Die enttäuschende Buchpräsentation von Marcel Züger
Buchpräsentation «Mensch, Wolf» – oder: Wenn das Highlight das Knabbergebäck ist.
Man hatte sich viel vorgenommen: Die Präsentation des Buchs «Mensch, Wolf» vom Kaktusbiologe Marcel Züger sollte ein Festakt werden.
Was wurde es? Eher ein lauwarmer Freitagabend mit Punschgefühl – nur ohne den Punsch.
Rund 35 Menschen verirrten sich ins Vortragshaus der Somedia AG – darunter etwa 15 Wolfsschützer, Kritiker und sonstige Neugierige. Die restlichen Plätze blieben leer, so wie später auch viele Erwartungen.
Nach einer rituellen Lobhudelei des Verlagshauses (klar, was sollten sie sonst sagen: „Sorry, war ein Griff daneben“?), folgten zwei Redebeiträge der „politischen Elite“. Ständerat Stefan Engler bemühte sich, das Publikum mit altbekannten Worthülsen aus der Mottenkiste der Wolfskritik einzulullen. Doch was dann kam, hätte selbst Kafka staunen lassen: Der Landammann aus Appenzell Innerrhoden erzählte von seinem Kindheitstrauma mit Rotkäppchen – ob das therapeutisch für ihn oder traumatisch fürs Publikum war, bleibt offen.
Besonders eindrücklich: Ein Jugendlicher flüchtete panisch, mit einem Tuch vor dem Mund. Ob es der Inhalt oder das Raumklima waren, konnte später leider nicht mehr geklärt werden. Man kann es ihm nicht verdenken.
Nach und nach verliessen auch einige Wolfsgegner aus der Surselva den Saal – offenbar war der geistige Nährwert für alle Beteiligten eher sektiererischer Natur.
Dann endlich das „Highlight“ des Abends: Marcel Züger selbst. Der Mann, der laut Eigenangabe zwischen Pflanzenkunde und Wildbiologie pendelt, stieg etwas errötet ins Thema ein – und blieb dann wie gewohnt an seinen Lieblingsthemen hängen: gefährliche Herdenschutzzäune, der böse Wolf und, man höre und staune, des Wolfes „Schweif“. Zoologisch korrekt? Nein. Aber wer braucht schon Fachwissen, wenn er Meinung hat?
Die versprochene Fragerunde wurde mit einem lässigen „Heute ist nicht der Abend für polemische Fragen“ abgewürgt. Das nennt man wohl Prävention gegen unkontrollierte Denkprozesse.
Beim Apéro versuchte ein Vertreter der Wolfsschutzgruppen, das Gespräch zu suchen. Züger lächelte, sagte „gleich“, verschwand – und blieb verschwunden. Vermutlich war auch das Schweif-Thema erschöpfend.
Fazit: Eine Veranstaltung, wie bei einer Hobby-Jägerversammlung, deren inhaltlicher Tiefgang sich eher am Buffet abspielte. Immerhin: Die Pommes Chips waren knusprig.
Wer Fakten statt Meinung hören will, dem sei der Wolfspodcast empfohlen.
https://der-wolfspodcast.podigee.io/60-neue-episode/embed?context=website
oder die Factsheets zum Buch «Mensch Wolf» von Marcel Züger.
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