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Podcast-Episode: Jagd, Naturschutz und Risiko

Wild beim Wild – wo Jagd-PR auf Fakten trifft und meistens Federn lässt.

Redaktion Wild beim Wild — 23. Mai 2026

Drei Behauptungen, drei Prüfungen: Diese Folge nimmt die Naturschutz-PR der Jagdverbände, die Zahlen zur Fuchsjagd im Kanton Luzern und das Versprechen, die Hobby-Jagd schütze die Bevölkerung, unter die Lupe. Das Ergebnis ist jedes Mal dasselbe: Die Argumente halten den Quellen nicht stand.

Naturschutz-PR ohne Wirkungsnachweis

Das italienische Jagdportal Caccia Passione beruft sich auf das Biodiversitätsmanifest der FACE, des europäischen Dachverbands der Jagdverbände, und führt über 550 Naturschutzprojekte als Beleg an. Diese Projekte werden jedoch vom Verband selbst gemeldet und ausgewählt, eine unabhängige Prüfung ihrer ökologischen Wirkung gibt es nicht. In der Schweiz kommt ein strukturelles Problem hinzu: In 16 von 26 Kantonen gilt die Patentjagd, ohne gepachtetes Revier und ohne Pflegepflicht. Das Bild des Hobby-Jägers als Landschaftshüter setzt damit ein Verhältnis voraus, das rechtlich gar nicht besteht. Genf verzichtet seit 1974 auf die Hobby-Jagd und zählt heute zu den artenreichsten Kantonen.

Fuchsjagd in Luzern: 98 Prozent gesunde Tiere

Luzern erfasst als einziger Kanton systematisch Krankheiten bei erlegten Füchsen. Im Jagdjahr 2018/19 wurden 2217 Füchse erschossen, nur 39 davon waren krank, also 1,76 Prozent. Damit fällt das Hauptargument der Seuchenbekämpfung weg. Der Bericht der kantonalen Kommission zitiert keine einzige wildbiologische Studie, obwohl Untersuchungen aus mehreren Ländern seit Jahrzehnten zeigen, dass Jagddruck die Fuchsdichte nicht senkt. Wildtierbiologin Sandra Gloor und der frühere Bündner Verbandspräsident Robert Brunold kommen zum selben Schluss, und selbst der Zürcher Hobby-Jäger Franz Balmer räumte im «Tages-Anzeiger» ein, die Fuchsjagd schade dem Ansehen der Jagd mehr, als sie nütze. Vor «erheblichen Mehrkosten» eines Verzichts warnt der Bericht, ohne eine Zahl zu nennen. Das Genfer Modell kostet rund eine Million Franken pro Jahr.

Das Schutzversprechen kehrt sich um

Eine Studie des niederländischen Biologen Tim Hofmeester zeigt: Wo viele Beutegreifer leben, tragen deutlich weniger Zecken den Borreliose-Erreger. Weniger Füchse bedeuten mehr Mäuse, mehr Zecken und mehr Borreliose, an der in der Schweiz jährlich schätzungsweise 6000 bis 12’000 Menschen erkranken. Auch beim Fuchsbandwurm wirkt die Jagd kontraproduktiv: In einer vierjährigen Studie rund um Nancy schrumpfte der Bestand trotz 776 erlegten Füchsen nicht, die Befallsrate stieg sogar von 40 auf 55 Prozent, weil junge Füchse in die leer geschossenen Reviere nachrücken. Dazu kommt das Blei: Das Bundesinstitut für Risikobewertung zählt Wildbret zu den am stärksten bleibelasteten Lebensmitteln. Wirksame Alternativen gibt es längst. Die Tollwut wurde mit Impfködern besiegt, Entwurmungsköder senkten die Bandwurm-Befallsrate von 13,3 auf 2,2 Prozent.

Weitere Hintergründe in den Kategorien Jagd und Umwelt & Naturschutz.

Alle Beiträge werden von der IG Wild beim Wild sowie von externen Co-Autorinnen und Co-Autoren verfasst. Recherche, Strukturierung und redaktionelle Prozesse können dabei durch KI-gestützte Werkzeuge unterstützt werden.

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