Fuchsjagd stoppen – Kantonsrat Solothurn anschreiben
Der Kanton Solothurn organisiert die Jagd im Revierjagdsystem: Die Jagdreviere werden an private Jagdgesellschaften verpachtet, die Hobby-Jagd wird im Milizsystem ausgeübt. 2024 wurden im Kanton 866 Füchse als Jagdstrecke ausgewiesen; zusätzlich registrierte die Fallwildstatistik 572 verendete oder tot aufgefundene Füchse. In den Vorjahren lag die Jagdstrecke bei 536 (2020), 879 (2021) und 686 (2023) Füchsen.
Am 15. Februar 2026 forderte der Jurist Pascal Wolf den Kanton per Petition auf, die Fuchsjagd auf ihre wissenschaftliche Evidenz und ökologische Notwendigkeit hin zu überprüfen. Die Antwort kam sieben Monate später: Am 14. September 2026 wies Regierungsrätin Sibylle Jeker (Volkswirtschaftsdepartement) die Petition zurück (Antwortschreiben GK 6900).
Der Regierungsrat hält darin fest, die Fuchsjagd müsse «der Konfliktlösung dienen (z.B. Wildschadenverhütung oder Tierseuchenbekämpfung)», und bezeichnet ihren Beitrag dazu als «unbestreitbar». Zugleich nennt das Schreiben keine unabhängige Studie, keine messbaren kantonalen Ziele und keine Daten, mit denen sich die Wirkung der Jagd auf Bestand, Schäden oder Krankheitsrisiken überprüfen liesse. Ein Bestandsmonitoring als Grundlage einer evidenzbasierten Jagdplanung beurteilt der Regierungsrat als «nicht annähernd mit vernünftigem Personal- und Kostenaufwand zu bewerkstelligen». Der Kanton legt also keine Daten vor, mit denen sich die Wirkung der jährlichen Abschüsse prüfen liesse, und lehnt den dafür nötigen Aufwand ab.
Die einzige Fussnote des Schreibens verweist nicht auf eine wildbiologische Studie, sondern auf das Positionspapier zur Fuchsbejagung von JagdSchweiz, dem Dachverband der Hobby-Jäger. Der Regierungsrat stützt seine Argumentation zur Zweckmässigkeit der Fuchsjagd damit auf ein Interessenpapier, nicht auf unabhängige Evidenz. Dass die Fuchsjagd rechtlich zulässig ist, bestreitet niemand. Die Petition fragte nach dem Nutzen, und diese Frage bleibt unbeantwortet.
Genau darin liegt der politische Kern: Wer eine routinemässige Bejagung mit Konfliktlösung begründet, muss Ziel, Datengrundlage und Erfolgskontrolle benennen können. Andernfalls bleibt offen, welchen konkreten Nutzen die jährliche Jagdstrecke im Kanton Solothurn tatsächlich erzielt.
Du kannst etwas tun, ganz gleich, in welcher Amtei du lebst. Wende dich direkt an eine Kantonsrätin oder einen Kantonsrat. Das ist legal, wirksam und kostet nur wenig Zeit.
Wichtig: Verlass dich nicht allein auf die E-Mail. Aus mehreren Kantonen erreichten uns Rückmeldungen, dass Nachrichten zur Hobby-Jagd auf den Fuchs mitunter als unzustellbar zurückkommen. Ob das an falschen Adressen oder an Filtern liegt, lässt sich von aussen nicht beurteilen. Nutze deshalb mehrere Wege: einen Brief, einen Anruf oder das persönliche Gespräch. Oft ist eine Nachricht an ein Fraktions- oder Parteisekretariat wirksamer als an einzelne Mitglieder, und ein Brief oder Anruf lässt sich schwerer ausfiltern als eine E-Mail.
Musterbrief – kopiere diesen Text in dein Mailprogramm
Betreff: Fuchsjagd im Kanton Solothurn – Bitte um wissenschaftlich überprüfbare Ziele
Sehr geehrte Frau [Name] / Sehr geehrter Herr [Name]
Ich bitte Sie, die routinemässige Fuchsjagd im Kanton Solothurn politisch zu überprüfen.
