Fuchsbandwurm: Mythen und Fakten im Faktencheck
Hobby-Jäger töten jedes Jahr unzählige Füchse. Jagdverbände schüren ungerechtfertigt Ängste vor dem Fuchs als Parasitenüberträger, um die Fuchsjagd rechtfertigen zu können. Wissenschaftliche Studien haben jedoch bewiesen, dass die Jagd auf die Tiere den Fuchsbandwurm weiterverbreitet und die Infektionsgefahr erhöht, statt den Parasiten einzudämmen – ähnlich wie bei der mittlerweile durch tierfreundliche Impfköder besiegten terrestrischen Tollwut.
Weniger Füchse, weniger Fuchsbandwurm, also auch weniger Infektionsrisiko für den Menschen.
Auf den ersten Blick eine plausible Schlussfolgerung, aber bei einer genauen Analyse eben doch nur Jägerlatein, wie mehrere internationale Studien belegen.
In Europa liegt der Verbreitungsschwerpunkt des Fuchsbandwurms dank der Hobby-Jäger und dem sinnfreien Nachstellen des Fuchses vor allem in der Schweiz (Schwerpunkt Region Thurgau und Ostschweiz) und Litauen.
Für die in der Fachzeitschrift «The Lancet Infectious Diseases» publizierte Übersichtsstudie ermittelte ein internationales Forschungsteam nun erstmals die europaweiten Fallzahlen dieser Krankheit, wie die an der Studie beteiligte medizinische Universität Wien am 21.7.2025 mitteilte. Die durchschnittliche jährliche Inzidenz von 1997 bis 2023 lag in ganz Europa bei 0,063 Fällen pro 100’000 Einwohner. Basierend auf den in dieser Studie ermittelten Inzidenzraten und Trends wurden der Alpenraum und das Baltikum als Hotspots identifiziert. So entfielen allein auf Österreich, Frankreich, Deutschland und die Schweiz 2’864 (68,08 Prozent) der Fälle.
Laut der Studie sind die Fallzahlen in den letzten Jahren klar gestiegen – in der Schweiz erhöhten sie sich angeblich von einer Handvoll jährlicher Diagnosen in den 1990ern. Eine Meldepflicht für Fuchsbandwurm-Infektionen bei Menschen gibt es in der Schweiz jedoch nicht. Woher haben die Autoren also ihre Daten?
Der Zoo Basel hat eine Historie mit Gorillas, die am Fuchsbandwurm erkrankt und gestorben sind. Deshalb behandelt er seit 2016 sämtliches Futter, das potenziell von Fuchsbandwurmeiern befallen sein könnte, mit Wärme.
Hobby-Jäger beeinflussen die Gesundheit des gesamten Fuchsbestandes auf eine negative Art, weil die Krankheit nicht ihren normalen Weg gehen kann und sich so resistente Populationen bilden könnten. Die Hobby-Jäger trugen bereits bei der Tollwutbekämpfung massgeblich zu einer raschen Ausbreitung der Tollwut bei, da die Fuchsrüden weiter wandern mussten, um eine Partnerin zu finden. Die Krankheit wurde so erst recht zur Epidemie und wurde erst Anfang der 80er Jahre – nicht über die gnadenlose Jagd auf den Fuchs, sondern durch eine Impfaktion über Hühnerköpfe – ausgerottet.
Noch immer wird der Fuchsbandwurm als Argument benutzt, um die Jagd auf Füchse zu rechtfertigen. Dabei ist die durch ihn ausgelöste Erkrankung – die alveoläre Echinokokkose – eine der seltensten Parasitosen Europas. Aufgrund des direkten Kontakts zu Füchsen zählen vor allem Hobby-Jäger und bei der Jagd eingesetzte Hunde, aber auch Tierpräparatorinnen und Tierpräparatoren zur Risikogruppe. Es gibt weitaus mehr Zoonosen bei Heimtieren und Nutztieren.
Abschüsse von Füchsen können sogar den Effekt haben, dass der frei gewordene Lebensraum neu von Füchsen mit einem viel grösseren Anteil an Trägern des Fuchsbandwurms bewohnt wird.
Menschen ohne Jagdschein haben kaum etwas zu befürchten
Die Angst vor einer Ansteckung durch den Fuchsbandwurm ist praktisch unbegründet. Laut der Uniklinik Ulm ist die alveoläre Echinokokkose mit bundesweit 40 bis 70 Neuerkrankungen pro Jahr sehr selten. Es gibt zudem keine Anhaltspunkte, dass der Parasit durch den Verzehr von wild wachsenden Beeren oder Pilzen übertragen wird, so Peter Höffken von Peta. Die Jagdausübung, bei der in Deutschland jährlich fast eine halbe Million Füchse getötet und teils gehäutet werden, ist dagegen ein grosser Risikofaktor für eine Ansteckung mit der Zoonose.
Das Infektionsrisiko ist für normale Waldbesucher minimal. Entgegen der vielen Gerüchte ist kaum von einem Fuchsbandwurm-Patienten bekannt, dass er oder sie sich durch Waldbeeren angesteckt hätte. Beeren, die hoch am Strauch hängen, scheiden als Infektionsweg aus. Es ist schwer vorstellbar, wie etwa Fuchskot an hoch hängende Beeren gelangen soll.
Auch wenn es keine Anhaltspunkte dafür gibt, dass der Verzehr von am Boden wachsendem Obst oder Gemüse eine Fuchsbandwurmerkrankung auslösen kann, empfiehlt es sich grundsätzlich, Früchte aus Wald und Garten vor dem Verzehr gründlich zu waschen und stark verunreinigte Pflanzenteile dabei zu meiden.
Dossiers: Fuchs in der Schweiz: Meistgejagter Beutegreifer ohne Lobby | Fuchsjagd ohne Fakten: Wie JagdSchweiz Probleme erfindet
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