Wildtierkriminalität: Nordburgenland ist Hotspot für illegale Greifvogelverfolgung
WWF und BirdLife dokumentieren 500 Fälle in Österreich, 57 davon allein im Burgenland, und fordern externe Jagdaufsicht
Im Nordburgenland ist die Dichte an Beutegreifern eine der höchsten Österreichs.
In den Leithaniederungen und am Hansag leben besonders viele Greifvögel, und genau dort häufen sich auch die dokumentierten Fälle von Wildtierkriminalität. Das geht aus dem kürzlich präsentierten Wildtier-Kriminalitätsbericht der Tierschutzorganisationen WWF und BirdLife Österreich hervor.
Zwischen 2017 und 2025 wurden österreichweit 500 Wildtiere illegal getötet oder verletzt, viele davon stehen unter Artenschutz. Allein im Burgenland sind 57 Fälle dokumentiert. Alexandra Dürr von BirdLife Austria erklärt den regionalen Schwerpunkt: Im Nordburgenland treffe eine sehr hohe Greifvogeldichte auf eine intensive Hobby-Jagd auf Niederwild wie Hasen, die als natürliche Beute der Beutegreifer gelten. Aus diesem Interessenkonflikt heraus entstünden immer wieder Situationen, in denen geschützte Tiere gezielt verfolgt, vergiftet oder in Fallen getötet würden.
Das Landeskriminalamt Burgenland reagiert mit präventiven Streifengängen im Bezirk Neusiedl am See. Laut Martin Ivancsics von der Abteilung Umweltkriminalität werden dabei Jagdgebiete kontrolliert und mit Hilfe von NGO-Ressourcen, etwa Aas- und Giftspürhunden, gezielt nach ausgelegten Fallen und Giftködern gesucht. Die Zusammenarbeit mit den Naturschutzorganisationen ermögliche es, systematisch verdächtige Reviere zu überwachen.
Strafen werden trotzdem kaum ausgesprochen. Darauf weisen WWF und BirdLife ausdrücklich hin, und sie fordern deshalb eine externe Jagdaufsicht. Die interne Kontrolle funktioniere offensichtlich nicht, sagt Dürr, da immer wieder dieselben Reviere auffällig würden. Zudem seien die gesetzlichen Bestimmungen zu Wildtierfallen zu ungenau formuliert. Die NGOs verlangen daher eine klare Anpassung der Gesetzgebung.
Der burgenländische Landesjagdkoordinator Hans Peter Weiss betont, dass es bei Wildtierkriminalität «null Toleranz» gebe und die Hobby-Jagd bereit sei, Präventionsinitiativen zu unterstützen. Viele Jägerinnen und Jäger engagierten sich für den Schutz geschützter Wildtierarten in ihren Revieren.
Aus Sicht des Artenschutzes bleibt die Lage gleichwohl besorgniserregend: Beutegreifer, die gesetzlich geschützt sind, werden weiterhin systematisch verfolgt, und die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen als die dokumentierten Zahlen. BirdLife spricht von einer «sehr hohen Dunkelziffer».
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