26.10.2026, 15:12

Suchen

Umwelt & Naturschutz

Arktis überschreitet chemischen Kipppunkt: Nitratverlust bedroht die gesamte marine Nahrungskette

Eine neue Studie der University of Edinburgh zeigt, dass das schmelzende Meereis den wichtigsten Nährstoff für Plankton dauerhaft vernichtet, mit Folgen für Fische, Wale und das Klima.

Redaktion Wild beim Wild · 30. Mai 2026
Audio zum Beitrag

«Im weissen Kleid»

0:00 -0:00
Alle Lieder

Das schwindende Meereis der Arktis hat offenbar einen Schwellenwert überschritten, von dem es kaum mehr eine Rückkehr gibt.

Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie der University of Edinburgh, die über 20 Jahre Messdaten aus der Framstrasse ausgewertet hat, dem Meereskorridor zwischen Grönland und Spitzbergen, durch den arktisches Wasser in den Atlantik fliesst.

Im Mittelpunkt der Untersuchung steht Nitrat: ein Nährstoff, der für Plankton lebensnotwendig ist. Plankton wiederum bildet die Basis jeder marinen Nahrungskette. Ohne ausreichend Plankton fehlt Fischen, Seevögeln, Robben und Walen die Nahrungsgrundlage.

Mehr Licht, weniger Nährstoffe

Lange gingen Forschende davon aus, dass weniger Eis dem arktischen Ökosystem zugutekommen könnte: Mehr Sonnenlicht im Wasser fördere das Algenwachstum. Doch genau dieser Effekt kehrt sich ins Gegenteil. Die Messdaten zeigen einen deutlichen Wandel ab etwa 2009: Seitdem sinkt die Nitratkonzentration im Wasser kontinuierlich, zeitgleich mit der beschleunigten Eisschmelze.

Der Mechanismus dahinter ist bekannt als «benthische Denitrifikation»: Grössere Algenblüten entstehen durch das zusätzliche Sonnenlicht, sterben ab und sinken auf den Meeresboden. Beim Zersetzen durch Mikroben wird Sauerstoff verbraucht. In diesen sauerstoffarmen Zonen wandeln spezialisierte Mikroorganismen Nitrat in Stickstoffgas um, das dauerhaft aus dem Ökosystem verschwindet. Besonders betroffen sind flache Küstenregionen, die fast die Hälfte des Arktischen Ozeans ausmachen.

Folgen für Fische, Wale und das Klima

In nährstoffarmen Gewässern setzen sich kleinere Planktonarten durch, die weniger Energie für grössere Tiere in der Nahrungskette liefern. Das könnte mittelfristig Fischbestände, Seevögel, Robben und Wale im Nordatlantik empfindlich treffen, und damit auch die kommerzielle Fischerei.

Studienleiter Raja Ganeshram spricht deshalb von einem möglichen «Kipppunkt» im arktischen Ökosystem. Die Folgen reichen aber noch weiter: Plankton nimmt beim Wachstum CO2 aus der Atmosphäre auf. Weniger Plankton bedeutet eine geschwächte natürliche Klimabremse im Arktischen Ozean, gerade dort, wo der Klimawandel bereits am schnellsten voranschreitet.

Kaum umkehrbar

Was die Studie besonders beunruhigend macht: Solange das Meereis weiter verschwindet, dürfte sich diese Entwicklung nicht mehr rückgängig machen lassen. Die Arktis scheint sich dauerhaft von einem lichtlimitierten zu einem nährstofflimitierten Ökosystem zu verwandeln. Das ist eine grundlegende Verschiebung mit unabsehbaren Konsequenzen für Wildtiere, Fischerei und das globale Klima.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: Was die Forschung dazu sagt, zeigt Jagd im Faktencheck: die Studienlage.

Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.

Wildtiere brauchen eine Stimme

Einmal pro Woche: Recherchen, Petitionen und Hintergründe zur Hobby-Jagd. Kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Alle Beiträge werden von der IG Wild beim Wild sowie von externen Co-Autorinnen und Co-Autoren verfasst. Recherche, Strukturierung und redaktionelle Prozesse können dabei durch KI-gestützte Werkzeuge unterstützt werden.

Unterstütze unsere Arbeit

Mit deiner Spende hilfst du, Tiere zu schützen und ihrer Stimme Gehör zu verschaffen.

Jetzt spenden →