Fuchsjagd stoppen – Grosser Rat Thurgau anschreiben
Der Thurgau ist ein Revierjagdkanton: Die Gemeinden verpachten ihre Reviere an private Hobby-Jagdgesellschaften, und zwischen 2020 und 2024 wurden hier im Schnitt 712 Füchse pro Jahr erschossen, dazu kamen im Mittel 863 als Fallwild registrierte Tiere. Im Frühjahr 2026 verlangten die GRÜNEN-Kantonsräte Mathis Müller und Isabelle Vonlanthen-Specker mit einer Einfachen Anfrage, diese Praxis endlich wissenschaftlich zu überprüfen.
Der Regierungsrat lehnte am 21. April 2026 ab (Beantwortung Nr. 209). Seine Antwort nennt keine einzige Studie, beruft sich auf Kosten und die Aufgaben- und Verzichtsplanung 2025 bis 2027 und bestreitet, dass das heutige Fuchsmanagement zu wenig evidenzbasiert sei. Bemerkenswert ist ein Eingeständnis mitten im Text: Der Kanton versteht die Fuchsjagd ausdrücklich «nicht als Instrument einer umfassenden populationsbiologischen Steuerung». Damit räumt er selbst ein, dass die jährlichen Abschüsse den Bestand gar nicht steuern.
Was dann übrig bleibt, beantwortet die Regierung nicht: Wenn die Abschüsse den Bestand nicht regulieren, welchem belegten Zweck dienen sie? Statt einer Wirkungskontrolle verweist die Antwort auf das Baujagdverbot von 2017 und auf Unterflurcontainer im Siedlungsraum. Beides ist sinnvoll, doch keines erklärt, warum weiterhin Hunderte gesunder Tiere geschossen werden.
Du kannst etwas tun, ganz gleich, in welcher Region du lebst. Wende dich direkt an eine Kantonsrätin oder einen Kantonsrat des Grossen Rates. Das ist legal, wirksam und kostet nur wenig Zeit.
Wichtig: Verlass dich nicht allein auf die E-Mail. Aus mehreren Kantonen erreichten uns Rückmeldungen, dass Nachrichten zur Hobby-Jagd auf den Fuchs mitunter als unzustellbar zurückkommen. Ob das an falschen Adressen oder an Filtern liegt, lässt sich von aussen nicht beurteilen. Nutze deshalb mehrere Wege: einen Brief, einen Anruf oder das persönliche Gespräch. Oft ist eine Nachricht an ein Fraktions- oder Parteisekretariat wirksamer als an einzelne Mitglieder, und ein Brief oder Anruf lässt sich schwerer ausfiltern als eine E-Mail.
Musterbrief – kopiere diesen Text in dein Mailprogramm
Betreff: Fuchsjagd im Thurgau – bitte für eine evidenzbasierte Überprüfung einsetzen
Sehr geehrte Frau [Name] / Sehr geehrter Herr [Name]
Ich wende mich als Stimmbürgerin / Stimmbürger direkt an Sie, weil mich die Praxis der Fuchsjagd im Thurgau beschäftigt.
Im April 2026 hat der Regierungsrat eine Einfache Anfrage für eine evidenzbasierte Fuchsjagd abgelehnt (Beantwortung Nr. 209) und dies mit Kosten und fehlendem Mehrwert begründet, ohne eine einzige wissenschaftliche Studie anzuführen. Zugleich hält er fest, die Fuchsjagd sei «nicht als Instrument einer umfassenden populationsbiologischen Steuerung» zu verstehen. Damit ist eingeräumt, dass die jährlich rund 712 Abschüsse den Bestand nicht steuern.
Die Forschungslage ist eindeutig. Der Kanton Luzern, der als einziger den Gesundheitszustand erlegter Füchse systematisch erfasst, zeigt: Von 2’217 getöteten Tieren wiesen nur 39 einen Krankheitsbefund auf, über 98 Prozent waren gesund. Abschüsse werden zudem durch erhöhte Reproduktion und Zuwanderung rasch ausgeglichen (Baker & Harris 2006; Rushton et al. 2006; Kämmerle et al. 2019). Beim Fuchsbandwurm ist die Jagd sogar kontraproduktiv: Im Raum Nancy stieg die Prävalenz unter intensiver Bejagung von 44 auf 55 Prozent (Comte et al. 2017), während sie in Luxemburg nach dem Jagdverbot von 2015 von rund 40 auf unter 10 Prozent fiel.
Auch die Praxis spricht dagegen: Genf verzichtet seit 1974 auf die Hobby-Jagd, der Schweizerische Nationalpark ist seit 1914 jagdfrei, und der Kanton Zug hat die Fuchsjagd nach einer eigenen wissenschaftlichen Studie (SWILD, Mai 2026) nicht mehr proaktiv gefördert. Nirgends kam es dadurch zu Bestandsexplosionen, vermehrten Schäden oder einer schlechteren Krankheitslage.
Ich bitte Sie, das Thema im Grossen Rat erneut aufzunehmen und sich für ein wissenschaftlich abgestütztes Fuchsmanagement mit Fokus auf nicht-letale Methoden einzusetzen. Die Notwendigkeit der regulären Fuchsjagd im Thurgau sollte kritisch und faktenbasiert hinterfragt werden.
Freundliche Grüsse
[Ihr Name]
[Ihr Wohnort]
Was im Kanton Thurgau entschieden wurde
Einfache Anfrage «Einführung bzw. Überprüfung einer evidenzbasierten Fuchsjagd», eingereicht im Frühjahr 2026 von den GRÜNEN-Kantonsräten Mathis Müller und Isabelle Vonlanthen-Specker. Gefordert wurden ein wissenschaftlich fundiertes Bestandsmonitoring, eine Evaluation der Wirkung der Fuchsjagd sowie Massnahmen gegen anthropogene Nahrungsquellen im Siedlungsraum.
