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Jagd

Hobby-Jagd gelobt – Wolf ignoriert

Das Amt für Jagd und Blödsinn Graubünden hat am 3. Juli eine Medienmitteilung veröffentlicht, die für Diskussionen sorgt. Darin wird die Jägerschaft für den Rückgang von Hirsch- und Rehbeständen gefeiert – nach über 30 Jahren, in denen die Regulierung des Wildes nur teilweise gelang.

Redaktion Wild beim Wild — 8. September 2025

Das Amt für Jagd und Blödsinn Graubünden feiert sich und die Jägerschaft: Nach Jahrzehnten mit mässigem Erfolg seien die Bestände von Hirsch und Reh endlich rückläufig.

640 Hirsche weniger, auch die Rehe auf dem Rückzug – ein «Verdienst der Jägerinnen und Jäger», heisst es in der Medienmitteilung vom 3. Juli vom Hobby-Jäger Adrian Arquint. Was dabei verschwiegen wird: Ohne den Wolf und den Luchs sähe die Bilanz wohl ganz anders aus.

Auch bei den Rehen sei ein Rückgang zu beobachten. Die Rolle des Wolfs, der in den betroffenen Gebieten nachweislich den Nachwuchs bei Hirschen reduziert und Kälber als Beute nutzt, findet darin hingegen keine Erwähnung.

Seit Jahren ist wissenschaftlich unbestritten, dass nicht nur der Wolf als natürlicher Regulator wirkt. Er reduziert den Hirschnachwuchs, reisst Kälber und zwingt Wildtiere, ihre Bewegungsmuster zu ändern – mit positiven Effekten auf Wald und Biodiversität. Genau das schreibt das Amt selbst in seiner Broschüre Jagdbetriebsvorschriften 2025. Nur: In der offiziellen Medienmitteilung taucht der Wolf nicht auf. Ihn aus der Kommunikation auszublenden, ist nicht nur fachlich fragwürdig, sondern auch rein politisch motiviert, kritisiert Wildtierschutz Schweiz.

Das ist kein Zufall. Der Wolf polarisiert, und anstatt ihn als Teil der Lösung darzustellen, wird er öffentlichkeitswirksam kleingeredet. So wird die Jagd zur alleinigen Heldin einer Geschichte, die in Wirklichkeit viel komplexer ist.

Widerspruch in den eigenen Unterlagen

Besonders brisant: Während in der Broschüre Jagdbetriebsvorschriften 2025 des Amtes die Wirkung von Wolfsrudeln detailliert beschrieben wird, spielt der Wolf in der offiziellen Medienmitteilung keine Rolle. Stattdessen wird die Jagd als alleiniger Garant einer erfolgreichen Bestandsregulierung dargestellt.

Ein Blick auf die Jagdstatistiken zeigt ein anderes Bild: Zwischen 1999 und 2019 nahmen die Hirschbestände trotz regulärer Hoch- und Sonderjagden kontinuierlich zu. Erst mit der Rückkehr des Wolfs und parallel dazu verbesserten Herdenschutzmassnahmen sind rückläufige Zahlen erkennbar.

Gewalt und Lügen gehören zur gleichen Münze. Und das hat in Graubünden System. Jagd ist kein Wildtiermanagement – Völkermord ist ja auch keine humanitäre Hilfe.

Forderung nach Transparenz

Für Wildtierschutz Schweiz ist klar: Eine ehrliche Wald-Wild-Politik darf den Wolf nicht länger verschweigen. «Der Wolf trägt massgebend zur Regulierung der Bestände und zum Schutz der Wälder bei. Wer den Wolf ausblendet, betreibt Augenwischerei», heisst es in einer Stellungnahme.

Die Organisation fordert vom Amt eine faktenbasierte Kommunikation, die die Realität vollständig abbildet – auch wenn diese politisch unbequem ist.

Dass ausgerechnet eine Behörde den Wolf in der Öffentlichkeit kleinredet, obwohl sie intern seine Wirkung anerkennt, ist nicht nur fachlich fragwürdig, sondern untergräbt auch das Vertrauen in staatliche Kommunikation.

Die Hobby-Jagd mag einen Beitrag leisten, aber der entscheidende Akteur für die jüngste Entwicklung ist der Wolf. Ihn zu verschweigen, ist nicht nur unfair, sondern schlicht unseriös. Wer die Öffentlichkeit so einseitig informiert, betreibt Politik, keine Aufklärung.

Laut Bundesrecht, muss kein Kanton in der Schweiz die Jagd vorsehen. Es ist das Recht der Kantone, zu entscheiden, ob die Jagd zugelassen wird oder nicht. Entscheidet sich ein Kanton gegen oder auch nur teilweise gegen die Jagd, kann er dies laut Bundesverfassung frei tun. Der Kanton Genf hat sich längst für diesen vorbildlichen Weg entschieden, so ein Sprecher der IG Wild beim Wild.

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Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

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