01.11.2026, 11:39

Suchen

Kampagnen & Jagd

11 Fakten zur Hobby-Jagd: Der Countdown zum Welttag gegen die Jagd

Elf Tage, elf Belege: Was Studien und die Bundesstatistik über die Hobby-Jagd zeigen, jeden Tag einer bis zum 11. November.

Redaktion Wild beim Wild · 1. November 2026
Audio zum Beitrag

«Jägerlatein»

0:00 -0:00
Alle Lieder

Vom 1. bis 11. November veröffentlichen wir jeden Tag einen belegten Befund zur Hobby-Jagd und ihren Folgen, als Countdown zum Welttag gegen die Jagd. Grundlage sind die Eidgenössische Jagdstatistik und begutachtete Studien. Hier stehen alle elf an einem Ort, jeweils mit Quelle. Die ausführliche Einordnung der Studien steht in «Jagd im Faktencheck», die Zahlen des Bundes im Dossier Jagdstatistik 2025.

1. 1’400 Waldschnepfen, eine Art der Roten Liste

2025 wurden in der Schweiz 1’400 Waldschnepfen geschossen, 1’172 davon im Tessin. Die Art gilt in der Schweiz als verletzlich (VU). In zehn Jahren summieren sich die Abschüsse auf 16’935 Tiere. Ebenfalls auf der Roten Liste stehen der Feldhase (verletzlich, 1’343 getötet) und der Schneehase (potenziell gefährdet, 743 getötet). Quelle: BAFU, Eidgenössische Jagdstatistik 2025; Einordnung im Waldschnepfe-Dossier.

2. Über 3’000 Tiere mit Schussverletzungen tot aufgefunden

Die Bundesstatistik führt beim Fallwild die Todesursache «Schussverletzungen». Von 2016 bis 2025 wurden allein bei sechs Säugetierarten 3’189 solcher Tiere gefunden: 1’429 Rehe, 821 Füchse, 409 Wildschweine, 307 Rothirsche, 161 Gämsen, 62 Dachse. Ob und wie nach ihnen gesucht wurde, geht aus der Statistik nicht hervor. Erfasst sind nur die Tiere, die gefunden wurden. Quelle: BAFU, Fallwild nach Ursachen 2016 bis 2025.

3. Drückjagd: 3,6-mal mehr Cortisol im Blut

Ein kroatisches Forschungsteam bestimmte bei 407 erlegten Wildschweinen das Stresshormon Cortisol im Blut. Nach Drückjagden lag der Mittelwert bei 431 nmol/l, nach der Einzeljagd vom Hochsitz bei 119 nmol/l. Das Fleisch aus Drückjagden zeigte zudem veränderte pH- und Farbwerte. Quelle: Kelava Ugarković et al. 2025, European Journal of Wildlife Research.

4. Mit Hunden gejagt: 6,5-mal mehr Cortisol beim Schneehasen

Schneehasen, die mit Hunden gehetzt wurden, wiesen einen 6,5-fach höheren Cortisolspiegel auf als Tiere, die ohne Hunde erlegt wurden. Die Jagd mit Hunden bedeutet für die Tiere eine deutlich höhere physiologische Stressbelastung. Quelle: Pedersen et al. 2024, Wildlife Biology.

5. Jagdgewehr ohne Eignungsprüfung

Wer in der Schweiz ein Jagdgewehr kauft, muss nie nachweisen, dass er psychisch geeignet ist. Bestimmte Jagdgewehre gibt es sogar ohne Waffenerwerbsschein, mit schriftlichem Vertrag und Meldung an das kantonale Waffenbüro. Gleichzeitig üben 29’328 Personen die Hobby-Jagd aus, ihre Waffen stehen in Privathaushalten, oft über Jahrzehnte. Die IG Wild beim Wild fordert eine regelmässige psychologische Eignungsprüfung für alle Waffenbesitzer: Petition «Keine Schusswaffe ohne psychologische Eignungsprüfung». Quellen: fedpol, Feuerwaffen; BAFU, Jagdstatistik 2025.

6. Bejagte Arten verändern sich über 300 Prozent schneller

Eine Meta-Analyse zeigt: Wo der Mensch Tiere jagt oder fischt, verändern sich Merkmale wie Körper- und Horngrösse im Durchschnitt über 300 Prozent schneller als unter natürlichen Bedingungen. Der Grund: Gejagt werden bevorzugt die grössten und stärksten Tiere. Quelle: Darimont et al. 2009, PNAS.

7. Verwaiste Hirschkälber verkümmern, das bestätigt das Bündner Jagdamt

Wird die Mutter geschossen, steigt das Sterberisiko des Kalbs vor und nach dem Absetzen. Das Amt für Jagd und Fischerei Graubünden hält in seiner Fachbeurteilung vom März 2025 selbst fest, dass verwaiste Hirschkälber sozial verkümmern, keinen Anschluss finden und eine hohe Sterblichkeit aufweisen. Quellen: AJF Graubünden, Fachliche Beurteilung 2025; Andres et al. 2013, «Sex differences in the consequences of maternal loss in a long-lived mammal, the red deer», Behavioral Ecology and Sociobiology 67.

