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Solothurner Zeitung beim Hobby-Jäger: Was das Porträt auslässt

Peter Wäfler, Präsident der Thaler Jäger, erklärt der Zeitung seine Jagd. Seine eigenen Sätze widerlegen die Begründungen, die Redaktion fragt nicht nach.

Redaktion Wild beim Wild · 29. Oktober 2026
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Hofbericht

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Die Solothurner Zeitung hat am 29. Oktober 2026 ein Porträt von Peter Wäfler publiziert, dem Präsidenten der Vereinigung Thaler Jäger. Redaktor Patrick Gerber hatte den Hufschmied, der seit zwanzig Jahren Hobby-Jäger ist, an einem milden Oktoberabend in ein Revier seines Hegerings begleitet: auf den Rislisberg oberhalb der Klus zwischen Oensingen und Balsthal, im Jagdrevier Laupersdorf-Lebern. Das Porträt will zeigen, dass die Jagd «weit mehr als nur Schiessen» sei. Wer den Text genau liest, findet darin vor allem eines: die Argumente gegen die Hobby-Jagd, ausgesprochen vom Hobby-Jäger selbst. Die Redaktion hat sie stehen lassen, ohne nachzufragen.

Das Motiv steht am Schluss des Absatzes

Wäfler zählt zuerst die Grundsätze des Jagdgesetzes auf, Verjüngung der Wälder, Eindämmung von Wildschäden. Dann folgt der Satz, der den Artikel trägt: «Nicht zuletzt habe ich aber auch gerne etwas Feines auf dem Teller.» Die Zeitung notiert dazu, er «gebe» das «zu». Mehr Einordnung gibt es nicht. Dabei ist genau das die Reihenfolge, die die IG Wild beim Wild seit Jahren beschreibt: Die gesetzlichen Aufgaben sind die Begründung nach aussen, das Fleisch und das Erlebnis sind der Antrieb. Wie diese Verschiebung funktioniert, zeigt das Dossier zur Psychologie der Jagd.

Dazu passt, was Wäfler über seine Abende auf dem Hochsitz erzählt. Er gehe oft raus «zum Runterfahren», warte «nach dem Feierabend oft stundenlang», sei dort auch schon eingeschlafen. Während des Gesprächs raucht er. Das ist die ehrliche Beschreibung eines Hobbys. Eine Aufgabe, die der Kanton für Wald und Landwirtschaft unbedingt braucht, sieht anders aus.

«Oft sieht man gar nicht die Tiere, die man erlegen dürfte»

So lautet der Titel des Artikels, im Text sagt Wäfler: «Oftmals sieht man gar nicht die richtigen.» Er meint damit, dass er auf dem Hochsitz häufig nichtmenschliche Tiere sieht, die er nach Art, Geschlecht und Alter nicht erlegen darf. Die Zeitung liest das als Beleg für Sorgfalt. Man kann es auch anders lesen: Die Hobby-Jäger sitzen stundenlang im Revier und finden die Tiere nicht, die sie laut Abschussplan schiessen müssten. Das ist kein Argument für ein System, das sich mit dem Versprechen rechtfertigt, Bestände zu regulieren. Die Ansitzjagd ist in erster Linie Warten, und das Warten entscheidet der Zufall.

35 Prozent der Schäden: ein Eigeninteresse, kein Opfer

«Wir Jäger müssen für 35 Prozent der Schäden aufkommen», sagt Wäfler mit Blick auf eine von Wildschweinen aufgewühlte Wiese. Das stimmt, mit einer Präzisierung: Nach § 26 des Solothurner Jagdgesetzes beteiligt sich der Jagdverein mit 35 Prozent an den Wildschweinschäden seines Reviers, und zwar höchstens bis zur Höhe des Mindestpachtzinses pro Jahr. Die Zeitung nennt dazu die Gesamtsumme der Wildschäden 2025 von rund 202’000 Franken. Was fehlt, ist die Rechnung dahinter. Die amtliche Wildschadenstatistik des Amts für Wald, Jagd und Fischerei weist für 2025 einen reinen Wildschaden von 179’326 Franken aus, davon 139’371 Franken durch Wildschweine. Der Selbstbehalt aller Solothurner Jagdreviere zusammen beträgt 48’780 Franken. Im Hegering Thal entstanden 13’295 Franken Schwarzwildschaden, die Hobby-Jägerschaft erlegte dort 66 Wildschweine. Für das Revier Laupersdorf-Lebern, in dem die Reportage spielt, weist die Statistik 2025 gar keinen Wildschweinschaden aus, bei 18 erlegten Wildschweinen. Die aufgewühlte Wiese hat den Verein dort also nichts gekostet.

