7. Mai 2026, 21:42

Geben Sie oben einen Suchbegriff ein und drücken Sie Enter, um die Suche zu starten. Drücken Sie Esc, um den Vorgang abzubrechen.

Jagd

30 Jahre Tessiner Jagdverband: Selbstbeweihräucherung

Der Tessiner Jagdverband FCTI feiert 30 Jahre Bestehen – und Präsident Davide Corti nutzt die Gelegenheit, um den Hobby-Jägern die Rolle der «unverzichtbaren Naturmanager» zuzuschreiben.

Redaktion Wild beim Wild — 11. Oktober 2025

Doch wer beim Interview auf Ticino Libero genau hinhört, erkennt schnell: Hier wird nicht über Natur gesprochen, sondern über Besitz.

Über Kontrolle. Über das ewige Recht, das Gewehr als Werkzeug der Ordnung zu behalten.

Rechtsanwalt Davide Corti lobt das angeblich «gute Verhältnis» zu Departementsdirektor Claudio Zali und dem Amt für Jagd und Fischerei. Alles auf Basis von «gegenseitigem Respekt» und «Vertrauen». Klingt nett. Doch was bedeutet das in der Praxis? Dass die Hobby-Jägerschaft weiterhin ihre eigenen Interessen als Naturschutz verkauft und das Departement dankbar nickt?

Die Phrase vom «gemeinsamen Ziel», der «Bewirtschaftung des Territoriums», ist nur die höfliche Umschreibung dafür, dass Wildtiere im Tessin immer noch als zu regulierende Bestände betrachtet werden. Natur als Verwaltungsakt. Leben als Zählobjekt.

Erfolgsmeldungen aus dem Schussfeld

Corti bezeichnet die Hochjagd 2025 als «positiv». Mehr Hirsche getötet, weniger Waldschäden. Mission erfüllt. So einfach ist die Welt, wenn man sie durch das Zielfernrohr betrachtet. Doch wo bleiben die ökologischen Fakten? Was passiert mit Wald und Wild, wenn menschliche Hobby-Jagd die natürlichen Kreisläufe manipuliert? Wie lange will man noch den Mythos der «Regulierung» aufrechterhalten, während man gleichzeitig Beutegreifer bekämpft, die diese Aufgabe viel effizienter übernehmen könnten?

Dass die Abschüsse bei Gams und Reh leicht zurückgingen, wird gleich wieder relativiert: Die Hobby-Jäger hätten sich halt lieber auf «einfacher zu erlegende» Arten konzentriert. Das nennt sich dann Wildmanagement, in Wahrheit ist es Bequemlichkeitsjagd.

Die Niederjagd: Romantik auf Kosten der Tiere

Corti verteidigt die Niederjagd als «kulturellen Schatz», vor allem wegen der Jagd mit Hunden. «Ein alter kultureller Aspekt», sagt er. Das mag in alten Jagdbildern romantisch aussehen, doch in der Realität bedeutet es: Hetzjagden, Stress, Flucht, Angst, Tierquälerei. Tiere, die in der Paarungs- oder Aufzuchtzeit aufgeschreckt, gehetzt oder verletzt werden. Und das alles im Namen der «Tradition».

Wenn Kultur bedeutet, Leid zu rechtfertigen, nur weil man es immer schon so gemacht hat, dann ist es höchste Zeit, diese Kultur zu überdenken.

Der Wolf: der natürliche Feind der Jagdideologie

Beim Wolf zeigt sich die ganze Doppelmoral. Corti gibt sich moderat, spricht von «gesetzlichen Grenzen» und «Meldungen durch Hobby-Jäger». Doch zwischen den Zeilen ist klar: Der Wolf bleibt der unliebsame Konkurrent.

Denn der Wolf reguliert, was Hobby-Jäger für sich beanspruchen: Wildbestände. Kostenlos, effizient, ökologisch. Und genau das ist das Problem, nicht der Wolf selbst, sondern seine Existenz als Beweis, dass die Natur ohne Hobby-Jäger funktioniert.

Dass einige der jüngst getöteten Wölfe dank Hobby-Jäger-Meldungen gefunden wurden, wird gar noch als Beitrag zum Management verkauft. Das ist, als würde der Brandstifter stolz auf seinen Anruf bei der Feuerwehr hinweisen.

Bauern und Hobby-Jäger: die Allianz gegen die Wildnis

Corti spricht von «Affinitäten» zwischen Hobby-Jägern und Landwirten. Beide «leben von den Früchten des Landes». Schöner kann man die Ausbeutung der Natur kaum beschreiben.

