Graubünden tötet Wolfswelpen: Skandal auf Kosten der Natur
Die Regierung in Graubünden spricht von steigendem Wolfsdruck, Kritiker verweisen auf sinkende Risszahlen. Die Frage ist, ob präventive Abschüsse rechtlich und ökologisch haltbar sind.
In Graubünden sorgt die Ankündigung der Kantonsregierung, einen grossen Teil der Wolfswelpen präventiv zu töten, für heftige Kritik von Umweltorganisationen und Tierschützern.
Die Debatte berührt zentrale Fragen des Natur- und Tierschutzes – und des Rechts.
Der Rückgang der Wolfsrisse zeigt deutlich, dass Herdenschutz funktioniert – und stellt die Annahme infrage, dass grössere Populationen zwangsläufig zu mehr Schäden führen.
Rechtlicher Rahmen in Graubünden und der Schweiz
- Bundesverfassung: verpflichtet Bund und Kantone zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und zur Förderung der Biodiversität.
- Jagdgesetz: Wölfe sind grundsätzlich geschützt; Ausnahmen sind bei Schäden oder zur Regulierung möglich, solange der Bestand gesichert bleibt.
- Berner Konvention: Der Wolf war bis März 2025 als «streng geschützt» eingestuft, ist nun aber nur noch «geschützt». Das senkt die Hürden für Eingriffe, aber ein völliger Freipass ist es nicht – Verhältnismässigkeit bleibt vorgeschrieben.
Juristisch bedeutet das: Die Bündner Regierung darf Wölfe regulieren, muss aber sicherstellen, dass Eingriffe begründet, verhältnismässig und mit dem Schutz des Gesamtbestands vereinbar sind.
Kritiker verweisen auf die sinkenden Risszahlen und fordern konsequenteren Herdenschutz statt präventiver Abschüsse. Für sie stehen die Glaubwürdigkeit des Rechtsstaats und der internationale Artenschutz auf dem Spiel.
Ob präventive Abschüsse auf der Jagd als notwendiger Schutz oder als Rechtsbruch wahrgenommen werden, wird die Zukunft zeigen. Der Wolf ist nicht in der Liste der jagdbaren Arten aufgeführt. Alle Wildtiere, die nicht zu den jagdbaren Arten gehören, sind geschützt. Hobby-Jäger dürfen den Wolf nicht regulär jagen, weil er nicht jagdbar ist.
Die Antwort der Bündner Regierung auf die Petition mit 17’000 Unterschriften gegen den Einbezug der Hobby-Jäger beim geplanten Massaker von zwei Dritteln der Wolfswelpen ist nicht nur ein Schlag ins Gesicht aller Natur- und Tierschützer, sondern ein offener Angriff auf Recht, Verfassung und internationale Verpflichtungen.
«Aufgrund des anhaltenden Wolfsdrucks und des rasanten Anstiegs der Population bleibt nur wenig Spielraum, bei der Regulierung Zurückhaltung zu üben.»
Ein Blick in die Fakten: Die Risszahlen sinken. Doch die Realität scheint die Bündner Regierung nicht zu interessieren. Stattdessen wird das Märchen vom «rasanten Anstieg» wiederholt – als ob es durch ständige Wiederholung wahrer würde.
Noch deutlicher wird die Willkür hier:
«Ein Vorgehen mit nicht-letalen Massnahmen stellt keine befriedigende Lösung dar … Vielmehr braucht es eine Kombination von Herdenschutz, reaktiver Regulierung sowie proaktiver Regulierung.»
«Proaktive Regulierung» bedeutet nichts anderes als: Abschüsse ohne Grund. Keine Risse, keine Schäden – blosse Vermutung einer möglichen Gefahr reicht aus, um Wolfswelpen im Schutzalter zu töten.
Rechtsbruch im Regierungsauftrag
Damit überschreitet die Bündner Regierung bewusst die roten Linien:
- Die Schweizer Verfassung verpflichtet Bund und Kantone, bedrohte Arten zu schützen. Der Wolf fällt darunter – ohne Wenn und Aber.
- Die Berner Konvention, ein völkerrechtlich verbindlicher Vertrag, verbietet genau das, was hier praktiziert wird: das Töten streng geschützter Arten ohne zwingenden Grund.
Was die Regierung tut, ist nichts weniger als ein institutionalisierter Rechtsbruch – abgesegnet und organisiert von jenen, die eigentlich unsere Rechtsordnung wahren sollten.
Bundesrat Albert Rösti setzte demokratische Regeln ausser Kraft, um die weltweit schäbigste Wolfsjagd durchzudrücken.
