Krise im Naturschutz: Politische Strömungen und der Rückgang der wissenschaftlichen Integrität im BAFU
Die stille Säuberung – wie Albert Rösti den Wolfsschutz im BAFU ausbremst.
Mit der Ausschreibung der Vizedirektion «Biologische Vielfalt» im Bundesamt für Umwelt (BAFU) scheint ein weiteres Kapitel einer bedenklichen Personalpolitik geschrieben zu werden.
Die krankheitsbedingte Abwesenheit von Franziska Schwarz, nun gefolgt vom endgültigen Ausscheiden per Ende September, reiht sich in eine Serie prominenter Abgänge innerhalb jenes Direktionsbereichs, der für die Wildtiere – und insbesondere für das sensible Wolfsmanagement – zuständig ist.
Was zunächst wie normale Personalfluktuation erscheinen mag, zeigt bei genauerem Hinsehen ein beunruhigendes Muster: Seit der Amtsübernahme von Bundesrat Albert Rösti (SVP) als Vorsteher des UVEK Anfang 2023 wurde die personelle Spitze der Wildtier-Sektion faktisch ausgetauscht. Nach dem frühzeitigen Abgang von Reinhard Schnidrig, einem international respektierten Wildtierbiologen und langjährigen Leiter der Sektion, folgte bald auch sein Stellvertreter – und inzwischen Franziska Schwarz. Offiziell werden «strategische Differenzen» und «private Gründe» genannt. Doch der Kontext legt nahe: Diese Differenzen sind politisch.
Rösti, der mit der SVP eine Partei repräsentiert, die den Wolf seit Jahren als Symbolbild für ein angebliches städtisches Öko-Diktat missbraucht, scheint systematisch jene Fachpersonen zu entfernen, die sich für ein wissenschaftsbasiertes, integratives Wildtiermanagement starkmachen. Schnidrig hatte sich etwa für mindestens 20 Wolfsrudel ausgesprochen – eine Zahl, die durch ökologische Tragfähigkeit und genetische Viabilität begründet war. Rösti setzte stattdessen 12 Rudel durch – eine politisch motivierte Zahl ohne fachlichen Rückhalt, wie selbst Schnidrig kritisch anmerkte.
Die Entmachtung wissenschaftlich orientierter Fachleute ist gefährlich. Denn sie erfolgt nicht offen im Streit, sondern schleichend – über Umstrukturierungen, strategische Meinungsverschiedenheiten und personelle Umbauten. Was auf dem Papier technokratisch erscheint, ist in Wahrheit eine gezielte politische Einflussnahme auf den Naturschutz – mit Folgen für die Biodiversität und das Vertrauen in die Umweltverwaltung.
Der Wolf ist längst mehr als ein Wildtier. Er steht symbolisch für die Frage, ob wir bereit sind, auch jene Lebensformen zuzulassen, die nicht unserer Kontrolle unterliegen – und ob der Naturschutz sich weiter an wissenschaftlichen Prinzipien orientiert oder zur politischen Verfügungsmasse wird.
Was sich derzeit im BAFU abspielt, ist nicht weniger als ein Rückschritt. Es ist ein Rückbau des ökologischen Fortschritts – orchestriert durch einen Bundesrat, der wissenschaftliche Integrität zugunsten populistischer Interessen opfert.
Es ist Zeit, diesen Kurs zu hinterfragen. Nicht nur der Wolf ist in Gefahr – sondern die Glaubwürdigkeit eines gesamten Umweltdepartements, schreibt Wolf Facts Schweiz.
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