Tessiner Hobby-Jäger: Verstösse ohne Grenzen
In Valsolda, im Ortsteil Pian di Scagn, ereignete sich ein weiterer Fall, der die ohnehin angespannte Diskussion über jagdliche Grenzüberschreitungen neu entfacht.
Ein über sechzigjähriger Hobby-Jäger aus Lugano wurde von der Provinzpolizei gestoppt.
Auch er war ohne den in der EU vorgeschriebenen Waffenschein in Italien unterwegs und führte einen Hund mit, der gemäss Augenzeugen kaum unter Kontrolle stand. Der Vorwurf des Hausfriedensbruchs steht ebenfalls im Raum. Es handelt sich bereits um den x-ten dokumentierten Fall dieser Art, nachdem in den Tagen zuvor zwei ähnliche Verstösse im Gebiet des Bisbino aufgefallen waren, schreiben italienische Medien.
Kommandant Marco Testa, Leiter der Provinzpolizei, schildert den Einsatz als Beispiel funktionierender grenzüberschreitender Zusammenarbeit. Seine Tessiner Kollegen hätten entscheidend zur raschen Aufklärung beigetragen. Die jüngsten Ergebnisse bezeichnet er als Hinweis darauf, dass solche Verstösse nicht zufällig, sondern mit auffälliger Sorglosigkeit begangen würden. Laut Testa zeigen die Ereignisse, wie oft Hobby-Jäger aus dem Tessin unerlaubt italienisches Gebiet betreten und wie verharmlosend dabei mit internationalen Vorschriften umgegangen wird.
Für den Mann aus Lugano hat der Vorfall juristische Konsequenzen. Er muss sich dafür verantworten, Anordnungen zum Import von Schusswaffen nach Italien missachtet zu haben. Testa bewertet das als Delikt von erheblichem Gewicht, insbesondere weil es in einem Gebiet begangen wurde, das aufgrund seiner Lage engmaschig kontrolliert wird.
Besondere Bedeutung erhält der Fall, weil in den umliegenden Höhenlagen empfindliche Bestände alpiner Tierarten leben. Diese sind in vielerlei Hinsicht bedroht und benötigen Schutzräume, die nicht durch unkontrollierte Hobby-Jagd oder Grenzverstösse gefährdet werden dürfen. Laut Testa rechtfertigt dies eine Ausweitung und Intensivierung der Kontrollen.
Für den Tierschutz und eine kritische Jagdbeobachtung bestätigen die jüngsten Ereignisse, wie wichtig konsequente Überwachung und transparente Strafverfolgung sind. Denn jeder Verstoss zeigt, wie fragil die Balance zwischen Schutzgebieten, internationalem Recht und jagdlichen Interessen bleibt.
Nach Auffassung der IG Wild beim Wild braucht es für Hobby-Jäger jährliche medizinisch-psychologische Eignungsgutachten nach dem Vorbild der Niederlande sowie eine verbindliche Altersobergrenze. Die grösste Altersgruppe unter den Hobby-Jägern ist heute 65+. In dieser Gruppe nehmen altersbedingte Einschränkungen wie nachlassende Sehfähigkeit, verlangsamte Reaktionszeiten, Konzentrationsschwächen und kognitive Defizite statistisch deutlich zu. Gleichzeitig zeigen Unfallanalysen, dass die Zahl schwerer Jagdunfälle mit Verletzten und Todesopfern ab dem mittleren Lebensalter signifikant ansteigt.
Die regelmässigen Meldungen über Jagdunfälle, tödliche Fehlhandlungen und den Missbrauch von Jagdwaffen verdeutlichen ein strukturelles Problem. Der private Besitz und Einsatz tödlicher Schusswaffen zu Freizeitzwecken entzieht sich weitgehend einer kontinuierlichen Kontrolle. Aus Sicht der IG Wild beim Wild ist dies nicht länger verantwortbar. Eine Praxis, die auf freiwilligem Töten basiert und zugleich erhebliche Risiken für Menschen und Tiere erzeugt, verliert ihre gesellschaftliche Legitimation.
Hobby-Jagd beruht zudem auf Speziesismus. Speziesismus beschreibt die systematische Abwertung nichtmenschlicher Tiere allein aufgrund ihrer Artzugehörigkeit. Er ist mit Rassismus oder Sexismus vergleichbar und weder kulturell noch ethisch zu rechtfertigen. Tradition ersetzt keine moralische Prüfung.
Gerade im Bereich der Hobby-Jagd ist kritische Prüfung unerlässlich. Kaum ein anderes Feld ist derart von beschönigenden Erzählungen, Halbwahrheiten und gezielter Desinformation geprägt. Wo Gewalt normalisiert wird, dienen Narrative oft der Rechtfertigung. Transparenz, überprüfbare Fakten und eine offene gesellschaftliche Debatte sind deshalb unverzichtbar.
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