Im Antwortschreiben zur Petition GK 6900 vom 14. September 2026 bezeichnet der Regierungsrat den Nutzen der Fuchsjagd für die Konfliktlösung als «unbestreitbar». Zugleich nennt das Schreiben keine unabhängige wissenschaftliche Studie, keine messbaren kantonalen Ziele und keine Wirkungskontrolle. Ein Bestandsmonitoring als Grundlage eines evidenzbasierten Fuchsmanagements wird mit dem personellen und finanziellen Aufwand abgelehnt. Als einzige Quelle wird ein Positionspapier des Jagdverbands JagdSchweiz angeführt.
Damit bleibt offen, welchen konkreten Effekt die jährlichen Fuchsabschüsse auf Bestandsentwicklung, Wildschäden, Nutztierschutz oder Krankheitsrisiken haben. 2024 wurden im Kanton Solothurn 866 Füchse erlegt; zusätzlich wurden 572 Tiere als Fallwild registriert. Die Fallwildzahlen liegen heute höher als in jedem Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen, obwohl in den 1990er-Jahren bis zu 1’500 Füchse pro Jahr geschossen wurden.
Der Fachbericht von SWILD im Auftrag des Kantons Zug (Mai 2026) kommt zum Schluss, dass die gegenwärtig praktizierte, räumlich nicht koordinierte Fuchsjagd keine belastbare Grundlage für eine nachhaltige Bestandsregulation liefert. Der Bericht empfiehlt ein Management mit klaren Zielen, überprüfbaren Daten und einem stärkeren Fokus auf nicht-letale Massnahmen. Der Kanton Genf kommt seit 1974 ohne private Jagdausübung aus, Luxemburg seit 2015 ohne Fuchsjagd, in beiden Fällen ohne dokumentierte Zunahme der Probleme.
Ich bitte Sie deshalb, sich im Kantonsrat für eine unabhängige wissenschaftliche Standortbestimmung einzusetzen: mit klaren Zielen, transparenten Daten zu Schäden und Krankheitsrisiken sowie einer Evaluation der tatsächlich erreichten Wirkung.
Freundliche Grüsse
[Ihr Name]
[Ihr Wohnort]
Was im Kanton Solothurn entschieden wurde
Petition «zur Prüfung der wissenschaftlichen Notwendigkeit zur Fuchsjagd», eingereicht per E-Mail am 15. Februar 2026 von Pascal Wolf. Gefordert wurde, die Fuchsjagd bezüglich wissenschaftlicher Evidenz und ökologischer Notwendigkeit zu überdenken.
Antwort vom 14. September 2026 (GK 6900), Regierungsrätin Sibylle Jeker, Volkswirtschaftsdepartement: Ablehnung. Der Regierungsrat teilt die Ansicht eines «Primats der Wissenschaft» nicht; die Rechtsordnung gebe den Rahmen vor. Die Fuchsjagd erfülle die bundesrechtlichen Grundsätze, der Fuchs sei flächendeckend und in hohem Bestand verbreitet, der Beitrag der Jagd und der Selbsthilfe zur Konfliktlösung sei «unbestreitbar». Ein evidenzbasiertes Fuchsmanagement würde die Personal- und Finanzressourcen überfordern, ein Monitoring sei nicht mit vernünftigem Aufwand zu betreiben. Als einzige Quelle wird das Positionspapier zur Fuchsbejagung von JagdSchweiz angeführt.
Was das Schreiben nicht beantwortet: welches konkrete Ziel die Fuchsjagd im Kanton verfolgt, anhand welcher Daten die Zielerreichung gemessen wird und welche wissenschaftliche Grundlage die routinemässige Bejagung gegenüber nicht-letalen Massnahmen rechtfertigt. Dass der Fuchs zahlreich ist, wird als Grund für die Jagd genannt. Dass er nach neun Jahrzehnten Bejagung zahlreicher ist als je zuvor, wäre der eigentliche Befund.
Was die Jagdstatistik zeigt
Die eidgenössische Jagdstatistik des BAFU dokumentiert die Solothurner Fuchsabschüsse seit 1933. Drei Befunde stechen heraus.