In dieser Logik sind Wildtiere entweder Schädlinge oder Trophäen. Wälder sind Holzlieferanten, Wiesen sind Futterflächen und alles, was dazwischenläuft, wird zur Zahl im Jagdplan. Von echter ökologischer Balance, Biodiversität oder Tierethik keine Spur.

30 Jahre Verband, 30 Jahre Selbstrechtfertigung

Corti präsentiert den Verband als modernen, dialogbereiten Akteur. Sensibilisierungsprojekte, Schulbesuche, Medienarbeit: die PR-Maschine läuft. Doch das Ziel ist klar: das Image der Hobby-Jagd polieren, nicht ihr Wesen verändern.

«Wir wollen zeigen, dass Hobby-Jäger Teil der Lösung sind», sagt Corti. Aber: Eine Lösung für welches Problem? Für die Natur? Oder für das schwindende gesellschaftliche Ansehen der Hobby-Jägerschaft?

Das Interview mit Davide Corti ist ein Paradebeispiel für die rhetorische Selbstentlastung der Jagdverbände. Es wird von Verantwortung gesprochen, während weiter sinnlos getötet wird. Von «Management», während natürliche Regulation systematisch verhindert wird. Von «Kultur», während Tiere gehetzt, gequält, verletzt und geschossen werden.

Die Hobby-Jagd, nicht nur im Tessin und weit darüber hinaus, bleibt ein System der Kontrolle. Ein System, das sich selbst legitimiert, indem es die Natur zum Problem erklärt, das nur der Mensch lösen kann.

Doch die Wahrheit ist einfacher: Die Natur braucht keine Hobby-Jäger. Sie braucht Schutz vor ihnen.

Naturkatastrophe Hobby-Jäger

In dem Durcheinander, in dem sich die Natur nach jahrzehntelanger Hege und Pflege der Hobby-Jäger befindet, ist der Anteil der bedrohten Arten in keinem Land der Welt so gross, wie in der Schweiz. Die Auftragskiller schaffen seit Jahrzehnten ein ökologisches Ungleichgewicht in der Kulturlandschaft mit teils dramatischen Folgen (Schutzwald, Krankheiten, landwirtschaftliche Schäden u. v. m.). Über ein Drittel der Pflanzen, Wildtiere und Pilzarten gilt als bedroht. Die Schweiz ist europaweit beim Ausscheiden von Schutzflächen für die Biodiversität ebenfalls Schlusslicht. Es sind genau immer auch diese Kreise aus Hobby-Jägern mit ihrer Lobbyarbeit, die über die Politik, Medien und Gesetze seit Jahrzehnten dafür verantwortlich zu machen sind. Sie sind es, die zeitgemässe, ethische Tierschutzverbesserungen notorisch blockieren und den seriösen Tier- und Artenschutz sabotieren. Hobby-Jäger wehren sich regelmässig gegen mehr Nationalpärke in der Schweiz, weil es ihnen eben nicht um Natur, Biodiversität und Artenschutz oder Tierschutz geht, sondern darum, ihr perverses, blutiges Hobby zu pflegen.

