutstock” im Melchtal, ein paar Luchse freigelassen.
Die Luchse waren Wildfänge aus den slowakischen Karpaten, die über den Zoo Ostrava und den Zoo Basel in die Schweiz gebracht wurden. Die Wiederansiedlung des Luchses beruhte auf einem Bundesratsbeschluss vom 18. August 1967 und, auf Antrag des damaligen Kantonsförsters Leo Lienert, der Zustimmung der Obwaldner Regierung.
Die erste Aussetzung im Melchtal war der Auftakt zu weiteren offiziellen und inoffiziellen Freilassungen im schweizerischen Alpenraum und Jura. In den Nordwestalpen und im Jura etablierten sich in den kommenden Jahrzehnten lokale Luchsvorkommen.
Zwei Drittel der Luchse leben in den Alpen, ein Drittel im Jura. Um die Alpenpopulation zu stärken, wurden zwischen 2001 und 2008 mehrere Individuen aus dem Jura und den Nordwestalpen erfolgreich in die Nordostschweiz übersiedelt. Heute leben nur rund 300 Luchse in der Schweiz die von rund 20 Individuen abstammen. Sowohl die Alpen-Population als auch die Jura-Population in der Schweiz gelten somit als stark gefährdet. Der Genpool der Tierart ist viel zu klein und somit sehr fragil.
Als Beutegreifer von kleinen Paarhufern wie Rehen und Gämsen nimmt der Luchs eine wichtige Rolle in unserem Ökosystem ein. Er sitzt zusammen mit dem Wolf zuoberst in der Nahrungskette und füllt eine ökologische Nische, die von keinem anderen Tier in Westeuropa besetzt wird.
Inmitten einer weltweiten Krise, die zu einem weitverbreiteten Zusammenbruch der Artenvielfalt führt, tragen Wölfe und Luchse nach Ansicht von Naturschützern dazu bei, die Arten, die sie jagen, gesund zu erhalten, indem sie schwache oder kranke Tiere jagen und die Ausbreitung von Krankheiten wie der Borreliose verringern. Sie halten die Populationen von Rehen, Wildschweinen und anderen Huftieren in Schach und in Bewegung, sodass Pflanzen und Sträucher, die sonst gefressen werden könnten, eine Chance zum Wachstum haben. Ihre Anwesenheit wird von Umweltschützern als ein Zeichen der Hoffnung für die Erholung der Natur gefeiert.
Leben zu viele Paarhufer in einem Waldgebiet, hat der Wald kaum Chancen nachzuwachsen. Indem Luchs und Wolf den Bestand der Paarhufer regulieren, fördern sie die natürliche Verjüngung des Waldes. Strukturreiche, mit alten und jungen Bäumen bestückte Wälder bieten diversen Tieren einen Lebensraum. Sie schützen uns zudem vor Naturgefahren und schenken uns einen attraktiven Erholungsraum.
Heute sind in der Schweiz die einzigen zusammenhängenden, bedeutenden Luchsbestände des Alpenraumes zu finden. Die Schweiz trägt deshalb europaweit eine besondere Verantwortung für die Erhaltung und den Schutz dieser Tierart.
Da die genetische Vielfalt der Art abnimmt, ist der Bestand an Luchsen in der Schweiz auf lange Sicht nicht sicher. Es ist erforderlich, dass die Populationen der Luchse miteinander verbunden werden, um einen Austausch im Genpool zu ermöglichen.
Um das genetische Fundament zu stärken, könnten einige Massnahmen in Betracht gezogen werden:
- Translokation: Das gezielte Einsetzen von Luchsen aus anderen, genetisch diverseren Populationen könnte helfen, die genetische Vielfalt zu erhöhen. Es ist wichtig, dass diese Tiere aus Regionen stammen, die ökologisch kompatibel sind, um den Fortpflanzungserfolg zu sichern.
- Zuchtprogramme: Die Einrichtung von Zuchtprogrammen in Gefangenschaft kann dazu beitragen, geeignete Tiere für eine spätere Aussetzung zu züchten. Diese Programme könnten gezielt auf genetische Diversität achten.
- Schutz des Lebensraums: Die Erhaltung und der Schutz des natürlichen Lebensraums für die Luchse müssen ebenfalls Priorität haben. Ein intakter Lebensraum unterstützt nicht nur die bestehende Population, sondern bietet auch Platz für neu angesiedelte Tiere.