- Albert Rösti zog die Jagdverordnung vor – obwohl eine breite Vernehmlassung fehlte.
- Er setzte die Zahl der Wolfsrudel nach unten, ohne wissenschaftliche Grundlage.
- Umweltverbände zogen vor Gericht – und bekamen recht.
Statt demokratische Prozesse zu respektieren, wurde im Schnellverfahren entschieden – zulasten von Recht, Transparenz und Naturschutz, schreibt watson.ch, die den Ablauf recherchiert haben.
Lobbyismus statt Verantwortung
Statt konsequenten Herdenschutz durchzusetzen, wird das Gewehr zur «Lösung» erklärt. Das ist nicht Schutz, sondern Kapitulation. Es ist die Unterwerfung unter die Bauernlobby, die mit dem Märchen vom «bösen Wolf» Politik auf Kosten der Schwächsten macht – und damit die Glaubwürdigkeit des Rechtsstaats verspielt.
Ein politischer Skandal
Die Bündner Regierung opfert Wolfswelpen, um ihre Machtspiele zu bedienen. Sie verrät die Verfassung, missachtet internationale Abkommen und instrumentalisiert die Angst, um rechtliche Grenzen zu verschieben.
Der Wolf ist nicht der Täter, schreibt Wolf Facts auf Facebook.
Dossier: Wolf Schweiz: Fakten, Politik und Grenzen der Jagd
Weiterführende Artikel
- Schweizer Wiesen verlieren massiv an Artenvielfalt
- Wenn Schafe, Rinder und Co. Raum der Wildtiere besetzen
- Schweizer Tierschutz kritisiert geplante Wolfsabschüsse als Gefahr für Rudelstrukturen und Herdenschutz
- In Graubünden tobt die Wolfsinkompetenz
- Val Fex: Wenn das Herdenschutzkonzept löchriger ist als der Zaun
- Abschuss statt Schutz – die Schweiz auf dem Weg zur stillen Wolfs-Ausrottung
- Kommunikationsversagen beim Amt für Jagd und Fischerei Graubünden
- Illegale Wolfsjagd in der Schweiz
- Wolfswelpen in der Schweiz im Kreuzfeuer
- Schweiz verkauft Massaker an Wölfen als Erfolg
- Schlampereien im Büro von Katrin Schneeberger
- Die Beweidung durch Vieh verändert den Boden, die Pflanzen und die Insektenpopulationen
- Die irrsinnige Jagd auf Wölfe in der Schweiz
- Die Wahrheit über die Schafsterblichkeit in der Schweiz: Ursachen und Statistiken
- Wolfsabschüsse in der Schweiz: Besorgnis über Parteipolitiker Albert Rösti
- Stoppen wir die Zerstörungs-Wut der SVP
- Mitmach-Aktion: Ein Appell für eine Veränderung in der Schweiz
- 200 Umweltorganisationen aus 6 Kontinenten fordern die Schweizer Regierung auf: Stoppt den Wolfsabschuss
- Bundesrat wird von Wolfsexperten stark kritisiert
- Die Folgen des kontroversen Wolfsmanagements in der Schweiz
- Wolf: Bundesrat Rösti (SVP) umgeht Recht und Ordnung
- Es Burebüebli mahn i nit
- Arbeiten das BAFU und die Jagdverwaltungen noch seriös?
- Bundesrat Albert Rösti tritt Volkswillen mit den Füssen
- Die Folgen des kontroversen Wolfsmanagements in der Schweiz
- Zu viele Schafe schaden der Biodiversität
- Landwirtschaftliche Nutzung zerstört Alpwiesen
- Risse trotz Herdenschutz, wie ist das möglich?
- Der faule Apfel in der St. Galler Jagdverwaltung
- Pro Natura fordert umfassende Strategie für Schafsömmerung
- Gemäss Agridea-Studie funktioniert Herdenschutz mit Hunden gut
- Dank Herdenschutz reissen Wölfe in der Schweiz weniger Nutztiere
- Bauern sehen Felder als Entsorgungsdeponie
- Biomasse der Wildtiere
- Von Schafhaltern und diffusen Behörden
- Die Doppelmoral der Wolfsgegner
LASS UNS IN VERBINDUNG BLEIBEN!
Wir möchten dir gerne die neuesten Neuigkeiten und Angebote im Newsletter zukommen lassen.
Unterstütze unsere Arbeit
Mit deiner Spende hilfst du, Tiere zu schützen und ihrer Stimme Gehör zu verschaffen.
Jetzt spenden →