Wölfe an der Weggabelung: Ein Aufruf zum Schutz unserer Ökosysteme
EU-Ministerrat schwächt Schutzstatus des Wolfs – Schlag ins Gesicht des Umweltschutzes und der Wissenschaft. Tierschutz Austria startet Petition #TeamWolf.
Am Weltumwelttag, dem 5.6.2025, hat der EU-Ministerrat für Verkehr, Telekommunikation und Energie die Entscheidung vorläufig besiegelt, den Schutzstatus des Wolfs herabzustufen – von „streng geschützt“ auf „geschützt“.
Für Tierschutz Austria ist das ein politischer Tiefschlag für den Artenschutz in Europa. Mit der Petition #TeamWolf ruft die Organisation jetzt zum Widerstand gegen die schleichende Entwertung ökologischer Verantwortung auf.
Entscheidung gegen Natur – und Menschen
Es ist ein politischer Affront, dass ausgerechnet am internationalen Weltumwelttag der Wolfsschutz geschwächt wird – und das von einem Rat, der mit Umweltfragen gar nichts zu tun hat. Für den Artenschutz in Europa ist das ein herber Rückschlag, der auch seitens der Rechts- und Naturwissenschaft scharf kritisiert wird, so Michaela Lehner, Leiterin der Stabstelle Recht bei Tierschutz Austria. Der Entscheidungsprozess zur Herabstufung wird bereits beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) bekämpft.
Beim EU-Konsultationsprozess – REFIT haben sich über 500’000 EU-Bürger für einen strengen Schutz vor der Jagd ausgesprochen. Diese Mehrheit wurde Ende 2023 durch eine Umfrage der EU-Kommission erneut bestätigt. Ebenso unterstützen 3 von 4 Österreichern die Rückkehr des Wolfs, wie das Marktforschungsinstitut TQS gemäss repräsentativer Studie im Auftrag von Tierschutz Austria festgestellt hat.
Wölfe erfüllen wichtige ökologische Funktionen
Wissenschaftliche Studien belegen, dass Wölfe zentrale ökologische Funktionen übernehmen. Als Spitzenprädatoren regulieren sie das Gleichgewicht zwischen Wald und Wildtieren. Diese Rolle ist besonders wichtig in Ländern wie Österreich, in denen veraltete Jagdpraktiken und das Fehlen natürlicher Beutegreifer dazu geführt haben, dass zu hohe Wildbestände zu viele junge Bäume fressen und damit die natürliche Verjüngung der Wälder verhindern.
Während eines Gerichtsverfahrens vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte musste Österreich selbst eingestehen, dass durch die hohe Schalenwilddichte jährliche Waldschäden von ca. 136 Mio. Euro für die Steuerzahler entstehen, so Lehner.
Indem Wölfe Wildtiere wie Rehe und Hirsche jagen, ermöglichen sie eine gesunde Waldentwicklung und fördern die CO₂-Bindung in den Böden – ein wertvoller Beitrag zum Umwelt und Klimaschutz.
Österreichs Wolfspolitik: Abschüsse statt Herdenschutz
Trotz der wichtigen ökologischen Vorteile ist Österreich europaweit Spitzenreiter bei Wolfsabschüssen. „Abschüsse lösen keine Konflikte. Sie schaffen neue Probleme – und ignorieren den Mehrheitswillen der Bevölkerung
“, so Leona Fux, Biologin und Artenschutzexpertin bei Tierschutz Austria. „Es braucht echte Lösungen: Herdenschutz, unabhängiges Monitoring und eine Politik, die Natur nicht dem kurzfristigen Kalkül opfert.
“
Tierschutz Austria nennt die Lösungen:
- Ein Ende der illegalen Abschüsse, um einen günstigen Erhaltungszustand des Wolfs in Österreich zu ermöglichen.
- Eine bundesweite Förderung und den flächendeckenden Ausbau von Herdenschutz.
- Ein unabhängiges, wissenschaftlich fundiertes Wolfs-Monitoring für faktenbasierte Entscheidungen.
Petition für ein faires Miteinander mit dem Wolf
Tierschutz Austria ruft alle Menschen in Österreich auf, sich der Petition #TeamWolf anzuschliessen:
www.tierschutz-austria.at/teamwolf
Der Fall zeigt, wie wichtig es ist, dass die Öffentlichkeit Druck auf die Politik ausübt, um umweltfreundliche Entscheidungen zu fördern. Der Schutz des Wolfs ist nicht nur ein symbolisches Thema, sondern ein wesentlicher Bestandteil der Erhaltung unserer Ökosysteme.
Historische Einordnung
Wölfe sind seit Jahrhunderten ein kontroverses Thema in Europa. Im Mittelalter wurden sie als Bedrohung für Menschen und Vieh angesehen und systematisch gejagt. Erst im 20. Jahrhundert begann man, sie als wichtigen Teil des Ökosystems zu erkennen und Schutzmassnahmen einzuführen. Die Rückkehr des Wolfs in viele europäische Länder in den letzten Jahrzehnten war ein grosser Erfolg für den Artenschutz.
Vergleich mit anderen Ländern
In Deutschland gibt es insbesondere strenge Schutzmassnahmen für Wölfe und umfassende Herdenschutzprogramme. Frankreich hat ebenfalls Massnahmen ergriffen, um die Koexistenz von Mensch und Wolf zu fördern, während in Italien die Populationen stabil sind und als Erfolgsgeschichte des Artenschutzes gelten.
Ausblick in die Zukunft
Die Entscheidung des EU-Ministerrats könnte weitreichende Folgen haben. Sollte der Schutzstatus des Wolfs weiter aufgeweicht werden, könnte dies zu einer Zunahme illegaler Abschüsse und einem Rückgang der Wolfspopulationen führen. Dies würde nicht nur den Artenschutz gefährden, sondern auch die ökologischen Vorteile, die Wölfe bieten, zunichtemachen.
Experten fordern daher eine klare und kohärente Politik, die den Schutz des Wolfs in den Mittelpunkt stellt und gleichzeitig die Interessen der Landwirte berücksichtigt. Nur durch einen offenen Dialog und faktenbasierte Entscheidungen kann ein nachhaltiges Miteinander von Mensch und Wolf erreicht werden.
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