Tierrechte

Die Tage der Stopfleber sind gezählt

Ohne Zweifel ist die Gänseleberproduktion eines der grausamsten Dinge, denen Tiere heute in Massentierhaltungsbetrieben ausgesetzt sind. Es ist eines der ganz wenigen Produkte, die durch absichtliches Hervorrufen einer schmerzhaften, schwächenden Krankheit bei gesunden Jungtieren hergestellt wird.

Die EU hat diese Woche einen kleinen, aber wichtigen Schritt unternommen, um die Produktion von Foie Gras zu verbieten.

Der französischen Delikatesse, die entweder für Luxus oder Grausamkeit steht, je nachdem, auf welcher Seite des Tisches man sitzt.

Die EU-Gesetzgebung kann etwas verworren sein. Was in der EU typischerweise passiert, ist, dass die Europäische Kommission, die Exekutive, Gesetze vorschlägt, die das Europäische Parlament dann entweder billigt, ändert oder ablehnt. In diesem Fall war es jedoch das Europäische Parlament, das zuerst handelte und die Kommission am 10.6.2021 förmlich aufforderte, ein Gesetz zu verfassen, das die Versammlung und die EU-Mitgliedstaaten dann fertigstellen und verabschieden müssten. Anders ausgedrückt: Ein Verbot von Gänseleber steht jetzt auf der europäischen Speisekarte – aber es ist noch nicht auf dem Tisch angekommen. 

Sollte die EU jedoch letztendlich ein Verbot verhängen, würden die Auswirkungen wahrscheinlich weit über den Kontinent hinausgehen. Nach Branchenschätzungen werden derzeit 90 % der weltweiten Stopfleber in den 27 Mitgliedsstaaten der EU produziert.

Wörtlich übersetzt bedeutet Foie Gras auf Französisch „Fettleber“. Es wird aus den vergrösserten Lebern von Enten und Gänsen hergestellt, die durch einen als Sondenfütterung bekannten Prozess zwangsernährt wurden. Dabei wird ein Schlauch in den Rachen des Tieres eingeführt, um es vor der Schlachtung zu mästen. Tierrechtsgruppen wie PETA sehen dies als unmenschlich an, während Verteidiger von Foie Gras behaupten, dass solche Bedenken fehlgeleitet sind, da sie Tiere mit einer anderen Physiologie als Menschen vermenschlichen.

Neben der Beendigung der sogenannten „grausamen und unnötigen“ Zwangsfütterung von Enten und Gänsen will das Europäische Parlament in den nächsten Jahren auch die Käfighaltung auslaufen lassen.

Die EU hat einige der strengsten Tierschutzstandards in der Welt, darunter ein Verbot von Batteriekäfigen für Hühner. Dennoch schätzt die Regierung, dass die überwiegende Mehrheit – mehr als 90 % – ​​der in der EU gezüchteten Kaninchen in Käfigen gehalten wird. Die neuen Vorschriften würden sowohl in der EU hergestellte als auch in die Mitgliedstaaten importierte tierische Produkte abdecken. Die Resolution fordert auch, dass die EU finanzielle Massnahmen genehmigt, um europäische Landwirte bei der Einführung der strengeren Tierschutzstandards zu unterstützen.

Regierungen auf der ganzen Welt haben in den letzten Jahren zunehmend Schritte unternommen, um Gänseleber aus den Speisekarten zu streichen, darunter in Indien, Israel und Grossbritannien. In den Vereinigten Staaten wurden inzwischen mehrere lokale und staatliche Verbote mit unterschiedlichem Erfolg verabschiedet. Die Stadt Chicago verbot 2006 den Verkauf, bevor sie dieses Gesetz zwei Jahre später wieder aufhob. Ein landesweites Verbot in Kalifornien wurde im vergangenen Sommer von einem Bundesrichter teilweise aufgehoben. Und im nächsten Jahr soll ein Verbot in New York City in Kraft treten.

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