Die Abschüsse steuern den Bestand nicht. Von 1990 bis 2013 wurden im Kanton in den meisten Jahren zwischen 1’000 und 1’500 Füchse geschossen, in Spitzenjahren über 1’500. Seither ist die Jagdstrecke auf 700 bis 900 Tiere gesunken. Parallel dazu hat sich das Fallwild nicht verringert, sondern ist von rund 300 Füchsen pro Jahr in den 1990er-Jahren auf 572 im Jahr 2024 gestiegen, den höchsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen. Das Fallwild, zu über der Hälfte Verkehrsopfer, gilt als Näherung für die Bestandsdichte: Wo mehr Füchse leben, sterben mehr auf der Strasse. Weder die hohen Abschusszahlen der 1990er-Jahre noch die tieferen der letzten zehn Jahre haben daran etwas Erkennbares verändert.
Die «Selbsthilfe» ist eine Randerscheinung. Der Regierungsrat beruft sich auf den Beitrag von Jagd und Selbsthilfe zur lokalen Konfliktlösung. Die Statistik weist Spezialabschüsse, also gezielte Abschüsse ausserhalb der regulären Jagd, gesondert aus: Seit 2000 waren es nie mehr als 19 pro Jahr, in vielen Jahren gar keine, zuletzt 2023 zwölf und 2024 sowie 2025 keine. Die routinemässige Jagdstrecke von mehreren hundert Tieren hat mit konkreter Konfliktlösung nichts zu tun.
Kranke Tiere sind die Ausnahme. Von den 572 Fallwild-Füchsen des Jahres 2024 entfielen rund 75 auf die Kategorie «Alter, Krankheit, Schwäche», der grosse Rest auf Verkehr, Bahn und andere Unfälle. Ein Seuchenproblem, das eine Bejagung von 866 Tieren rechtfertigen würde, bildet die kantonale Statistik nicht ab.
Quelle: BAFU, Sektion Wildtiere und Artenförderung, Eidgenössische Jagdstatistik (Stand 2026), sowie Jagd- und Fallwildstatistik des Amts für Wald, Jagd und Fischerei des Kantons Solothurn.
Was die Wissenschaft sagt
Bestandsregulation: Der Rotfuchs gleicht Verluste über erhöhte Reproduktion, verändertes Sozialverhalten und Zuwanderung rasch wieder aus. Für die im Revierjagdsystem übliche, räumlich unkoordinierte Fuchsjagd zeigt die verfügbare Evidenz keinen belastbaren Nachweis einer nachhaltigen Bestandsregulation (Baker et al. 2002; Rushton et al. 2006; Kämmerle et al. 2019).
Gesundheitszustand: Der Kanton Luzern ist der einzige, der den Gesundheitszustand erlegter Füchse systematisch erfasst. Von 2’217 untersuchten Tieren wiesen 39 einen Krankheitsbefund auf, über 98 Prozent waren gesund. Die Zahl bezieht sich auf die untersuchten Tiere, sie zeigt aber, dass die reguläre Jagd fast ausschliesslich gesunde Füchse trifft.
Tollwut: Besiegt wurde sie nicht durch die Jagd, sondern durch die Impfköder-Programme ab 1978. Letale Eingriffe können Seuchen sogar begünstigen, weil bejagte Tiere mobiler werden.
Fuchsbandwurm: Intensive Bejagung erhöht die Prävalenz (Comte et al. 2017, Raum Nancy: Anstieg von 44 auf 55 Prozent). Entwurmungsköder senkten das Infektionsrisiko im Landkreis Starnberg dagegen um 97 bis 99 Prozent. In Luxemburg fiel die Prävalenz nach dem Jagdverbot 2015 von rund 40 auf unter 10 Prozent.
Borreliose: Beutegreifer können über ihre Wirkung auf Nagergemeinschaften die Zeckenökologie indirekt beeinflussen (Hofmeester et al., Proceedings of the Royal Society B). Welchen Effekt die Fuchsjagd im Kanton Solothurn auf das Borreliose-Risiko hat, lässt sich ohne lokale Daten nicht beziffern; genau solche Daten erhebt der Kanton nicht.