8. 55’000 Greifvögel fehlen in Europa wegen Bleimunition

Auf Basis der Leberwerte von über 3’000 tot gefundenen Greifvögeln berechneten Forschende, dass bei zehn Arten rechnerisch rund 55’000 Altvögel fehlen. Der Seeadlerbestand ist 14 Prozent kleiner, als er ohne Bleimunition wäre, der Steinadlerbestand 13 Prozent. Die Vogelwarte Sempach wies nach, dass das Blei in Schweizer Steinadlern zur Jagdmunition passt. Quellen: Green, Pain und Krone 2022, Science of the Total Environment; Schweizerische Vogelwarte.

9. 12,4 Millionen Tiere getötet, keine Schadensreduktion nachgewiesen

Frankreich tötete zwischen 2015 und 2022 rund 12,4 Millionen Füchse, Marder, Krähen, Elstern, Eichelhäher und Stare als «Schädlinge». Die Kosten: 791 Millionen Euro. Die gemeldeten Schäden: 96 Millionen Euro. Ein statistischer Zusammenhang zwischen Abschussaufwand und Schadensreduktion existiert nicht. Für die Schweiz fehlt eine vergleichbare Auswertung. Der Kanton Zug liess 2026 als bisher einziger Kanton die Fuchsjagd wissenschaftlich prüfen (SWILD-Fachbericht). Quelle: Jiguet et al. 2026, Biological Conservation; mehr im Fuchs-Dossier.

10. Jagdstopp wirkt: 40 Prozent mehr Turteltauben

Vor 2019 wurden in Frankreich, Spanien und Portugal rund eine Million Turteltauben pro Herbst geschossen. Nach dem Jagdmoratorium ab 2021 nahm der Brutbestand auf dem westlichen Zugweg zwischen 2021 und 2024 um 40 Prozent zu, geschätzt 615’000 zusätzliche Brutpaare. Auf dem zentral-östlichen Zugweg, wo weiter gejagt wird, sinkt der Bestand. Quelle: Operation Turtle Dove, März 2025.

11. Genf lebt seit 1974 ohne Hobby-Jagd

Der Kanton Genf hat die Hobby-Jagd 1974 per Volksabstimmung abgeschafft. Eingriffe macht die staatliche Wildhut. 2025 wurden in Genf pro 100 km² 57,8 Füchse tot aufgefunden, in Bern 57,9, in Zürich 83,3, obwohl dort jedes Jahr Hunderte bis Tausende Füchse geschossen werden. Fallwild beschreibt registrierte Totfunde, nicht die Grösse der Bestände, und hängt auch vom Verkehr ab. Hinweise auf eine Fuchsplage in Genf liefert die Statistik nicht. Quelle: BAFU, Eidgenössische Jagdstatistik 2025; Hintergrund im Dossier Genf und das Jagdverbot.

Und am 11. November: Eine Minute Stille

Elf Fakten, elf Tage. Am 11. November um 11:11 Uhr halten wir eine Minute inne für die Wildtiere, die in der Schweiz durch die Hobby-Jagd sterben, 2025 im rechnerischen Tagesdurchschnitt 341. Wie Sie mitmachen, steht im Beitrag «11:11 Uhr am 11.11.: Eine Minute Stille für die Wildtiere».

Haltung zeigen, auch am Körper

T-Shirt «Füchse schützen, nicht schiessen» aus dem Shop der IG Wild beim Wild
Bio-T-Shirt «Füchse schützen, nicht schiessen», erhältlich im Shop der IG Wild beim Wild.

Wer am 11. November nicht nur schweigen, sondern sichtbar sein will: Das Shirt «Füchse schützen, nicht schiessen» gibt es im Shop der IG Wild beim Wild aus Bio-Baumwolle ab CHF 29.49. Jeder Kauf fliesst in unsere Arbeit für die Wildtiere.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: Im Dossier Alternativen zur Hobby-Jagd zeigen wir politische und praktische Alternativen zur Hobby-Jagd. Die wissenschaftlichen Belege stehen in der Übersicht Studien zu den Auswirkungen der Hobby-Jagd.

Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.

Wildtiere brauchen eine Stimme

Einmal pro Woche: Recherchen, Petitionen und Hintergründe zur Hobby-Jagd. Kostenlos und jederzeit abbestellbar.

Alle Beiträge werden von der IG Wild beim Wild sowie von externen Co-Autorinnen und Co-Autoren verfasst. Recherche, Strukturierung und redaktionelle Prozesse können dabei durch KI-gestützte Werkzeuge unterstützt werden.

Unterstütze unsere Arbeit

Mit deiner Spende hilfst du, Tiere zu schützen und ihrer Stimme Gehör zu verschaffen.

Jetzt spenden →