Diese Beteiligung macht aus dem Hobby-Jäger keinen Dienstleister, sondern eine Partei mit Eigeninteresse. Wer für Schäden mitzahlt, hat ein finanzielles Motiv für hohe Abschusszahlen, und er hat ein Interesse daran, dass das Schadenproblem als jagdlich lösbar gilt. Dass es das nicht ist, hat die IG Wild beim Wild im Juli 2026 anhand einer Kantonsumfrage gezeigt: Trotz gestiegener Jagdstrecke bleiben die Wildschweinschäden hoch, auch in Solothurn. Nach zwanzig Jahren Hobby-Jagd im Thal wühlen die Wildschweine weiter. Warum die Hobby-Jagd das Problem eher verschärft als löst, erklärt das Wildschwein-Dossier.

«Einhundertundein Prozent» und die Schweisshündin

Geschossen werde nur, wenn man sich zu «einhundertundein Prozent» sicher sei, das Tier richtig zu treffen, sagt Wäfler. Im selben Abschnitt erklärt er, wofür seine Schweisshündin Heika ausgebildet ist: angeschossene Tiere aufzuspüren, die dann mit einem Fangschuss getötet werden. Beides zusammen ergibt nur Sinn, wenn man die zweite Hälfte ernst nimmt: Die Nachsuche ist vorgeschrieben und die Schweisshunde werden ausgebildet, weil Fehlschüsse im System der Hobby-Jagd von vornherein einkalkuliert sind. Die Rede vom sicheren Schuss ist die Erzählung, die Nachsuche die Praxis. Die IG Wild beim Wild hat das im Beitrag Warum es so viele Jagdhunde braucht dokumentiert. Dass die Rede vom sicheren Schuss auch im Kanton Solothurn nicht hält, zeigt der Fall vom November 2025: Ein Solothurner Hobby-Jäger hielt eine Hirschkuh für ein Reh, schoss mit Schrot, und das Tier lag zwei Tage schwer verletzt im Wald. Das «Ansprechen», das Wäfler als Kern der Ausbildung beschreibt, hatte dort versagt.

Fuchsbolognese

Als Anekdote aus zwanzig Jahren erwähnt Wäfler, er habe einmal Fuchsbolognese gegessen. Die Zeitung lässt den Satz als Farbtupfer stehen. Er sagt aber etwas über die Fuchsjagd im Kanton aus: Der Fuchs wird nicht wegen seines Fleisches geschossen, und er wird auch nicht wegen eines belegten Schadens geschossen. Im September 2026 hat der Solothurner Regierungsrat die Fuchsjagd-Petition abgewiesen und sich dabei auf ein Positionspapier von JagdSchweiz gestützt. Die Hintergründe, die Zahlen zu den 866 erlegten Füchsen im Jahr 2024 und der Musterbrief an den Kantonsrat stehen auf der Seite Fuchsjagd stoppen Solothurn.

Wer kontrolliert wen

Auf die «kritischen Stimmen» angesprochen, verweist Wäfler darauf, dass der Kanton die Jagd regle und «jedes Revier auch eine Jagdaufsicht» habe. Die Zeitung fragt nicht, wer diese Jagdaufsicht stellt. § 15 des Solothurner Jagdgesetzes gibt die Antwort: Die Jagdaufsicht im Revier wird durch den Jagdverein selbst sichergestellt, der auf eigene Kosten einen Jagdaufseher bestellt, der jagdberechtigt sein muss. Staatliche Jagdaufsichtsorgane setzt das Departement nach demselben Paragrafen vor allem für die Wildtierschutzgebiete ein. In den Revieren kontrollieren die Hobby-Jäger die Hobby-Jäger. Warum diese Selbstaufsicht nicht reicht, steht im Dossier zu Jagdgesetzen und Kontrolle.

Was im Porträt fehlt

Der Artikel kündigt ein komplexes Thema «zwischen grosser Verantwortung, kantonalen Vorgaben und Kritik» an. Die Kritik kommt darin nur als Stichwort vor, das Wäfler selbst einführt und gleich wieder entkräftet: Er versuche jeweils, den Standpunkt der Jäger zu erklären. Eine zweite Stimme gibt es nicht, keine Wildbiologin, keine Tierschutzorganisation, keinen Hinweis auf den Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt und Wildschäden mit professionellen Wildhütern regelt. Das Muster ist bekannt, die IG Wild beim Wild hat es im Dossier zu Medien und Jagdthemen beschrieben: Die Jagd wird aus der Perspektive derer erzählt, die sie ausüben, und ihre Begründungen werden als Sachverhalt weitergereicht. Für diesen Hofbericht verlangt die Solothurner Zeitung ein Abonnement; wer nachgeschaute Zahlen und eine zweite Stimme erwartet, bekommt für sein Geld keines von beidem.

Am Ende des Abends zeigen sich zwei Gämsen am Hang. Wäfler beobachtet sie durch das Fernglas, zum Gewehr greift er nicht. Es ist das schönste Bild des Artikels. Es zeigt, dass niemand schiessen muss, damit der Abend im Jura ein guter Abend ist.

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unseren Dossiers zur Kritik an der Hobby-Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte. Die wissenschaftlichen Belege stehen in der Übersicht Studien zu den Auswirkungen der Hobby-Jagd.

Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.

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