«Ich töte gerne Tiere»: Was die Hobby-Jagd verschweigt
Frankreichs oberster Jagd-Funktionär hat öffentlich zugegeben, dass ihm das Töten von Tieren Freude bereitet, und liefert damit das seltene Eingeständnis eines Motivs, das die Hobby-Jagd sonst hinter Begriffen wie Tradition und Notwendigkeit versteckt.
Willy Schraen, Präsident der französischen Jagd-Dachorganisation Fédération Nationale des Chasseurs, sagte in der Sendung «Morandini Live» auf CNews wörtlich, das Töten eines Tieres sei «überhaupt nicht gewalttätig».
Auf die Frage, ob ihm das Verfolgen und Erlegen Freude bereite, antwortete er: «Die Antwort ist ja. Ich töte gerne Tiere im Rahmen der Jagd.»
Bemerkenswert ist nicht die Brutalität der Aussage, sondern ihre Offenheit. Wo Verbände sonst von «Hege», «Naturdienst» oder «Pflege» sprechen, benennt hier ein Spitzenfunktionär den eigentlichen Antrieb: das Vergnügen am Töten. Genau dieser Punkt steht im Zentrum der jagdkritischen Auseinandersetzung, wie sie auch die Psychoanalyse der Hobby-Jagd beschreibt.
Wenn die Notwendigkeit wegfällt, bleibt das Vergnügen
Schraen liefert die Widerlegung seiner eigenen Rechtfertigung gleich mit. Er räumt ein, man müsse nicht jagen, um sich zu ernähren, es sei aber «ein grosses Vergnügen». Damit ist die Ernährungsfrage vom Tisch. Was als Begründung übrig bleibt, ist die Lust.
Diese Selbstauskunft deckt sich mit der Forschung zu den Beweggründen der Hobby-Jägerschaft. Eine 2024 in der Fachzeitschrift «Animals» veröffentlichte Studie zu einer Wildschwein-Jagdgemeinschaft kam zum Ergebnis, dass die Jagd überwiegend als Freizeitaktivität verstanden wird, die Spannung, Naturkontakt und Gruppenzugehörigkeit bietet. Der Tötungsakt wird dabei regelmässig als «Naturdienstleistung» verklärt, obwohl die ökologische Notwendigkeit in vielen Fällen fehlt. Aus Sicht der Gewaltpsychologie sinkt die moralische Hemmschwelle, sobald Töten als Hobby, Ritual oder Statussignal gerahmt wird, wie die Analyse was die Hirnforschung über Gewalt, Empathie und Hobby-Jagd verrät im Detail zeigt.
Warum Kinder zuerst den Apfel wählen
Schraens Satz, es sei «anormal», nicht zur Jagd zu gehen, kehrt die Verhältnisse um. Denn die spontane Reaktion der meisten Menschen, und besonders von Kindern, ist die gegenteilige. Vor einem lebenden Tier zeigen Kinder Neugier und Mitgefühl, nicht den Wunsch zu töten. Erst Gewöhnung, Gruppendruck und das Vorbild von Autoritätspersonen verschieben diese Grundhaltung.
Die Forschung spricht hier von Desensibilisierung, also dem schrittweisen Abbau der natürlichen Hemmschwelle durch wiederholte Konfrontation. Der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes hat in seinem «General Comment 26» (2023) anerkannt, dass das Miterleben von Gewalt an Tieren das Empathievermögen von Kindern beeinträchtigen kann. Wer Kinder früh an das Töten heranführt, normalisiert Gewalt, statt sie zu hinterfragen. Genau diesen Mechanismus beschreibt das Dossier zu Kindern, Jagd und Gewaltsozialisation. Dass die kindliche Perspektive der erwachsenen oft moralisch überlegen ist, illustriert auch der Bericht über eine Treibjagd in der Schweiz.
Was die Aussage wirklich entlarvt
Schraens Offenheit ist unfreiwillig aufschlussreich. Sie zeigt, dass das Töten in der Hobby-Jagd kein bedauerlicher Nebeneffekt eines Naturschutzauftrags ist, sondern der Kern des Vergnügens. Eine grosse Mehrheit der französischen Bevölkerung lehnt die Jagd in Umfragen ab, besonders die Hetzjagd. Der gesunde Menschenverstand sieht im Töten wehrloser Tiere eben keine Normalität, sondern das Gegenteil. Vertiefend dazu das Dossier Jagd und Kinder.
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