Genf und Nationalpark: Genf kommt seit 1974 ohne private Jagdausübung aus, nur staatliche Wildhüterinnen und Wildhüter dürfen eingreifen, in den letzten beiden Berichtsjahren ohne einen einzigen Regulierungsabschuss auf Füchse. Der Schweizerische Nationalpark ist seit 1914 jagdfrei. In beiden Fällen liegt kein Hinweis auf eine Bestandsexplosion oder eine verschlechterte Krankheitslage vor.
Vollständige Studienübersicht: Studien: Auswirkung der Hobby-Jagd auf Wildtiere
Der Zuger SWILD-Bericht
Der Kanton Zug hat als bisher einziger Kanton auf die Fuchsjagd-Petition mit einer echten wissenschaftlichen Studie reagiert. Die Direktion des Innern beauftragte das Büro SWILD, dessen Fachbericht in der zweiten Fassung im Mai 2026 erschien und der Jagdkommission am 16. Juni 2026 vorlag.
Der Befund: Die gegenwärtig praktizierte, räumlich nicht koordinierte Fuchsjagd lässt keinen belastbaren Schluss auf eine nachhaltige Bestandsregulation zu, verbessert die Seuchenbekämpfung nicht und ist beim Schutz von Nutztieren nicht-letalen Methoden unterlegen. Die Erfahrungen aus Genf (seit 1974) und Luxemburg (seit 2015) liefern keinen Hinweis darauf, dass ein Verzicht auf die routinemässige Fuchsjagd zu einer Zunahme der Probleme geführt hätte.
Der Zuger Bericht zeigt zudem, dass eine wissenschaftliche Standortbestimmung auch ohne sofortiges flächendeckendes Bestandsmonitoring möglich ist: durch die Auswertung der vorhandenen Literatur und der bestehenden Jagd- und Fallwildstatistik. Beides liegt in Solothurn vor. Ob das den vom Regierungsrat genannten Aufwand vollständig entkräftet, ist eine politische Frage; dass er sie gar nicht erst stellt, ist der Befund.
Die vollständige Studie ist öffentlich zugänglich: Wissenschaftliche Grundlagen zur Fuchsjagd
Wo du die Kontaktdaten findest
Der Kantonsrat des Kantons Solothurn zählt 100 Mitglieder, gewählt in den fünf Amteien Solothurn-Lebern, Bucheggberg-Wasseramt, Thal-Gäu, Olten-Gösgen und Dorneck-Thierstein. In der Legislatur 2025 bis 2029 bilden sie fünf Fraktionen: SVP (25), FDP/GLP (24), Mitte/EVP (21), SP/Junge SP (21) und GRÜNE (9). Namen, Fraktionen und Kontaktangaben findest du über die offizielle Mitgliederliste des Parlaments unter so.ch – Kantonsrat. Am wirksamsten ist eine persönlich formulierte Nachricht an einzelne Mitglieder aus deiner Amtei oder deiner Partei.
Was im Kanton Solothurn bisher passiert ist
🧠 Psychologie der Hobby-Jagd im Kanton Solothurn
Bewegungsjagd, Hubertusmessen und politische Abwehr: Warum Jagdkritik in Solothurn nicht geprüft, sondern als Angriff auf die Ordnung gerahmt wird.
📌 Absurdistan Regierungsrat Solothurn
Wie die Solothurner Exekutive reagiert, wenn jagdliche Narrative öffentlich unter Druck geraten.
📌 Amtlicher Fachbericht entzieht der Fuchsjagd die Grundlage
Der SWILD-Bericht des Kantons Zug zeigt: Die Fuchsjagd reguliert keine Bestände und senkt kein Krankheitsrisiko.
📌 Fuchs Schweiz: Meistgejagter Beutegreifer ohne Lobby
Warum jährlich rund 19’000 Füchse ohne Abschussplanung und ohne wissenschaftlichen Grund erschossen werden.
🧠 Selbstregulation von Wildpopulationen
50 Jahre Genf und 110 Jahre Nationalpark belegen, dass sich Wildtiere ohne Hobby-Jagd stabilisieren.
📌 Hobby-Jäger als falsche Wildtierexperten
Wie in über zwölf Kantonen Petitionen und Vorstösse zur Fuchsjagd angestossen wurden.