Beantwortung Nr. 209 vom 21. April 2026: Ablehnung. Der Regierungsrat lehnt ein flächendeckendes Monitoring mit Verweis auf Personal- und Finanzaufwand ab, sieht keinen «verhältnismässigen Mehrwert» und teilt die Prämisse nicht, das bestehende Management sei zu wenig evidenzbasiert, ohne dafür eine Quelle zu nennen. Zugleich bezeichnet er die Fuchsjagd selbst nicht als populationsbiologische Steuerung.
Der Thurgau ist Revierjagdkanton: Die Reviere werden an private Jagdgesellschaften verpachtet, die auf eigene Rechnung als Freizeitbeschäftigung jagen. Dass sich jagdliche Praktiken überprüfen und einschränken lassen, hat der Kanton bereits bewiesen: 2017 verbot der Grosse Rat als erster Kanton der Schweiz die Baujagd mit Hunden auf Füchse und Dachse. Was dort möglich war, ist auch bei der übrigen Fuchsbejagung möglich.
Was die Wissenschaft sagt
Bestandsregulation: Der Rotfuchs gleicht Verluste über erhöhte Reproduktion, verändertes Sozialverhalten und Zuwanderung rasch wieder aus. Selbst intensive Bejagung zeigt keinen nachhaltigen Effekt auf den Bestand (Baker et al. 2002; Rushton et al. 2006; Kämmerle et al. 2019).
Tollwut: Besiegt wurde sie nicht durch die Jagd, sondern durch die Impfköder-Programme ab 1978. Letale Eingriffe können Seuchen sogar begünstigen, weil bejagte Tiere mobiler werden.
Fuchsbandwurm: Intensive Bejagung erhöht die Prävalenz (Comte et al. 2017, Raum Nancy). Entwurmungsköder senkten das Infektionsrisiko im Landkreis Starnberg dagegen um 97 bis 99 Prozent. In Luxemburg fiel die Prävalenz nach dem Jagdverbot 2015 von rund 40 auf unter 10 Prozent.
Borreliose: Füchse regulieren Mäuse und Nager, die als Reservoir für Borreliose-übertragende Zecken gelten. Wo Beutegreifer aktiver sind, treten spürbar weniger zeckentragende Nager auf (Hofmeester et al., Proceedings of the Royal Society B).
Genf und Nationalpark: Genf kommt seit 1974 ohne Hobby-Jagd aus, nur staatliche Wildhüterinnen und Wildhüter dürfen eingreifen, in den letzten beiden Berichtsjahren ohne einen einzigen Regulierungsabschuss auf Füchse. Der Schweizerische Nationalpark ist seit 1914 jagdfrei, ohne Bestandsexplosion und ohne schlechtere Krankheitslage.
Vollständige Studienübersicht: Studien: Auswirkung der Hobby-Jagd auf Wildtiere
Der Zuger SWILD-Bericht
Der Kanton Zug hat als bisher einziger Kanton auf die Fuchsjagd-Petition mit einer echten wissenschaftlichen Studie reagiert. Die Direktion des Innern beauftragte das Büro SWILD, dessen Fachbericht in der zweiten Fassung im Mai 2026 erschien und der Jagdkommission am 16. Juni 2026 vorlag.
Der Befund ist eindeutig: Die praktizierte Fuchsjagd reguliert die Bestände nicht nachhaltig, verbessert die Seuchenbekämpfung nicht und ist beim Schutz von Nutztieren nicht-letalen Methoden unterlegen. Die Erfahrungen aus Genf (seit 1974) und Luxemburg (seit 2015) bestätigen: Wildtiermanagement funktioniert ohne Hobby-Jagd auf den Rotfuchs.
Die vollständige Studie ist öffentlich zugänglich: Wissenschaftliche Grundlagen zur Fuchsjagd
Wo du die Kontaktdaten findest
Der Grosse Rat des Kantons Thurgau zählt 130 Kantonsrätinnen und Kantonsräte. Namen, Fraktionen und Kontaktangaben findest du über die offizielle Mitgliederliste des Parlaments unter parlament.tg.ch – Mitglieder. Am wirksamsten ist eine persönlich formulierte Nachricht an einzelne Mitglieder aus deiner Region oder deiner Partei. Bitte schreibe nicht alle gleichzeitig an; ein gezielter Einzelkontakt oder eine Nachricht an ein Fraktionssekretariat wirkt stärker als ein Massenversand.
Was im Kanton Thurgau bisher passiert ist
📌 Kanton Thurgau verbietet Baujagd endgültig
Als erster Kanton der Schweiz verbot der Grosse Rat 2017 die Baujagd auf Füchse und Dachse. Der Beweis, dass der Kanton jagdliche Praktiken einschränken kann.
🧠 Psychologie der Hobby-Jagd im Kanton Thurgau
Warum der Thurgau die Hobby-Jagd als «Dienstleistung» für die Landwirtschaft rahmt und sich damit gegen Kritik immunisiert.
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Warum jährlich rund 19’000 Füchse ohne Abschussplanung und ohne wissenschaftlichen Grund erschossen werden.
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50 Jahre Genf und 110 Jahre Nationalpark belegen, dass sich Wildtiere ohne Hobby-Jagd stabilisieren.
📌 Hobby-Jäger als falsche Wildtierexperten
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