14. August 2026, 14:34

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Tierrechte

Trotz Kulturerbe-Status: 900 Tauben bei Hitze für Wettflug ausgesetzt

In Memmingen sollten 900 Brieftauben 172 Kilometer zu ihrem Heimatschlag zurückfliegen. PETA fordert das Veterinäramt auf, den Wettflug zu untersagen – und zeigt: Die Anerkennung als Immaterielles Kulturerbe hat an der Praxis nichts geändert.

Redaktion Wild beim Wild — 14. August 2026

Am Sonntag plante die Reisevereinigung 04 Memmingen des Regionalverbands 701 «Allgäu-Schwaben» einen Taubenauflass in Memmingen.

900 Vögel sollten anschliessend 172 Kilometer zu ihrem Heimatschlag zurückfinden. PETA appellierte in einem Schreiben an das Veterinäramt der Stadt Memmingen, die aus ihrer Sicht tierschutzwidrige Veranstaltung zu untersagen.

Bei solchen Wettflügen werden die Tiere oft bewusst von ihren Partnern oder Jungtieren getrennt. Nicht Ehrgeiz treibt sie zur Heimkehr an, sondern die Bindung an Schlag und Partner. Viele der domestizierten Vögel sterben auf den anstrengenden Strecken an Dehydration, Hunger, Erschöpfung oder Verletzungen. Angesichts der Hitzeperiode warnte PETA zusätzlich vor der Gefahr, dass die Tauben unterwegs verdursten, weil Wasserstellen fehlen.

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Keine Luchsabschüsse im Wallis

Der Luchs ist genetisch am Limit, trotzdem soll er als erster Kanton der Schweiz zum Abschuss freigegeben werden.

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Würden Hunde für einen Wettbewerb Hunderte Kilometer von ihrem Zuhause entfernt ausgesetzt, von denen es ein grosser Teil nicht nach Hause schafft, wäre der Aufschrei gross.

Lisa Redegeld, Fachreferentin bei PETA

Redegeld fordert, dass diese Wettflüge, die für viele Tauben den Tod bedeuten, endlich gestoppt werden.

Was das Tierschutzgesetz sagt

Taubenwettflüge stehen im Widerspruch zum deutschen Tierschutzgesetz. Nach Paragraf 3 ist es verboten, Tieren Leistungen abzuverlangen, die ihre Kräfte übersteigen. Zudem dürfen Tiere im Training oder bei Wettkämpfen keinen Massnahmen ausgesetzt werden, die mit erheblichen Schmerzen, Leiden oder Schäden verbunden sind. Eine Studie beziffert die Verlustraten bei Taubenwettflügen auf durchschnittlich 53 Prozent pro Saison. Bleiben Vögel hinter den Erwartungen zurück und sind für die Zucht ungeeignet, töten Züchter sie oftmals ohne Betäubung.

Kulturerbe trotz anhaltender Kritik

Der Fall Memmingen zeigt, dass sich an der Praxis nichts geändert hat, obwohl das Brieftaubenwesen inzwischen offiziell geadelt wurde. 2018 hatte die Deutsche UNESCO-Kommission die Aufnahme noch abgelehnt, unter anderem wegen Zweifeln an der Einhaltung der Tierschutzgesetze – mehr dazu im Bericht «Brieftaubensport wird kein deutsches UNESCO-Kulturerbe». Im März 2022 wurde das Brieftaubenwesen dann doch in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Wie es zu dieser Kehrtwende kam, ist im Beitrag «Trotz Tierquälerei: Brieftaubenwesen soll immaterielles Kulturerbe werden» nachzulesen.

Kritik an dieser Anerkennung hält an. In der Fachzeitschrift TIERethik appellierte die Autorin Vanadis Faix 2025, das Brieftaubenwesen wieder von der Kulturerbe-Liste zu streichen. Aus Sicht der Kritiker verleiht der Kulturerbe-Status einer Praxis Würde, bei der weiterhin ein grosser Teil der Tiere die Wettflüge nicht überlebt.

Die Militärromantik trägt heute nicht mehr

Wer die kulturelle Bedeutung des Brieftaubenwesens betont, verweist gern auf die lange Geschichte der Tiere als Nachrichtenüberbringer. Diese Rolle war real: Das Deutsche Kaiserreich setzte im Ersten Weltkrieg schätzungsweise 120’000 Brieftauben als militärische Boten ein, und die Schweizer Armee unterhielt von 1917 an einen eigenen Brieftaubendienst. Doch genau dieses Argument ist überholt. Die Schweizer Armee löste ihren Dienst 1994 mit der Reform «Armee 95» nach 77 Jahren auf, die rund 7000 Armee-Tauben wurden von einer Stiftung übernommen. Moderne Streitkräfte verlassen sich längst auf elektronische Übermittlung. Die militärische Nutzung, auf die sich die Traditionspflege beruft, ist damit überall Vergangenheit. Was bleibt, ist ein Freizeit-Wettbewerb, bei dem laut Studien rund die Hälfte der Tiere pro Saison verloren geht. Ein historischer Nutzen, den es nicht mehr gibt, rechtfertigt dieses Leid nicht.

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