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Hobby-Jagd auf den Fuchs: Pascal Wolfs Vorstoss erreicht das EU-Parlament

Weit über eine Million Füchse sterben jedes Jahr in Europa durch Hobby-Jäger. Das Büro eines Grünen-Abgeordneten will das Thema nun nach Brüssel tragen.

Redaktion Wild beim Wild · 16. Oktober 2026
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Über die Grenze

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Am 5. August 2026 schrieb der Luzerner Jurist Pascal Wolf an acht Mitglieder des Europäischen Parlaments. Sein Anliegen: Die Hobby-Jagd auf den Fuchs soll in Brüssel und in den nationalen Parlamenten zum Thema werden. Nach gut zwei Monaten liegt eine einzige Antwort vor. Sie kommt aus dem Büro des österreichischen Grünen-Abgeordneten Thomas Waitz, und sie fällt deutlich aus.

Acht Angeschriebene, eine Antwort

Wolf hatte sich an Abgeordnete verschiedener Fraktionen gewandt, die sich im Parlament mit Tierschutz befassen: Niels Fuglsang (Sozialdemokraten, Dänemark), Anja Hazekamp (Linke, Niederlande), Sebastian Everding (Linke, Deutschland), Marie Toussaint (Grüne, Frankreich), Martin Hojsík (Renew, Slowakei), Jutta Paulus (Grüne, Deutschland), Thomas Waitz (Grüne, Österreich) und Assita Kanko (EKR, Belgien). Seine Botschaft war dieselbe, die er zuvor in über zwölf Schweizer Kantonen per Petition vorgebracht hatte: Die üblichen Begründungen für die Fuchsjagd, Bestandesregulierung, Seuchenbekämpfung und Artenschutz, halten einer wissenschaftlichen Prüfung nicht stand.

Am 13. Oktober 2026 antwortete Clara Schweighofer, Büroleiterin Wien und Referentin für Tierschutz im Büro von Thomas Waitz. Sieben Abgeordnete haben bis heute nicht reagiert.

Was das Büro Waitz zusagt

Das Schreiben, das Wild beim Wild vorliegt, lässt an Klarheit wenig zu wünschen übrig. Die Massentötung von Füchsen in Europa sei «weder wissenschaftlich gerechtfertigt noch ethisch vertretbar», heisst es darin. Füchse seien «keine Schädlinge, die auszurotten sind», sondern Bestandteil gesunder Ökosysteme. Die Beispiele Genf und Luxemburg zeigten, dass ein Zusammenleben ohne routinemässige Jagd «nicht nur möglich, sondern erfolgreich» sei.

Besonders hebt das Büro die Entwicklung in der Schweiz hervor: Dass der Kanton Zug nach Wolfs Petition ein unabhängiges Fachgutachten in Auftrag gab und die Fuchsjagd seither nicht mehr aktiv fördert, zeige, «dass politischer Wandel möglich ist, wenn Bürgerinnen und Bürger evidenzbasierte Entscheidungen einfordern». Die Grünen/EFA setzten sich für eine Überprüfung der Jagdregelungen ein, damit diese «durch echte ökologische Notwendigkeit statt durch Tradition oder Bequemlichkeit» gerechtfertigt seien. Man werde Koalitionen mit gleichgesinnten Abgeordneten und zivilgesellschaftlichen Organisationen aufbauen, um das Thema auf die europäische Agenda zu heben, und Wolfs Bemühungen in den nationalen Parlamenten unterstützen, «wo ein Grossteil der Regelungskompetenz nach wie vor liegt». (Übersetzung aus dem Englischen durch die Redaktion.)

Der letzte Halbsatz ist wichtig, und das Büro Waitz benennt ihn selbst: Die Jagd ist in der EU weitgehend Sache der Mitgliedstaaten. Der Rotfuchs ist weder in der FFH-Richtlinie geschützt noch Gegenstand einer europäischen Jagdregelung, und der Tierschutz ist keine eigenständige Gesetzgebungskompetenz der Union. Was das Europäische Parlament leisten kann, ist Agenda-Setting: Entschliessungen, Anfragen an die Kommission, Arbeit in der Intergruppe für Tierschutz und Druck auf die nationalen Parteien. Genau darauf zielt Wolf.

Der neue Entwurf: Verbot statt Prüfauftrag

Wolf hat seine Vorlage inzwischen weiterentwickelt. Die bisherigen Petitionen verlangten von den Kantonen eine Prüfung der wissenschaftlichen Notwendigkeit der Fuchsjagd. Der neue Entwurf mit dem Titel «Verbot der allgemeinen Fuchsjagd» fordert das Verbot direkt und beschreibt, wie es umgesetzt werden soll. Sechs Massnahmen bilden den Kern:

