Hobby-Jagd: Warum Töten aus Spass kein Naturschutz ist
Sie reden von Hege, Verantwortung und Tradition. Doch was sich hinter der grünen Romantik der Jägersprache verbirgt, ist brutal und blutig: die Lust am Töten.
Jahr für Jahr ziehen bewaffnete Hobby-Jäger hinaus in unsere Wälder, nicht um die Natur zu schützen, sondern um Lebewesen ins Visier zu nehmen.
Tiere, die nichts verbrochen haben, die fühlen, leiden, Angst empfinden – werden zum blossen Zielobjekt degradiert.
In Europa sterben jährlich Millionen Wildtiere durch die Hobby-Jagd, darunter Rehe, Wildschweine, Füchse, Vögel oder Enten. Zahlen zeigen eindrücklich: Es geht nicht um einzelne Schüsse, sondern um industrielle Abschüsse unter dem Deckmantel von Jagd und Hege.
Nicht jeder Schuss tötet sofort. Viele Wildtiere werden angeschossen, flüchten verletzt und sterben qualvoll nach Stunden oder Tagen. Über diese Fehlschüsse schweigt die Jagdlobby, doch selbst Hobby-Jäger geben an, dass die Zahl der Nachsuchen mit Hunden beträchtlich ist. In der Schweiz sind die Freizeit-Killer die miserabelsten Schützen überhaupt, das liegt vor allem an der Ausbildung und Praxis.
Auch für Menschen ist die Hobby-Jagd gefährlich. Jedes Jahr sterben Hunderte Menschen wegen dieser Problem-Jäger.
Eine umfassende Übersichtsstudie über Freizeitjagd bei Vögeln und Säugetieren in Europa (1953–2020) fand, dass Jagdpraktiken „häufig negative Auswirkungen auf Biodiversität, Wildtierpopulationen und Ökosystem-Funktionen“ haben. Zum Beispiel war die Hobby-Jagd auch ein Weg für die Einschleppung invasiver Arten nach Europa, wodurch heimische Ökosysteme weiter destabilisiert wurden. Zudem begünstigt die Hobby-Jagd laut einer Studie die Ausbreitung invasiver Arten. Damit wird die Natur geschädigt, die sie angeblich schützen will.
„Strecke legen“, „Hegeabschuss“, „Wildschaden regulieren“, diese Begriffe verschleiern die Realität: Ein Tier wurde gehetzt, angeschossen, blutig aufgeschlitzt, hat oft einen qualvollen Tod erlitten oder wurde sinnlos getötet. Die Jagdterminologie beschönigt und entmenschlicht das, was stattfindet: Tod auf Knopfdruck mit einem Gewehr.
Viele Hobby-Jäger brüsten sich mit Geweihen, Fellen, präparierten Köpfen. Das Leiden eines fühlenden Lebewesens wird zum Dekor für das Wohnzimmer. Das ist keine Liebe zur Natur, das ist Machtausübung, Narzissmus, psychologische Störungen und Geltung auf Kosten der Schwächsten.
Jagd ist kein Naturschutz
Argumente wie „Wildbestände müssen reguliert werden“ oder „Ohne Jagd gerät das Ökosystem aus dem Gleichgewicht“ werden oft vorgebracht. Doch Studien zeigen:
- Die Überprüfung von Jagdpraktiken zeigt erhebliche negative Effekte auf Wildtierpopulationen und Ökosystemfunktionen.
- Der Deutsche Tierschutzbund sagt klar: „Jagd dient nicht dem Schutz bedrohter Arten, sondern weitgehend der Freizeitgestaltung.“ Damit wird deutlich: Die Hobby-Jagd als „natürliche Regulierung“ ist in vielen Fällen ein Mythos.
Die Hobby-Jagd ist kein Ehrenamt, kein Naturschutz und kein Kulturgut, zumindest nicht in der Form, wie sie heute vielfach betrieben wird. Sie ist ein Relikt aus einer Zeit, in der Gewalt gegen Tiere selbstverständlich war. Heute wissen wir mehr: Wir wissen, dass Tiere Schmerz, Trauer und Freude empfinden. Sie sind keine Objekte, keine Spielfiguren für Waffennarren.
Die Natur braucht keine bewaffneten Freizeitkiller. Sie reguliert sich selbst, seit Millionen von Jahren, bevor der Mensch eingriff. Wolf, Luchs, Fuchs und andere Beutegreifer übernehmen diese Rolle. Doch genau diese Tiere werden von Hobby-Jägern gnadenlos verfolgt, weil sie angeblich „Konkurrenten“ sind. In Wahrheit fürchten die Hobby-Jäger nur um ihre Beute.
Es ist Zeit, das Töten aus Lust zu ächten, so wie wir Hexenverbrennungen, Stierkämpfe, Sklaverei und Gladiatorenkämpfe hinter uns gelassen haben. Die Hobby-Jagd ist kein Recht, sie ist ein Unrecht.
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Mehr zum Thema Hobby-Jagd: In unseren Dossiers zur Kritik an der Hobby-Jagd bündeln wir Faktenchecks, Analysen und Hintergrundberichte. Was die Forschung dazu sagt, zeigt Jagd im Faktencheck: die Studienlage.
Die Position der IG Wild beim Wild: Die IG Wild beim Wild lehnt die Hobby-Jagd ab. Unser Vorbild ist der Kanton Genf, der seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt: ohne Jagdzeiten, ohne Jagdhunde, ohne Treibjagden, ohne Hochsitze, ohne die Tierquälerei und die Kriminalität, die anderswo zur Jagdsaison gehören. Was dort seit über fünfzig Jahren funktioniert, widerlegt jedes Positionspapier von JagdSchweiz. Ein Verband, der seine Politik auf Behauptungen stützt, die er in den eigenen Dokumenten widerlegt, ist keine Fachorganisation, sondern eine Fabrik für Fehlinformationen.
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