14. September 2026, 04:55

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Jagd

Willy Schraen und die Eröffnung: Der Stolz auf das Töten

Zur Eröffnung der Saison 2026/27 inszeniert Frankreichs oberster Hobby-Jäger Trotz und Traditionsstolz. Dahinter steht eine Weltsicht, die das Töten zum Vergnügen erklärt und die Natur zum Privatbesitz.

Redaktion Wild beim Wild — 14. September 2026
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«Die Lustjagd»

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Zur Eröffnung der französischen Hobby-Jagdsaison 2026/27 hat sich Willy Schraen, Präsident der Fédération Nationale des Chasseurs (FNC), am 13. September 2026 in einer Videobotschaft an die Hobby-Jäger und an die französische Gesellschaft gewandt.

Sein zentraler Appell: «Seid stolz, Hobby-Jäger zu sein.» Und mit Nachdruck: «Wir lassen uns nicht einschüchtern. Wir werden weder auf unsere Territorien noch auf unsere Traditionen noch auf unsere Rechte verzichten.» Es ist die vertraute Kampfansage des obersten französischen Hobby-Jägers an alle, die die Freizeittötung von Wildtieren infrage stellen.

Das Vokabular ist bei Schraen kein Zufall. «Wir antworten auf Karikaturen mit Fakten, auf Provokationen mit unserer Kaltblütigkeit und auf Angriffe mit unserer Einheit», rief er den Anhängern zu. Stolz, Tradition, Rechte, Gelassenheit. Es inszeniert die Hobby-Jagd als bedrohtes Kulturgut, das gegen angebliche Angriffe verteidigt werden müsse. Konkret zielte Schraen dabei auf die Grüne Abgeordnete Sandrine Rousseau, die dazu aufgerufen hatte, sich zur Eröffnung in Wälder und Felder zu begeben. Doch wer Schraens Aussagen der vergangenen Jahre zusammennimmt, erkennt, worauf dieser Stolz tatsächlich fusst: auf der Normalisierung des Tötens als Vergnügen, auf einem Besitzanspruch gegenüber der Natur und auf der Abwertung jeder ökologischen Kritik. Es lohnt sich, hinter die Parolen zu blicken.

«Ich töte gerne Tiere»

Anders als die meisten Funktionäre, die ihr Tun hinter Begriffen wie «Wildtiermanagement», «Dienst an der Natur» oder «Hege» verstecken, hat Schraen den Kern einmal selbst ausgesprochen. Im August 2020, zur Veröffentlichung seines Buchs «Un chasseur en campagne», antwortete er im Sender CNews auf die Frage, ob ihm das Verfolgen und Erlegen Freude bereite: «Die Antwort ist ja. Ich töte gerne Tiere im Rahmen der Jagd.» Töten sei «überhaupt nicht gewalttätig». Man müsse nicht jagen, um sich zu ernähren, räumte er ein, aber es sei «ein grosses Vergnügen».

Diese Offenheit ist entlarvend. Sie benennt genau jenes Motiv, das die kritische Auseinandersetzung mit der Hobby-Jagd seit Langem ins Zentrum rückt: die Lust am Töten. Schraen liefert die Widerlegung seiner eigenen Rechtfertigung gleich mit. Wer einräumt, dass Nahrung kein Grund ist, hat die Ernährungsfrage selbst erledigt. Was bleibt, ist das Vergnügen an Verfolgung, Schuss und Tod eines fühlenden Lebewesens. Wir haben diese Selbstoffenbarung ausführlich eingeordnet: «Ich töte gerne Tiere»: Was die Hobby-Jagd verschweigt.

Bezeichnend ist auch, wie Schraen seine Botschaft zur Sicherheit formuliert. «Nicht zu schiessen ist auch ein Akt der Jagd», mahnte er zur Eröffnung. Der Satz soll umsichtig klingen, offenbart aber die Grundhaltung: Der Schuss ist die Norm, der Verzicht die lobenswerte Ausnahme.

«Die Natur gehört nicht allen»

Zum Selbstbild des Willy Schraen gehört ein auffälliger Besitzanspruch. Wenn Spaziergänger sich unsicher fühlten, weil sie während der Saison auf bewaffnete Hobby-Jäger träfen, empfahl er ihnen kühl, doch «bei sich zu Hause» spazieren zu gehen. Sein Satz «Die Natur gehört nicht allen» brachte ihm eine Welle der Empörung ein, den Spott der Tierschutzorganisation PETA und vom Direktor der französischen Vogelschutzliga den Titel «der Trump am Abzug».

Man höre genau hin: Nicht die Menschen, die sich unbewaffnet im Wald bewegen wollen, haben nach dieser Logik ein Anrecht auf die Natur, sondern jene, die mit dem Gewehr kommen. Wer sich am Anblick eines Hobby-Jägers störe, solle zu Hause bleiben. Spaziergängerinnen, Familien und Velofahrende erscheinen als Störfaktoren, während bewaffnete Hobby-Jäger ihre «Leidenschaft» auf derselben Fläche ausüben sollen. Der öffentliche Konflikt wird kurzerhand umgedreht: Rechtfertigen soll sich nicht, wer tötet, sondern wer sich frei und sicher bewegen will. Genau diese Umkehr wiederholte Schraen zur Eröffnung 2026, als er nicht die bewaffnete Jagd, sondern den Protestaufruf einer Abgeordneten zur «unverantwortlichen Aufforderung zur Konfrontation» erklärte.