  1. Die Schonzeit für den Rotfuchs wird gestützt auf Artikel 5 Absatz 4 des eidgenössischen Jagdgesetzes auf das ganze Jahr ausgedehnt. Das Verbot umfasst Ansitz-, Pass-, Bau- und Fallenjagd.
  2. Einzelne Füchse dürfen nur in klar definierten Ausnahmefällen getötet werden, zur Abwehr einer konkreten und erheblichen Gefahr oder zur Verhinderung erheblicher Schäden, und nur, wenn keine schonendere Massnahme zur Verfügung steht. Jeder Eingriff wird schriftlich bewilligt, von der Wildhut vorgenommen und dokumentiert.
  3. Kranke oder verletzte Füchse dürfen nur getötet werden, wenn Wildhut oder Tierarzt festgestellt haben, dass keine Aussicht auf Genesung besteht. Ein Jagdpatent allein berechtigt nicht zu dieser Feststellung.
  4. Einzelfallmassnahmen dürfen nicht zu Programmen der Bestandesregulierung oder routinemässigen Krankheitsbekämpfung ausgeweitet werden, es sei denn, eine unabhängige Fachstelle bestätigt die Notwendigkeit schriftlich und öffentlich.
  5. Ein transparentes Monitoring von Fuchsbestand, Zoonosen, Wildschäden und Biodiversität mit jährlicher Veröffentlichung und Bericht an das Parlament nach drei Jahren.
  6. Vorrang für nicht tödliche Massnahmen: Impfköder, Entwurmungsköder, Zäune, Lebensraumaufwertung, fuchssicheres Abfallmanagement.

Der Entwurf ist so formuliert, dass er mit minimalen Anpassungen in jedem Kanton eingereicht werden kann. Wolf selbst schreibt dazu, es bringe wenig, einen Vorstoss zu perfektionieren, bevor er überhaupt eingebracht sei; wichtig sei, dass er mit klarer Haltung vorgelegt und gleichzeitig Offenheit für die Modalitäten signalisiert werde. Die IG Wild beim Wild hat den Text redaktionell überarbeitet, an das eidgenössische Jagdrecht angepasst und als Motion in ihre Sammlung der Mustertexte für jagdkritische Vorstösse aufgenommen, mit vollständiger Begründung und 26 Quellen. Politikerinnen und Politiker aller Kantone können ihn dort direkt übernehmen.

Weit über eine Million Füchse pro Jahr

Die Dimension, um die es geht, ist in der Öffentlichkeit kaum bekannt. In der Schweiz werden laut Eidgenössischer Jagdstatistik jedes Jahr zwischen 15’000 und 25’000 Füchse von Hobby-Jägern getötet, Spezialabschüsse nicht eingerechnet. Für Deutschland, Frankreich, Polen und Spanien kommt Wolf aus den jeweiligen nationalen Erhebungen auf zusammen rund 1,3 bis 1,4 Millionen Tiere. Europaweit sind es damit weit über eine Million Füchse pro Jahr, für deren Tötung kein Nutzen belegt ist.

Die Belege dazu sind auf wildbeimwild.com mehrfach dokumentiert und müssen hier nicht wiederholt werden: der Zuger SWILD-Bericht, die Öffnung von Basel-Stadt, das Genfer Modell seit 1974 und Luxemburg, wo die Prävalenz des Fuchsbandwurms seit dem Jagdverbot von 2015 von 39,7 auf 9,8 Prozent gesunken ist. Vier Kantonsregierungen haben bis heute keine der 30 Fragen beantwortet, die ihnen die IG Wild beim Wild zu ihren Ablehnungen gestellt hat.

Einordnung

Dass von acht angeschriebenen Abgeordneten ein einziges Büro antwortet, sagt etwas über die Prioritäten im Europäischen Parlament. Dass diese eine Antwort inhaltlich so weit geht, sagt etwas über die Qualität der Argumente. Wolf ist, wie er selbst festhält, politisch weit von den Grünen entfernt. Gerade deshalb hält er das Thema für mehrheitsfähig über das ganze Spektrum hinweg: Es sei keine Links-rechts-Frage, sondern eine Frage von Evidenz, Verhältnismässigkeit und Anstand gegenüber nichtmenschlichen Tieren.

Die IG Wild beim Wild teilt diese Einschätzung. Ein Vorstoss muss nicht auf Anhieb eine Mehrheit finden, um zu wirken. Er zwingt Behörden, ihre Begründungen offenzulegen, und genau daran sind in der Schweiz bisher alle gescheitert, die an der Hobby-Jagd auf den Fuchs festhalten wollten. Von Glarus bis Solothurn kam keine Regierung über Allgemeinplätze hinaus. Wer in Europa einen Blick auf die Zahlen wirft, wird auf dieselbe Leerstelle stossen.

Wie es weitergeht

Wolf hat dem Büro Waitz den Entwurf, die Quellen und ein Faktenbriefing auf Englisch, Französisch und Deutsch angeboten und gefragt, welche konkreten Schritte geplant sind. Er stellt seine Texte ausdrücklich für Aktionen in allen Ländern zur Verfügung. Begleitend hat er auf X das Konto @Endoffoxhunting eingerichtet. Die IG Wild beim Wild wird die Reaktionen aus Brüssel und die Antworten der übrigen sieben Abgeordneten dokumentieren, sobald sie eintreffen.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: Im Dossier Alternativen zur Hobby-Jagd zeigen wir politische und praktische Alternativen zur Hobby-Jagd. Was die Forschung dazu sagt, zeigt Jagd im Faktencheck: die Studienlage.

Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.

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