Wussten Sie …

  • dass in der Schweiz unschuldige Jungwölfe liquidiert werden?
  • dass Hobby-Jäger bei der Beurteilung der Wildbretqualität lügen und dass verarbeitetes Wildfleisch laut der WHO wie Zigaretten, Asbest oder Arsen krebserregend ist?
  • dass laut Studie nirgendwo die Bleibelastung der Steinadler und Bartgeier höher ist, als in den Schweizer Alpen, wegen der Munition der Hobby-Jäger?
  • dass die Waidgerechtigkeit der Hobby-Jäger dem Tierschutzgesetz diametral widerspricht, eine Fata Morgana ist?
  • dass Jagd Krieg ist, wo man tierische Konkurrenten einfach liquidiert?
  • dass es unzählige illegale und nicht gekennzeichnete Hochsitze in unserer Natur gibt, die zum Teil so morsch sind, dass sie eine Gefahr für Kinder darstellen, Menschen zu Tode kommen können?
  • dass Jahr für Jahr unzählige Menschen durch Jägerwaffen getötet oder verletzt werden, teilweise so schwer, dass sie im Rollstuhl sitzen oder ihnen Glieder amputiert werden?
  • dass in der Schweiz jährlich rund 120’000 völlig gesunde Rehe, Hirsche, Füchse, Murmeltiere und Gämsen meist sinnlos gekillt werden?
  • dass es wegen der Hobby-Jäger heute kaum mehr möglich ist, mit den Wildtieren in Harmonie zu leben, Wildtiere zu sehen?
  • dass Schrotladungen Hasen wie kleine Kinder aufschreien lassen und “geschossenen” Rehen und Hirschen die Innereien zerfetzen, damit sie auf der Flucht Spuren für die Nachsuche hinterlassen?
  • dass die Behauptung der Hobby-Jäger, die grausamen Wildtier-Massaker seien notwendig, um Tierbestände zu regulieren, wissenschaftlich widerlegt sind?
  • dass Hobby-Jäger offen zugeben, dass es bei der Jagd um die “Lust am Töten” und “die Freude am Beute-Machen” einer krankhaften Passion geht?
  • dass Hobby-Jäger keinen sechsten Sinn haben und dennoch regelmässig behaupten, sie schössen nur kranke und schwache Tiere, was natürlich in der Praxis nicht stimmt?
  • dass Hobby-Jäger ins Ausland zur Trophäenjagd fahren, fern aller Arten- und Jagdschutzbestimmungen, und dass es sogar Schweizer-Hobby-Jäger-Reiseveranstalter für solch debile Jagdvergnügen gibt?
  • dass die überwiegende Mehrheit keine legitimierten Berufsjäger sind, sondern die Jagd als Hobby-, Sport- und Freizeitvergnügen ausüben, was nicht sittlich ist und eigentlich dem Tierschutzgesetz widerspricht?
  • dass 99,07 % der zivilisierten Menschen in der Schweiz keine Hobby-Jäger sind, also nur 0,3 % Hobby-Jäger Freude an diesen blutigen Aktivitäten haben?
  • dass diese Wildtierkiller nicht anhand wissenschaftlicher Rechtfertigungen jagen?
  • dass geschützte Arten eigentlich nicht ins Jagdrecht gehören, weil Hobby-Jäger mit dem Artenschutz überfordert sind und immer wieder auf der Roten Liste stehende Tiere, wie Luchs, Wolf, Feldhase, Rebhuhn, Wachtel, usw., aus Spass abschiessen?
  • dass Hobby-Jäger bestimmte Tierarten gezielt dezimieren, um keine Konkurrenz zu haben, für ihr widernatürliches Verhalten (Fuchs, Luchs, Wolf, Greifvögel, usw.)?
  • dass das Wild stirbt, bevor der Hobby-Jäger auch nur einen einzigen Schuss abgeben kann, es dies zu verhindern gilt und das wohl der zentrale Gedanke der Hege und Pflege sowie Jagdplanungen ist?
  • dass bei den Wildschweinen (und Füchsen) normalerweise nur die Leitbache Junge bekommt, aber aufgrund ihres Abschusses alle weiblichen Tiere innerhalb der Rotte sich fortpflanzen und wir auch deshalb eine Wildschweinschwemme haben?
  • dass die Weidetiere – Hirsche, Rehe, usw. – ursprünglich hauptsächlich tagaktiv auf Feldern und Wiesen lebten, wie Ziegen, Schafe, Kühe, usw., und nicht im Wald?
  • dass der Wolf für die Gesunderhaltung der wilden Huftiere langfristig lebenswichtig ist, weil er zum Beispiel mit unglaublicher Präzision kranke oder schwache Tiere erbeutet und dadurch den Hobby-Jägern hoch überlegen ist?
  • dass Füchse nach der sinnlosen Jagd meist im Abfall landen?
  • dass Füchse heute hauptsächlich gejagt werden, damit es mehr Hasen, usw. für die Hobby-Jäger in der Bratpfanne hat? Dass sich der Fuchs aber zu über 90 % nicht von Hasen ernährt, einen gesunden Hasen nie erwischt?