Der Feind heisst «Ökologie»

Schraens Rhetorik lebt vom Feindbild. Naturschutz wird bei ihm zur «écologie punitive», zur Strafökologie. Wer Rückzugsräume für Wildtiere nach Extremereignissen fordert, betreibe die «Ideologie von Ökos, die nichts davon verstehen». So wies er die Forderung nach Sperrung von Brandflächen für die Hobby-Jagd als «lächerlich» zurück, obwohl Portugal genau diesen Schritt gegangen ist und die Datenlage ihm widerspricht. Wir haben den Fall dokumentiert: Waldbrände und Hobby-Jagd: Was Portugal regelt und Frankreich nicht.

Zur Eröffnung 2026 verfeinerte Schraen diese Strategie: «Wir stellen der Ideologie die Wissenschaft entgegen», verkündete er und rief die Hobby-Jäger auf, ihre Abschüsse zu dokumentieren, um «objektive Daten» gegen politische Entscheide in der Hand zu haben. Was nach Sachlichkeit klingt, ist ein Deutungsanspruch: Nicht die unabhängige Forschung soll über den Zustand der Wildbestände urteilen, sondern die Zahlen jener, die selbst das Gewehr führen.

Dasselbe Muster zeigt sich beim Blei in der Jagdmunition. Als die EU das Verbot um Jahre verschob, feierte Schraen dies als Sieg der «Realitäten des ländlichen Raums» über eine angeblich abgehobene Kommission. Dass hinter der Verwässerung eine Allianz aus Hobby-Jagdverbänden und Munitionsindustrie stand, blieb in seiner Erzählung unerwähnt. Dabei geht es bei Blei nicht um eine Geschmacksfrage, sondern um ein hochgiftiges Schwermetall, das Greifvögel, Aasfresser und ganze Ökosysteme schädigt. Nachzulesen hier: Blei in der Jagd: Wie Politik, Lobby und Übergangsfristen ein Gift am Leben halten.

Wie sehr diese Verteidigung des Giftigen zur Selbstinszenierung des Verbands gehört, zeigte Schraen auch im Streit um die Leimruten: Als Frankreich einer EU-Vorgabe folgte und die grausame Vogelfangmethode einschränkte, erklärte er sich «vollständig dagegen» und drohte mit Klagen, im Namen von Menschen «mit starken Werten, die Freude daran haben, ein paar Vögel zu fangen».

Der Wolf als Feindbild

Wie weit Schraens Denken reicht, zeigt seine Haltung zum Wolf. Am FNC-Kongress in Deauville im März 2026 stellte er sich hinter jene, die den Beutegreifer nicht mehr dulden wollen. Nach der Wiedergabe des jagdnahen Portals «Chasses Éternelles» trieb er die Argumentation bis zum Äussersten: In gewissen Zonen sei der Wolf mit dem Vorrang der Weidewirtschaft nicht mehr vereinbar, dort müsse man das ganze Rudel eliminieren können. Als Vorbild für Effizienz nannte er ausgerechnet die Schweiz.

Hinter dem Tier steht bei Schraen stets eine Weltanschauung: der Mensch als Herr, der entscheidet, welche Art wo zu existieren hat. Der Wolf ist dabei nur das sichtbare Feindbild. Die Logik dahinter trifft alle Wildtiere, die dem Zugriff der Hobby-Jagd im Weg stehen, vom Fuchs über die Krähe bis zum Wasservogel.

Ein Stolz ohne Fundament

Der Aufruf zur «Kaltblütigkeit» zur Saisoneröffnung ist deshalb mehr als eine Floskel. Kaltblütigkeit ist präzise jene Haltung, die nötig ist, um ein Lebewesen zu verfolgen und zu erlegen, ohne dass die natürliche Hemmung greift, und dies auch noch als Quelle des Stolzes zu begreifen. Empathie gegenüber Tieren ist kein Zeichen von Naivität, sondern eine moralische Fähigkeit. Die wiederholte Gewöhnung an Gewalt kann diese Empathie abstumpfen lassen. Wer sie im Namen von Tradition, Besitz oder «Leidenschaft» verdrängt, macht das Töten gesellschaftlich akzeptabel, obwohl es weder für die Ernährung noch für ein verantwortungsvolles Naturerleben nötig ist. Diese psychologische Dimension der Hobby-Jagd beleuchten wir vertieft in unserem Dossier Psychologie & Jagd.

Genau diese Verschiebung feiert Schraen als Tugend. Sein «Stolz» ist kein Stolz auf Naturschutz oder Verantwortung, sondern der Stolz einer Lobby, die ihre gesellschaftliche Deutungshoheit verteidigt: das Recht, Wildtiere als Freizeitbeschäftigung zu töten, und Kritik daran als Angriff auf Tradition und ländliche Identität abzuwehren. Die ehrlichste Aussage dieses Mannes bleibt jene zum Vergnügen am Töten. Alles Übrige, Tradition, Territorium, Rechte und vermeintliche Gelassenheit, ist politische Kulisse.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: Im Dossier umfassende Kritik an der Hobby-Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

Alle Beiträge werden von der IG Wild beim Wild sowie von externen Co-Autorinnen und Co-Autoren verfasst. Recherche, Strukturierung und redaktionelle Prozesse können dabei durch KI-gestützte Werkzeuge unterstützt werden.

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