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Kriminalität & Jagd

Warum die Hobby-Jagd die Bevölkerung nicht schützt, sondern gefährdet

Seit Generationen verkauft uns die Hobby-Jagd ein Versprechen: Sie reguliere die Natur, halte die Bestände gesund und schütze so die Bevölkerung vor Krankheiten.

Redaktion Wild beim Wild — 21. Mai 2026

Das klingt verantwortungsvoll.

Doch die moderne Wissenschaft zeichnet ein anderes Bild. An gleich mehreren Stellen kehrt sich dieses Schutzargument ins Gegenteil. Wer die Bevölkerung wirklich schützen will, muss die Beutegreifer bewahren, statt sie zu erlegen.

1. Zecken: Wer Füchse tötet, züchtet das Borreliose-Risiko

Füchse fressen jährlich Tausende Mäuse, und genau diese Nager sind die wichtigsten Wirte für Zecken. Eine Untersuchung des niederländischen Biologen Tim Hofmeester zeigte: Wo viele Beutegreifer leben, tragen deutlich weniger Zecken den Borreliose-Erreger, weil sich Mäuse häufiger verstecken und seltener von Zeckenlarven befallen werden. Wo der Fuchs verschwindet, steigt also nicht nur die Mäusezahl, sondern auch das Infektionsrisiko für den Menschen. Zur Erinnerung: In der Schweiz erkranken laut Bundesamt für Gesundheit jährlich schätzungsweise 6’000 bis 12’000 Menschen an Borreliose. Mehr dazu im Beitrag «Füchse als Verbündete im Kampf gegen die Borreliose».

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2. Fuchsbandwurm: Die Bejagung verbreitet, was sie angeblich bekämpft

Das stärkste Beispiel liefert eine vierjährige Studie rund um die französische Stadt Nancy. Trotz eines um 35 Prozent erhöhten Jagddrucks und 776 erlegter Füchse schrumpfte der Bestand nicht, und die Fuchsbandwurm-Prävalenz stieg von 40 auf 55 Prozent, während sie im Kontrollgebiet stabil blieb. Der Grund: In leer geschossene Reviere wandern junge Füchse nach, die besonders viele Bandwurmeier ausscheiden. Die Hobby-Jagd verschärft also genau die Gefahr, die sie zu bannen vorgibt. Details im «Faktencheck zum Fuchsbandwurm».

3. Blei im Wildbret: Die Jagd vergiftet die Nahrungskette

Während die Hobby-Jagd vor Parasiten warnt, bringt sie selbst ein hochgiftiges Schwermetall in unser Essen. Bleihaltige Geschosse zerlegen sich beim Aufprall, feinste Splitter dringen tief ins Fleisch ein und sind dort kaum erkennbar. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung zählt Wildschwein, Reh und Hirsch zu den am höchsten mit Blei belasteten Lebensmitteln. Für Blei gibt es keine unbedenkliche Dosis. Entsprechend deutlich die Empfehlung der Behörden: Kinder, Schwangere und Frauen im gebärfähigen Alter sollten kein mit Bleimunition erlegtes Wild essen. Besonders betroffen sind ausgerechnet Vielverzehrer, also Hobby-Jäger und ihre Familien.

4. Der Regulierungsmythos: Töten senkt die Bestände nicht

Das vermeintliche Kernargument der Hobby-Jagd ist biologisch widerlegt. Stark bejagte Fuchsbestände gleichen Verluste durch höhere Geburtenraten und Zuwanderung aus. Eine französische Langzeitstudie zeigt, dass intensive Bejagung die Population eher ansteigen lässt und die Infektionsgefahr um rund 15 Prozent erhöht. Wer schiesst, erntet auf Dauer mehr Füchse, nicht weniger. Die «Regulierung» ist damit ein sich selbst nährender Kreislauf.

5. Es geht auch unblutig, und zwar wirksamer

Dass Gesundheitsschutz ohne Gewehr funktioniert, ist längst belegt. Die terrestrische Tollwut wurde mit Impfködern besiegt, die Schweiz gilt seit Jahrzehnten als frei davon. Gegen den Fuchsbandwurm wirken Entwurmungsköder: In behandelten Gebieten sank die Prävalenz im Frühjahr von 13,3 auf 2,2 Prozent. Und die wirksamste Mäuse- und Zeckenkontrolle leistet der Fuchs selbst, gratis und rund um die Uhr.

Fazit

Das Schutzversprechen der Hobby-Jagd zerbricht an jedem einzelnen Glied. Sie senkt die Bestände nicht, sie erhöht den Bandwurmbefall, sie fördert Zecken und Borreliose, und sie trägt Blei in unsere Nahrung. Bevölkerungsschutz sieht anders aus. Er heisst: Beutegreifer schützen, auf bewährte unblutige Methoden setzen und die Hobby-Jagd dort beenden, wo sie mehr schadet als nützt. Mehr zu unseren Forderungen im Dossier zur Jagdkritik und zum Jagdgesetz.

Quellen

  • Comte, S., Umhang, G., Raton, V., Raoul, F., Giraudoux, P., Combes, B., Boué, F. (2017): Echinococcus multilocularis management by fox culling: an inappropriate paradigm. Preventive Veterinary Medicine 147, 178 bis 185. Studie ansehen
  • Hofmeester, T. R., Jansen, P. A., Wijnen, H. J., Coipan, E. C., Fonville, M., Prins, H. H. T., Sprong, H., van Wieren, S. E. (2017): Cascading effects of predator activity on tick-borne disease risk. Proceedings of the Royal Society B 284: 20170453. Studie ansehen
  • Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Bleibelastung von Wildbret durch Verwendung von Bleimunition bei der Jagd. Stellungnahme ansehen
Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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