  • dass man gegen Hobby-Jäger im Tierschutz nicht nur mit Sanftmut, Strassenfesten, Gebetsketten, usw. vorgehen kann (auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil)?
  • dass Hobby-Jäger mit dem Jägerlatein eine respektlose Verhöhnung von Lebewesen betreiben?
  • dass es verpönt ist, Hochwild an der Fütterung oder während der Paarungszeit zu erschiessen, der Hobby-Jäger aber keine Skrupel hat, dies beim Beutekonkurrenten Fuchs zu tun?
  • dass in manchen Kantonen Hobby-Jäger nur des zarten Fleisches eines Jungtieres wegen auf die Jagd gehen?
  • dass Hobby-Jäger trächtige Mutterkühe vor ihren Jungtieren erschiessen oder nur Jungtiere während der Aufzuchtzeit (Nach-Sonderjagd)?
  • dass Hobby-Jäger die Umwelt, Natur, Mensch und Tier mit ihrer Munition vergiften?
  • dass Bestialität, Barbarei, Grausamkeit, Blutvergiessen und sinnlose Qualen kein Kulturgut sein können in einer zivilisierten Gesellschaft?
  • dass Hobby-Jäger jährlich rund 10’000 Rehkitze erschiessen?
  • dass Hobby-Jäger im strengen Winter hungernde Tiere mit Futter anlocken, nur um sie hinterhältig und feige erschiessen zu können?
  • dass Hobby-Jäger scharf gemachte Hunde in Höhlen hetzen, um Füchse und Dachse zu eliminieren (Baujagd)?
  • dass Hobby-Jäger friedliche Lebewesen in Kastenfallen locken, in denen sie unter Umständen tagelang leiden und auf ihren Killer warten müssen oder den Tieren oft einen stundenlangen Todeskampf bereiten (Fallenjagd)?
  • dass Hobby-Jäger friedliche Wildtiere beim Schlafen oder Sonnen feige mit hochmodernen Präzisionswaffen aus dem Hinterhalt meucheln oder verletzen?
  • dass Hobby-Jäger Auszeichnungen, Fellmärkte, Preisverleihungen für den Trophäenkult, Trophäenschauen, Pelzhandel, usw. unterstützen?
  • dass Hobby-Jäger minderjährigen Schulkindern Schusswaffen in die Hände drücken und mit ihnen das Töten üben?
  • dass Hobby-Jäger ihre qualvollen Taten oft in der Einsamkeit ausführen, was Tierquälereien fördert?
  • dass Hobby-Jäger viele Wildtiere nur schwer verletzen und die Opfer oft stundenlang unter enormen Qualen und Angst leiden, bis ein Schweisshund sie findet und sie erschossen werden?
  • dass Hobby-Jäger (ausser der Vivisektion) den Tieren am meisten Qualen und Missbrauch zufügen, auch durch die Art des Tötens?
  • dass die jägerliche Tier- und Naturliebe sich nicht am Dasein des geliebten Objekts erfreut, sondern vielmehr darauf abziehlt, das geliebte Wesen mit Haut und Haar zu besitzen, und darin gipfelt, es durch den Akt des Tötens zur Beute zu machen?
  • dass Hobby-Jäger Verbissschäden geradezu fördern durch den Jagddruck, insbesondere auf Beutegreifer wie Fuchs, Luchs und Wolf?
  • dass Hobby-Jäger für asoziales, unethisches und unchristliches Verhalten Tür und Tor öffnen?
  • dass Hobby-Jäger der Bevölkerung normale natürliche Tierbeobachtungen und Interaktionen vorenthalten?
  • dass es kein grösseres und mit Munition verseuchtes Quälprodukt gibt als Wildbret?
  • dass es schweizweit keine einheitliche Regelung gibt, was Sehtest, Schiesspraxis, usw. der Hobby-Jäger betrifft?
  • dass es keinen psychologischen Wesenstest für Hobby-Jäger gibt?
  • dass es kein Alkoholverbot gibt für Hobby-Jäger, wenn sie mit ihren Waffen auf Tiere schiessen?
  • dass Hobby-Jäger in schulische Einrichtungen eindringen, um ihr Jägerlatein und ihre Gewalt den Kindern aufzuschwätzen?
  • dass ein Gericht in Bellinzona unlängst bestätigt hat, dass Jagdvereine praktisch alles, was grausam, unnötig und herzlos ist, fördern?
  • dass der Verein «Jagd Schweiz» in erster Linie Respektlosigkeit und eine Gewaltkultur kultiviert – genau das Gegenteil, wonach ein kultivierter Mensch in unserer Gesellschaft streben sollte.
  • dass allein im Kanton Graubünden jedes Jahr über 1’000 Anzeigen und Bussen gegen Hobby-Jäger verhängt werden?
Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unserem Dossier zur Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte.

Unterstütze unsere Arbeit

Mit deiner Spende hilfst du, Tiere zu schützen und ihrer Stimme Gehör zu verschaffen.

Jetzt spenden