6. Juli 2026, 06:39

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Tierwelt

Hauskatze und Tiger: 95,6 Prozent gemeinsame DNA

Warum im Schmusetier auf dem Sofa noch immer ein Beutegreifer steckt.

Redaktion Wild beim Wild — 6. Juli 2026

Wer seiner Hauskatze beim Anschleichen an ein Spielzeug zusieht, beobachtet in Miniatur das Verhalten eines der grössten Beutegreifer der Welt.

Der sibirische Tiger teilt 95,6 Prozent seines Genoms mit der Hauskatze, von der er sich vor rund 10,8 Millionen Jahren evolutionär getrennt hat. Das zeigt eine in Nature Communications veröffentlichte Genomstudie eines internationalen Forschungsteams um den südkoreanischen Genetiker Jong Bhak.

Zum Vergleich: Auch beim Menschen gibt es einen genetisch sehr nahen Verwandten, den Schimpansen. Dieser ist zwar kein Beutegreifer im eigentlichen Sinn, sondern überwiegend Frucht- und Pflanzenfresser, jagt aber gelegentlich auch andere Tiere, etwa Stummelaffen, in koordinierten Gruppenaktionen. Je nach Berechnungsmethode liegen die Angaben zur DNA-Übereinstimmung zwischen Mensch und Schimpanse zwischen rund 96 und 99 Prozent. Das zeigt: Auch unter nahen Verwandten sind grosse Unterschiede in Verhalten, Ernährung und Fähigkeiten trotz enger genetischer Nähe die Regel, nicht die Ausnahme.

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Eine gemeinsame evolutionäre Geschichte

Trotz des gewaltigen Grössenunterschieds sind zentrale biologische Funktionen bei Katzen aller Grössenordnungen erstaunlich ähnlich geblieben. Alle heute lebenden Katzenarten gehen auf einen gemeinsamen Vorfahren vor rund elf Millionen Jahren zurück. Genome verändern sich zwar im Lauf der Evolution normalerweise stark, doch die Forschenden fanden beim Vergleich des Tigergenoms mit jenem der Hauskatze überraschend wenige grosse Unterschiede.

Instinkte lassen sich nicht wegzüchten

Diese enge genetische Verwandtschaft erklärt, weshalb Hauskatzen bis heute Verhaltensweisen zeigen, die auch bei ihren wilden Verwandten zu beobachten sind: Anschleichen, Lauern, Revierverhalten, Duftmarkierungen und ein reiches Repertoire an Körpersprache gehören zu ihren tief verwurzelten Instinkten. Die Domestizierung hat den Lebensstil der Katze verändert, ihre Jagdinstinkte jedoch nicht verschwinden lassen.

Genau dieser Punkt lohnt einen zweiten Blick, wenn es um die Rechtfertigung der Hobby-Jagd geht. Wenn selbst tausende Jahre gemeinsamer Domestizierungsgeschichte das natürliche Verhalten einer Katze nicht auslöschen konnten, wird klar: Instinktives Verhalten bei einem Wildtier, etwa bei einem Fuchs, der sich an menschliche Siedlungen anpasst, ist kein Beleg für «Überpopulation» oder eine angebliche Notwendigkeit der Bejagung. Es ist schlicht Biologie. Die immer wieder von Hobby-Jägern bemühte Erzählung, wonach man in die Natur «regulierend» eingreifen müsse, blendet aus, dass sich Beutegreifer seit Jahrmillionen selbst regulieren, lange bevor der Mensch mit dem Gewehr dazukam.

Mehr zu den ökologischen Zusammenhängen rund um Beutegreifer in der Schweiz gibt es in unserer Kategorie Wildtiere.

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