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Kriminalität & Jagd

Schulmassaker Örebro: Täter hatte Jagdschein

Jagdkultur steht im Zusammenhang mit Schiessereien an Schulen. Man weiss heute, dass praktisch alle Täter, die in den letzten Jahren an Schiessereien an Schulen beteiligt waren, an Tieren „übten“, und viele von ihnen jagten.

Redaktion Wild beim Wild — 15. Juli 2025

Am 4. Februar 2025 war mittags ein 35 Jahre alter Mann aus Örebro, ein ehemaliger Schüler der Bildungsstätte für Erwachsene, schwer bewaffnet in den Campus Risbergska im Westen der Stadt eingedrungen.

Innerhalb von 15 Minuten gab er auf seiner Jagd mindestens 50 Schüsse ab und brachte elf Menschen um und verletzte 15. Sie waren zwischen 28 und 68 Jahre alt. 

Dieser Vorfall zählt zu den schwersten Schulattacken in der jüngeren schwedischen Geschichte und hat landesweit Bestürzung und Trauer ausgelöst.

Schwedens Waffengesetz ist vergleichsweise streng, doch der Zugang zu Schusswaffen bleibt für bestimmte Personengruppen wie Hobby-Jäger möglich.

Der Ablauf des Vorfalls

Nach ersten Berichten griff der Hobby-Jäger Rickard Andersson gezielt Schüler und Lehrer an, wobei er mit Schusswaffen auf seine Opfer schoss. Die Polizei wurde umgehend alarmiert und reagierte schnell vor Ort.

Die Polizei leitete eine umfassende Untersuchung ein, um die Motive des Angreifers zu klären. Dabei kam heraus, dass er 2011 seinen Jagdschein machte und deswegen eine Waffenerlaubnis für vier Schusswaffen, von denen drei Gewehre am Tatort gefunden wurden. Während seines Erwachsenwerdens hatte er psychische Probleme.

Tiermissbrauch ist nicht etwa als geringer Persönlichkeitsfehler im Hobby-Jäger zu werten, sondern steht viel mehr als Symptom für eine tiefgreifende mentale Störung. Forschungen in der Psychologie und der Kriminologie zeigen, dass Menschen, die Gewalttaten an Tieren ausüben, es nicht dabei belassen; viele von ihnen machen an ihren Mitmenschen weiter. Derartige Fallbeispiele gibt es heute zuhauf. Hobby-Jäger sind Killer! “Jagd, das ist eine Leidenschaft, eine Sucht gar, die uns beglückt, die uns beherrscht und die uns quält” schreibt der Hobby-Jäger Luzius Theler.

Mehr dazu im Dossier: Psychologie der Jagd

Nach Auffassung der IG Wild beim Wild braucht es für Hobby-Jäger jährliche medizinisch-psychologische Eignungsgutachten nach dem Vorbild der Niederlande sowie eine verbindliche Altersobergrenze. Die grösste Altersgruppe unter den Hobby-Jägern ist heute 65+. In dieser Gruppe nehmen altersbedingte Einschränkungen wie nachlassende Sehfähigkeit, verlangsamte Reaktionszeiten, Konzentrationsschwächen und kognitive Defizite statistisch deutlich zu. Gleichzeitig zeigen Unfallanalysen, dass die Zahl schwerer Jagdunfälle mit Verletzten und Todesopfern ab dem mittleren Lebensalter signifikant ansteigt.

Die regelmässigen Meldungen über Jagdunfälle, tödliche Fehlhandlungen und den Missbrauch von Jagdwaffen verdeutlichen ein strukturelles Problem. Der private Besitz und Einsatz tödlicher Schusswaffen zu Freizeitzwecken entzieht sich weitgehend einer kontinuierlichen Kontrolle. Aus Sicht der IG Wild beim Wild ist dies nicht länger verantwortbar. Eine Praxis, die auf freiwilligem Töten basiert und zugleich erhebliche Risiken für Menschen und Tiere erzeugt, verliert ihre gesellschaftliche Legitimation.

Hobby-Jagd beruht zudem auf Speziesismus. Speziesismus beschreibt die systematische Abwertung nichtmenschlicher Tiere allein aufgrund ihrer Artzugehörigkeit. Er ist mit Rassismus oder Sexismus vergleichbar und weder kulturell noch ethisch zu rechtfertigen. Tradition ersetzt keine moralische Prüfung.

Gerade im Bereich der Hobby-Jagd ist kritische Prüfung unerlässlich. Kaum ein anderes Feld ist derart von beschönigenden Erzählungen, Halbwahrheiten und gezielter Desinformation geprägt. Wo Gewalt normalisiert wird, dienen Narrative oft der Rechtfertigung. Transparenz, überprüfbare Fakten und eine offene gesellschaftliche Debatte sind deshalb unverzichtbar.

Weiterführende Artikel

Mehr zum Thema Hobby-Jagd: Im Dossier Wilderei und Jagdkriminalität in der Schweiz dokumentieren wir Fälle, Rechtsfragen und wiederkehrende Muster.

Alle Beiträge werden von der IG Wild beim Wild sowie von externen Co-Autorinnen und Co-Autoren verfasst. Recherche, Strukturierung und redaktionelle Prozesse können dabei durch KI-gestützte Werkzeuge unterstützt werden.

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