Amtlicher Fachbericht entzieht der Fuchsjagd die Grundlage
Jedes Jahr werden in der Schweiz rund 19’000 Rotfüchse erschossen, begründet mit Bestandsregulierung, Seuchenschutz und dem Schutz bedrohter Arten. Ein Fachbericht im Auftrag des Kantons Zug hat diese Begründungen nun erstmals wissenschaftlich überprüft. Das Ergebnis: Die Fuchsjagd reguliert die Bestände nicht, senkt das Krankheitsrisiko nicht und verhindert Schäden nicht. Die IG Wild beim Wild fordert die übrigen Kantone auf, die Konsequenz daraus zu ziehen.
Der Bericht «Wissenschaftliche Grundlagen zur Fuchsjagd» wurde vom Amt für Wald und Wild der Direktion des Innern des Kantons Zug in Auftrag gegeben und von der Zürcher Fachstelle SWILD (Stadtökologie, Wildtierforschung, Kommunikation) erstellt. Er erschien im Mai 2026 und diente dem Regierungsrat als Grundlage zur Beantwortung einer Petition. Es ist der bisher einzige kantonale Auftragsbericht zur Fuchsjagd in der Schweiz.
Keine Regulierungswirkung trotz hohem Aufwand
Der Bericht hält fest, dass die heute praktizierte Jagd über grössere Flächen keine Regulierung der Fuchsbestände bewirkt. Füchse gleichen Verluste rasch aus: Die Fähen pflanzen sich früher fort, bekommen grössere Würfe, Jung- und Alttiere überleben besser, und aus umliegenden Gebieten wandern neue Tiere zu. Reguliert wird der Bestand nicht durch die Jagd, sondern durch das Nahrungsangebot und durch Krankheiten. Die Zuger Zahlen bestätigen dies: In den letzten 25 Jahren wurden dort im Schnitt gut 300 Füchse pro Jahr geschossen, mit stark abnehmender Tendenz, ohne dass der Bestand angestiegen wäre.
Überwiegend gesunde Tiere erlegt
Wie wenig die Jagd mit Seuchenschutz zu tun hat, zeigt der Kanton Luzern, der als einziger den Gesundheitszustand erlegter Füchse systematisch erfasst. Von 2’217 getöteten Tieren wiesen nur 39 einen Krankheitsbefund auf. Über 98 Prozent der erschossenen Füchse waren gesund.
Beim Fuchsbandwurm ist die Jagd kontraproduktiv
Besonders deutlich fällt der Befund beim Fuchsbandwurm aus. Der Bericht verweist auf eine französische Studie aus dem Raum Nancy (Comte et al. 2017), in der intensive Bejagung die Fuchspopulation nicht senkte, die Bandwurm-Prävalenz im bejagten Gebiet aber von 44 auf 55 Prozent anstieg. Der Grund: Die durch die Jagd gerissenen Lücken werden von zuwandernden Jungfüchsen gefüllt, die eine besonders hohe Parasitenlast tragen. Dasselbe Muster zeigte sich bei der Tollwut, die nicht durch Jagd und Baubegasung besiegt wurde, sondern durch Impfköder.
Luxemburg: Befallsrate seit dem Jagdverbot deutlich gesunken
Was die Studienlage nahelegt, bestätigt Luxemburg im Praxistest. Unser Nachbarland hat die Fuchsjagd 2015 vollständig verboten. Seither untersucht das staatliche Veterinärlabor jährlich rund hundert tot aufgefundene Füchse. Die Befallsrate mit dem Fuchsbandwurm ist seither nicht gestiegen, sondern von rund 40 auf unter 10 Prozent gesunken. Die zuständige Ministerin hält fest, der Rückgang sei «entgegen der Befürchtungen einiger Akteure» eingetreten, und einer Weiterführung des Verbots stehe nichts im Wege. Auch der Kanton Genf kommt seit 1974 ohne Freizeitjagd aus; in den letzten beiden Jahren gab es dort keinen einzigen Regulierungsabschuss beim Fuchs.
Schäden gering, Schutzmassnahmen wirksamer als Abschüsse
Auch der Schutz von Nutztieren rechtfertigt die Jagd nicht. Im Kanton Zug wurden zwischen 2012 und 2025 insgesamt 67 Schadensfälle gemeldet, mit einer Gesamtsumme von rund 28’000 Franken oder etwa 2’000 Franken pro Jahr. Über 93 Prozent der Verluste betrafen Hühner. Ob ein Betrieb betroffen ist, hängt laut Bericht nicht von der Fuchsdichte ab, sondern vom Schutz der Ställe und Ausläufe. Gesicherte Zäune und die Geburt der Lämmer im Stall verhindern Risse zuverlässig.
Ein Schweizer Kanton hat endlich getan, was überfällig war: die Fuchsjagd wissenschaftlich prüfen lassen, statt sie mit Gewohnheit zu begründen. Das Ergebnis ist eindeutig. Wenn eine Massnahme weder gegen Seuchen noch für den Artenschutz noch gegen Schäden wirkt, ist sie kein Wildtiermanagement, sondern ein Ritual. Wir erwarten von den übrigen Kantonen, dass sie diese Fakten zur Kenntnis nehmen, sagt Carl Sonnthal von der IG Wild beim Wild.
Erste Konsequenzen sind bereits sichtbar
Der Zuger Befund wirkt über die Kantonsgrenze hinaus. Die Zuger Jagdkommission hat beschlossen, die Fuchsjagd nicht mehr proaktiv zu fördern. Der Kanton Basel-Stadt zeigt sich offen, einen Verzicht auf die reguläre Fuchsjagd vertieft zu prüfen, und stützt sich dabei ebenfalls auf den Zuger Bericht. Die IG Wild beim Wild fordert alle Kantone auf, die Fuchsjagd auf derselben wissenschaftlichen Grundlage zu überprüfen. Kein Bundesgesetz verpflichtet die Kantone zur Fuchsjagd; der Handlungsspielraum liegt bei ihnen.
Quellen und weiterführende Informationen
- SWILD (2026): Wissenschaftliche Grundlagen zur Fuchsjagd. Fachbericht im Auftrag des Amtes für Wald und Wild des Kantons Zug. Volltext: https://wildbeimwild.com/wp-content/uploads/2026/08/Wissenschaftliche-Grundlagen-zur-Fuchsjagd.pdf
- Kampagne «Schluss mit der Fuchsjagd»: https://wildbeimwild.com/fuchsjagd/
- Dossier «Der Fuchs in der Schweiz»: https://wildbeimwild.com/dossiers/der-fuchs-in-der-schweiz-meistgejagter-beutegreifer-ohne-lobby/
- Studienübersicht: https://wildbeimwild.com/studien-ueber-die-auswirkung-der-jagd-auf-wildtiere-und-jaeger/