- Öffentlichkeitsarbeit und Unterstützung: Die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Bedeutung der genetischen Vielfalt und den Schutz des Luchses vor der Jagd kann dazu beitragen, Unterstützung für Erhaltungsmassnahmen zu gewinnen.
- Forschung: Weitere Forschung ist notwendig, um den aktuellen genetischen Zustand der Luchspopulationen zu bewerten und die besten Strategien zur Stärkung der Vielfalt zu entwickeln.
Eine sorgfältige Planung und Ausführung dieser Massnahmen sind entscheidend, um den Luchsbestand in der Schweiz zu stabilisieren und langfristig zu sichern.
Lorenz Hess, Jagdpräsident Kanton Bern
Hier sieht man auch, wie faktenfrei und inkompetent Hobby-Jäger beziehungsweise der Jagdpräsident von Bern politisiert. Schon im Jahr 2020 wollte auch der Flintenfuchtler und Fuchsprügler Lorenz Hess während der parlamentarischen Debatte zum missratenen Jagdgesetz, dass der Luchs neben Biber, Graureiher und Gänsesäger auf die Liste der präventiv regulierbaren Arten kommt. Diese Wildtiere hätten dann, ohne Schäden anzurichten, geschossen werden dürfen.
Wo Wildtiere bejagt und die Familien- sowie Sozialstrukturen zerstört werden, versagt die eigene Populationskontrolle im Biotop.
In dem Durcheinander, in dem sich die Natur nach jahrzehntelanger Hege und Pflege der Schweizer Hobby-Jäger befindet, ist der Anteil der bedrohten Arten laut der UNO in keinem Land der Welt so gross, wie in der Schweiz.
Die Amateur-Jäger schaffen seit Jahrzehnten ein ökologisches Ungleichgewicht in der Kulturlandschaft mit teils dramatischen Folgen (Schutzwald, Krankheiten, landwirtschaftliche Schäden u. v. m.).
Für echte Hege genügt eine Handvoll Wildhüter, wie das Beispiel Genf oder ganze Länder mit einem Jagdverbot zeigen. Die Wildtiere wären keine Schiessbudenfiguren mehr für Menschen mit einer geringen ethischen Hygiene und psychologischen Problemen.
Nach Auffassung der IG Wild beim Wild braucht es für Hobby-Jäger jährliche medizinisch-psychologische Eignungsgutachten nach dem Vorbild der Niederlande sowie eine verbindliche Altersobergrenze. Die grösste Altersgruppe unter den Hobby-Jägern ist heute 65+. In dieser Gruppe nehmen altersbedingte Einschränkungen wie nachlassende Sehfähigkeit, verlangsamte Reaktionszeiten, Konzentrationsschwächen und kognitive Defizite statistisch deutlich zu. Gleichzeitig zeigen Unfallanalysen, dass die Zahl schwerer Jagdunfälle mit Verletzten und Todesopfern ab dem mittleren Lebensalter signifikant ansteigt.
Die regelmässigen Meldungen über Jagdunfälle, tödliche Fehlhandlungen und den Missbrauch von Jagdwaffen verdeutlichen ein strukturelles Problem. Der private Besitz und Einsatz tödlicher Schusswaffen zu Freizeitzwecken entzieht sich weitgehend einer kontinuierlichen Kontrolle. Aus Sicht der IG Wild beim Wild ist dies nicht länger verantwortbar. Eine Praxis, die auf freiwilligem Töten basiert und zugleich erhebliche Risiken für Menschen und Tiere erzeugt, verliert ihre gesellschaftliche Legitimation.
Hobby-Jagd beruht zudem auf Speziesismus. Speziesismus beschreibt die systematische Abwertung nichtmenschlicher Tiere allein aufgrund ihrer Artzugehörigkeit. Er ist mit Rassismus oder Sexismus vergleichbar und weder kulturell noch ethisch zu rechtfertigen. Tradition ersetzt keine moralische Prüfung.
Gerade im Bereich der Hobby-Jagd ist kritische Prüfung unerlässlich. Kaum ein anderes Feld ist derart von beschönigenden Erzählungen, Halbwahrheiten und gezielter Desinformation geprägt. Wo Gewalt normalisiert wird, dienen Narrative oft der Rechtfertigung. Transparenz, überprüfbare Fakten und eine offene gesellschaftliche Debatte sind deshalb unverzichtbar.
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